BALDRIAN – Fit am Tag, stark für die Nacht

Valeriana officinalis L.
Familie: Geißblattgewächse
Arzneidroge: Valerianae radix (Baldrianwurzel)

Im Lorscher Arzneibuch, dem ältesten schriftlichen Zeugnis der Klostermedizin, das in der Zeit der Karolinger entstand, steht geschrieben: „Allzu viel Schlaf gleicht das Mittel mit Wachen aus, bei übermäßiger Schlaflosigkeit sorgt es für den entsprechenden Schlaf, es befreit von Erschöpfung, nimmt die Trägheit […]

Interessant ist, dass Baldrian tagsüber die Konzentration und Wachheit fördert, z.B. in Stresssituationen oder bei Prüfungsangst. Seine Indikationen sind Konzentrationsschwierigkeiten und Nervosität. Zur Nacht bringt er das Gedankenkarussell zum Stillstehen und wirkt schlafanstoßend. So unterschiedlich das klingt, gemeinsam ist diesen beiden Wirkungsweisen die Erdung und Zentrierung – die Energie des „bei-sich-Bleibens“, so beschreiben es Cornelia Stern und Helga Ell-Beiser in ihrem 680 Seiten dicken Wälzer über Phytotherapie. Wie bei vielen pflanzlichen Mitteln tritt seine Schlafförderung allmählich ein und kommt erst nach fünf bis 14 Tagen zum Tragen. Dann aber sanft und nachhaltig.

Abends eingenommen kann er bei Schlafproblemen unterstützen. Schon in mittelalterlichen Kräuterbüchern ist er als Kräftigungsmittel zu finden, z. B. gegen Erschöpfung durch geistiges Arbeiten: Die Wirkstoffe beeinflussen u. a. die Verstoffwechslung zahlreicher Botenstoffe des Gehirns – darunter auch Dopamin, das u. a. beim Lernen, Denken und Verstehen eine wichtige Rolle spielt.

Baldrian bei Prüfungsangst

Studien legen zudem nahe, dass Baldrian beruhigende und angstlösende Effekte hat. Wer beispielsweise Angst vor einer Prüfung hat oder in Stresssituationen nervös und unruhig ist, kann ein Baldrianpräparat nehmen (Immer in Absprache mit dem Arzt). Interessant ist, dass Baldrian tagsüber zwar beruhigt, aber man sich keine Sorgen machen muss, dass man einschläft, auch wenn der Beipackzettel zur Vorsicht mahnt. Baldrian kann tagsüber sogar aufmunternd wirken.

Was viele nicht wissen und Baldrian deshalb enttäuscht wieder weglegen, da es „nicht gewirkt hat“. Wie schon erwähnt verbessert er den Schlaf meist nicht nach der ersten Einnahme. Oft sind mindestens zwei Wochen nötig, bis sich die Effekte bemerkbar machen. Dafür hat er wie viele pflanzliche Mittel keine Nebenwirkungen – und vor allem: im Gegensatz zu vielen chemischen Schlafmitteln ist man tagsüber nicht müde!

Ein einzelner Wirkstoff, der schlaffördernd wirkt, wurde bei Baldrian nicht gefunden. Man geht davon aus, dass das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe synergistisch wirkt.

Valeriana officinalis, Historische Bildtafel Lindman

Kulturgeschichte des Baldrians

Baldrian taucht auch zusammen mit Bibernelle als geweissagtes Heilmittel in vielen Pestsagen auf: „Esst Bibernellen und Baldrian so geht euch die Pest nicht an“.

Der botanische Gattungsname Valeriana stammt vom lateinischen Wort valens für kräftig. Sein deutscher Name ‚Baldrian‘ ist eventuell volksetymologisch angelehnt an den Namen des nordischen Lichtgottes Balder. Im Volksmund heißt der Gemeine Baldrian auch Katzenkraut, Katzenwurzel,  Stinkwurz, Dammarg, Dreifuß, Mondwurzel, Bullerjan, Tolljan Theriakswurz, Denmark, Dennenmark, Dammark und natürlich auch Hexenkraut, so wie viele zauberhafte Heilpflanzen.

Die Ärzte der europäischen Antike – DioskuridesPlinius und Galen – berichteten über vier Pflanzen mit dem Namen nardus („Indische Narde“ – „Syrische Narde“ – „Keltische Narde“ – „Berg-Narde“) und über eine ähnlich wie diese „Narden“ wirkende Pflanze mit dem Namen „phu“. Wegen ihres Wohlgeruchs waren sie insbesondere als Zutaten zu Salben und als Teil der Theriak-Zubereitungen in Gebrauch. Auch wurde ihnen zugeschrieben, dass sie erwärmend und urintreibend wirken, die Monatsblutung befördern und Seitenstechen beseitigen. Über die Medizin im arabischen und lateinischen Mittelalter erreichte diese Tradition die Ärzte des europäischen Nordens. Pflanzen mit den Namen „Narde“ und „phu“ wurden von den Vätern der Botanik als Echter Baldrian („phu“) oder als zur Gattung Valeriana gehörig („Narde“) gedeutet. Das „phu“ deuteten sie als den gemeinen Baldrian, wobei Hieronymus Bock (1539) zwischen einem großen Baldrian (Valeriana phu L.) und einem gemeinen, kleinen Baldrian (Valeriana officinalis L.) unterschied. Bock erwähnte auch noch Valeriana dioica L. als kleinste Baldrian-Art. Quelle: wikipedia.

Botanisches

Echter Baldrian, auch Arzneibaldrian oder Großer Baldrian (Valeriana officinalis), oft auch nur Baldrian genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Baldriane (Valeriana) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Nahe Verwandte vom Echten Baldrian sind der Echte Speik und der Weidenblättrige Baldrian.

Er wächst bei uns nahezu überall, häufig an Gewässern oder auf feuchten Böden, und es gibt unzählige Arten dieses Helfers. Der Echte Baldrian kommt in weiten Teilen Europas (außer Portugal) und Westasien vor. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich weiter ostwärts bis Sibirien und Russlands Fernem Osten, Korea, China, Taiwan und Japan.

Baldrian ist frostbeständig und gedeiht in Sonne oder Halbschatten in fast jedem Boden. Als Feuchtbodenpflanze verträgt er auch gelegentliche Überschwemmungen und kommt daher in der freien Natur häufig auf Wiesen entlang von Gewässerläufen vor.

Baldrian und Feldsalat – eng verwandt und doch ganz anders Interessant ist, dass der Baldrian, diese allseits als Schlafmittel bekannte, Katzen ins Delirium sendende Heilpflanze mit dem Feldsalat verwandt ist. Sie gehört wie dieser zur Familie der Valerianaceaen, der Baldriangewächse. Ich musste gleich mal nachschauen, ob der Feldsalat vielleicht auch beruhigende Eigenschaften hat? Schließlich ist es nicht so ungewöhnlich, dass unsere Nahrungspflanzen auch Heilpflanzen sein können - man denke nur an Tomaten, Chili, Karotten, Kraut und Kohl, sowie viele Kräuter und Gewürze. Im Feldsalat sind zwar viele bioaktive Stoffe enthalten, wie Vitamin C, Carotinoide, Phenole, Folsäure, Sterine und Omega-3-Fettsäuren. Doch von den berühmten Inhaltsstoffen, u.a. den Valepotriaten oder Lignanen des Baldrians sind bei ihm keine erwähnt. Im Baldrian befinden sich diese ja vornehmlich in der Wurzel. Doch das frische Grün des Baldrians, die gefiederten und gezähnten Blättchen, erinnern an Feldsalat und können so wie sein Verwandter der Feldsalat (Valerianella spec. – Kleiner Baldrian) in Salaten mitgegessen werden. In den Blättchen befinden sich jedoch kaum „beruhigende“ Inhaltsstoffe, die sind hauptsächlich in der Baldrianwurzel zu finden. Die Blüten sollen ebenfalls genießbar sein, habe ich jedoch noch nicht probiert. Manche mögen den süßlichen anemonenartigen Duft, ich finde ihn seltsam.

Die Wurzel des Baldrian

Unterirdisch verfügt der Baldrian über ein weit verzweigtes Rhizom, über das er sich vegetativ über Ausläufer vermehren kann. Wenn man die Wurzel trocknet, strömt der typische Baldriangeruch aus. Ein balsamisch, feucht-erdiger Geruch, den vor allem Katzen anziehend finden. Manche Menschen empfinden ihn als ranzigen Geruch wie alter Käse. Andere dagegen empfinden ihn nicht als abstoßend. Er ist so durchdringend, dass die Legende überliefert, der Rattenfänger von Hameln habe Baldrian bei sich getragen, um die Ratten anzulocken. Und doch wird Baldrian auch in der Parfümindustrie eingesetzt – es können damit moschusähnlich-holzige, balsamische Gerüche erzielt werden.

In der Phytotherapie

VALERIANAE RADIX (Ph. Eur.)

Als pharmazeutische Droge dienen die getrockneten unterirdischen Pflanzenteile. Die Baldrianwurzel (Valerianae radix oder Radix Valerianae) ist eines der bekanntesten pflanzlichen Beruhigungsmittel. Nachgesagt wird ihr unter anderem eine Wirksamkeit bei Unruhe- und Angstzuständen, Schlafstörungen, nervös bedingten Herzbeschwerden und krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Am häufigsten kommt der Arznei-Baldrian als Trockenextrakt zum Einsatz. 

INHALTS- und WIRKSTOFFE

Baldrian enthält unter anderem ätherisches Öl (neben Valerensäure unter anderem auch die Isovaleriansäure, die für den charakteristischen Geruch des Wurzelstocks verantwortlich ist), Valepotriate und Alkaloide. Das Flavonoid Linarin hat sedierende Wirkung und ist mit für die Hauptwirkung auf den Menschen verantwortlich. Das Alkaloid Actinidin ist der Grund, weshalb Baldrian ein Lockstoff für Katzen ist, ähnlich wie Katzenminze. 

Die Wirkstoffe sind je nach Herkunft unterschiedlich zusammengesetzte ätherische Öle mit Bornylacetat und Bornylisovalerianat als Hauptkomponenten. Diese sind auch verantwortlich für den typischen Baldriangeruch, der beim Trocknen der Droge auftritt. Weil dieser Geruch dem Lockduft läufiger Katzen ähnelt, werden Kater davon angelockt. 

Weitere Inhaltsstoffe sind Valeranon, Caryophyllen, Camphen und weitere Mono- und Sesquiterpene, Sesquiterpencarbonsäuren wie die Valerensäuren, Valepotriate (Iridoide) mit Valtrat und Isovaltrat. Wegen der Instabilität dieser Verbindungen sind in Extrakten und Tinkturen z. T. nur deren Abbauprodukte, die sogenannten Baldrinale, nachweisbar. Auch Aminosäuren und in geringer Menge Lignane und Pyridinalkaloide wurden als Inhaltsstoffe gefunden. (wikipedia)

Bestandteile des Arzneimittels

Als Arznei wirksam sind die Baldrian-Wurzeln. Sie bestehen unter anderem aus ätherischem Öl, das sich aus Monoterpenen wie Borneol und Kampfer, sowie Sesquiterpenen wie ß-Bisabolen zusammensetzt. Daneben sind Iridoide enthalten, die sogenannten Valepotriate, vor allem der Inhaltsstoff Valtrat und dessen Abbauprodukt Baldrinal. Isovaleriansäure ist für den charakteristischen Geruch verantwortlich. In geringen Mengen finden sich auch Lignane in den Wurzeln. (Quelle: Apotheken.Umschau)

Wirkungen der Inhaltsstoffe

Das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe ist für die bekannten Effekte des Baldrians verantwortlich. Laborexperimente zeigen, dass die wirksamen Substanzen mit speziellen Botenstoffen und schlaffördernden Substanzen im Gehirn interagieren. Baldrian scheint sich auf diese Weise positiv auf den Schlaf auszuwirken. Auszüge aus der Pflanze erleichtern das Einschlafen und verbessern wohl auch das Durchschlafvermögen. Besonders bei leichten Schlafstörungen gehört Baldrian zu den beliebtesten pflanzlichen Mitteln. Häufig wird er mit ähnlich wirkenden Heilkräutern kombiniert, etwa Melisse, Passionsblume oder Hopfen. (Apotheken Umschau)

Aus der Forschung: Vergleichbar wie Adenosin fördern die Lignane den Schlaf, sie wirken wie ein pflanzliches Adenosin.

Die geschilderten Heilwirkungen konnten bisher keiner Einzelsubstanz zugeordnet werden, so dass für die Heilwirkung das Zusammenspiel mehrerer Wirkstoffgruppen angenommen werden muss. Sie wirken synergistisch. Hinweise deuten darauf hin, dass die Lignane für die schlaffördernde Wirkung des Baldrians mitverantwortlich sind. Diese auch als Schlaflignane bezeichneten biochemischen Olivilverbindungen setzen an den gleichen Rezeptoren im Gehirn (Adenosin-A1-Rezeptoren) an wie das körpereigene Adenosin.

In vielen Fertigarzneimitteln wird die Baldrianwurzel auch mit anderen getrockneten Pflanzeneilen (in der Fachsprache „Drogen“ genannt) kombiniert, für die eine beruhigende Wirkung vermutet wird z. B. mit HopfenMelissePassionsblume (offizinell ist Passiflora incarnata), Frauenmantel und Wacholderbeere. Bei der Kombination von Baldrian mit Hopfen ergänzen sich die schlaffördernden Wirkungen ähnlich der körpereigenen Schlafregulatoren Adenosin und Melatonin, denn Hopfen zeigt eine ähnliche Wirkung wie das körpereigene schlafinduzierende Melatonin.

LITERATURVERZEICHNIS & QUELLEN

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(c) Ute Mangold / wiesengenuss 2023. Alle Bilder und Texte sind urheberrechtlich geschützt.

Der MANGOLD und die BETEN

BETA VULGARIS subsp. vulgaris, Familie der Amaranthaceae

Ein typisches Herbstgewächs in meinem Garten ist der Mangold, mein Namensvetter. Denn in unserem Garten in Südbaden ziert er manchmal noch bis in den Januar mit seinen bunten Stängeln den Garten. Es sei denn es gibt schon früher Frost.

Mangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris) ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) gehört. Es ist eine nicht winterharte Pflanze und wird in Europa und Nordamerika als Gemüse angebaut. Er hat große, runde bis herzförmige Blätter, die grün oder purpurrot gefärbt sein können. Die Blätter wachsen auf einem kurzen Stiel und sind oft in einer rosettenförmigen Anordnung angeordnet. Die Pflanze bildet keine Blüten aus, jedoch kleine, unscheinbare Schoten. Es gibt verschiedene Sorten von Mangold, die sich in Größe, Farbe und Geschmack unterscheiden. Der grüne Mangold hat hellgrüne Blätter und einen milden Geschmack, während der purpurrote Mangold dunklere, purpurrote Blätter hat und einen etwas herzhafteren Geschmack hat. Mangold wird in der Regel als Gemüse verzehrt und kann roh oder gekocht gegessen werden. Er kann als Salat, Suppe, Auflauf, Pesto, Saft und Smoothie zubereitet werden. Mangoldblätter enthalten eine große Menge an Vitamin A, Vitamin K und Vitamin C und sind reich an Mineralien wie Eisen und Kalium. Mangold kann leicht angebaut werden und benötigt viel Sonnenlicht und regelmäßige Feuchtigkeit. Es ist tolerant gegenüber Hitze und Trockenheit und ist eine schnell wachsende Pflanze, die in der Regel innerhalb von 50 bis 60 Tagen nach der Aussaat geerntet werden kann.

Blatt- oder Stielmangold

Er wird seit mehr als 4000 Jahren angebaut und galt noch im 17. Jahrhundert als Delikatesse. Später wurde er dann vom aus dem Kaukasus stammenden Spinat verdrängt. Doch glücklicherweise ist der robuste und schmackhafte Mangold jetzt wieder zurück auf den Märkten und in der Küche.

Der Mangold sei ein Spinatgewächs, so heißt es oft. Das stimmt, jedoch sind sie über tausend Ecken hinweg ganz weitläufige Cousins. Des Mangolds Geschwister sind die Rüben, besser gesagt, die Beten (manchmal auch Beeten geschrieben). So sind neben der bekannten Roten oder der Gelben  Bete auch die Runkel- und die Zuckerrüben nahe Verwandte des Mangolds.

Der eigentümliche Name Mangold geht nicht auf einen lateinischen Begriff oder auf eine Pflanzeneigenschaft zurück. Es könnte aber sein, dass seine Bezeichnung auf den althochdeutschen Männernamen Managolt (bedeutet Vielherrscher, Stärke, Kraft) zurückgeführt werden kann. Wegen seiner Größe und Stattlichkeit – der „Herrschende“ im Bauerngarten, mit seinen kräftigen und ausladenden Blättern, die bis zu einem halben Meter groß werden können.

Bunter Mangold. Foto (c) Ute Mangold

Schon die Römer liebten Mangold

In der Capitulare Karls des Großen war er erwähnt (einer Liste, in dem er vorschrieb was auf seinen Landgütern angebaut werden soll), das Mittelalter und die Renaissance hat er überdauert, bis er dann in der heutigen Zeit fast in Vergessenheit geraten ist. Aus der traditionellen mediterranen Küche ist er auch heute nicht wegzudenken. Die Italiener, Franzosen und Spanier verwenden häufig als frittierte oder gedünstete Beilage. In Italien heißt er „bietola„, auf Spanisch „acelgas“ und in Frankreich wird er als „blette“ bezeichnet. In Kroatien und Istrien wird er als „blitva“ traditionell zusammen mit Kartoffeln zu fangfrischem Fisch und Scampi, Kaisergranaten gereicht.

Glücklicherweise sind die Rezepte nun bis zu uns herüber geschwappt und nun gilt er als der neue Shooting Star unter den alten Gemüsesorten. Purpurne, Rote, Orangefarbene und Gelbe Mangoldsorten mit dicken Rippen oder zarten Stielen, bereichern neben den klassischen weißstieligen Sorten mittlerweile die Küchen- und Bauerngärten. Das liegt wohl auch daran, dass der Mangold relativ geringe Ansprüche stellt. Er braucht lange nicht so viel Wasser und Dünger wie der Spinat. Seine Blätter sind widerstandfähiger gegen Hitze – und auch gegen Kälte. Er kann sogar unter einer Schneedecke, oder gegen Frost bedeckt, im Freien überwintern.

Die Roten, Gelben und Weißen Beten

Die Roten, Gelben und Weißen Beten gehören wie der Mangold zur gleichen Pflanzenfamilie. Alle drei sind Rüben wie die Zuckerrüben und Futterrüben. Nicht verwandt mit ihnen sind die Speiserüben oder auch der dem Mangold ähnelnde Pak Choi. Die Farbe der Roten Rübe wurde erst im 19. Jahrhundert in sie hineingezüchtet. Der rote Farbstoff heißt Betanin und ist ein Glykosid, eine Art Zucker. Angeblich soll sie deshalb so gesund sein, weil sie viel Eisen enthält und blutbildend wirkt. Dieser Mythos hängt ihr seit der Antike an und hat wohl vor allem mit der blutroten Farbe ihres im gekochten Zustand austretenden Saftes zu tun. Das Betanin und wirkt antioxidativ, das Immunsystem stärkend. Wie viele andere Pflanzenfarbstoffe auch. Bekanntestes Beispiel: das orangefarbene Carotin. Eine blutbildende Wirkung ist von diesen Farbstoffen nicht bekannt. Auch Eisen enthält die Rote Bete nicht in nennenswerter Menge.

Sie hat einen ganz charakteristischen süßlichen und erdigen Geschmack, den nicht alle mögen. Dabei enthält sie zahlreiche Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Es gibt sie auch in einer dekorativ weiß gestreiften Variante, die ‚Tonda di Chioggia‚. In unserer Kräuter- und Gemüseküche wird die Rote Bete immer beliebter, gerade auch wegen ihrer rotfärbenden Wirkung. So können zum Beispiel Couscous und Glasnudeln damit gefärbt werden. Roh und in Scheiben geschnitten macht sie sich gut in bunt gemischten Salaten – und vor allem ihre jungen zarten Blätter mit den roten Blattadern machen sich gut in sogenannten „Wildkräutersalaten“. Sie schmecken angenehm leicht säuerlich. Meist werden jedoch zarte Blättchen vom Roten Mangold verwendet, beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Die Gelbe Bete ist eine uralte Kulturpflanze. Die gelbe Rübe ist wie ihre roten und weißen Schwestern ein Abkömmling der Wilden Rübe auch See-Mangold genannt (siehe unten „Botanisches“). Sie wuchs früher an den Meeresküsten Europas, nach Mitteleuropa gelangte sie wie so viele Kulturpflanzen mit den Römern. Erst im 16. Jahrhundert taucht die Bete in ihren verschiedenen Farbvariationen in unseren Regionen auf. Ihre gelbe Färbung, z. B. bei der Rübe ‚Burpees Golden‘, kommt durch den Farbstoff Betaxanthin. Geschmacklich ist sie etwas milder als ihre rote Schwester und können in der Küche genau wie sie ganz geröstet, gebacken oder gegart werden. Gewürfelte Gelbe Bete mit Olivenöl und Zitronensaft schmeckt zum Beispiel zu Lachsgerichten. Zudem lassen sich die Scheiben mit ihrer goldgelben Farbe als Ersatz für Karotten bzw. Möhren verwenden.

Mangold im Garten

Mangold im Garten, Foto (c) Ute Mangold

Die Aussaat des Mangolds erfolgt von Ende März bis April sowie für eine weitere herbstliche Ernte von Juli bis Mitte August. Im Frühjahr ausgesäter Mangold wird ab Juli erntereif. Die Pflanze kann aber auch zweijährig gezogen werden, da sie erst nach einer Kältebehandlung, z.B. im Winter (Vernalisation) in der zweiten Vegetationsperiode blüht. Die Mangoldpflanzen vertragen sich mit manchen Nachbarn im Bauerngarten sehr gut, mit anderen nicht so gut.

Gute Nachbarn sind Buschbohne, Hülsenfrüchte allgemein, Kohl, Möhren, Radieschen, Rettich. Ein schlechter Nachbar ist ausgerechnet sein weitläufiger Verwandter, der Spinat.

Inhaltsstoffe

Die Pflanze enthält außerordentlich viel Vitamin K, außerdem Vitamin A und Vitamin E, sowie Natrium, Magnesium, Kalium und Eisen. Die Mangoldwurzel enthält viel Zucker, der in früheren Zeiten durch Auskochen gewonnen wurde. Später löste die Zuckergewinnung aus der nahe verwandten Zuckerrübe dieses Verfahren ab. Die Mangoldblätter zählen zu den Lebensmitteln mit sehr hohem Oxalsäuregehalt, was von Nierenkranken (Oxalatsteine) zu beachten ist. Des Weiteren sollte Mangold wegen des hohen Oxalsäuregehalts nicht roh verzehrt werden (dieser verringert sich beim Kochen). (Quelle: wikipedia)

In der Küche

Wegen ihrer rotfärbenden Wirkung des Rote Bete Safts können zum Beispiel Couscous und Glasnudeln damit gefärbt werden. Roh und in Scheiben geschnitten macht sie sich gut in bunt gemischten Salaten – und vor allem ihre jungen zarten Blätter mit den roten Blattadern machen sich gut in sogenannten „Wildkräutersalaten“. Sie schmecken angenehm leicht säuerlich. Meist werden jedoch zarte Blättchen vom Roten Mangold verwendet, beide sehen sich zum Verwechseln ähnlich.

Die gelbe Färbung der Gelben Bete z. B. bei der Rübe ‚Burpees Golden‘, kommt durch den Farbstoff Betaxanthin. Geschmacklich ist sie etwas milder als ihre rote Schwester und kann in der Küche genau wie sie ganz geröstet, gebacken oder gegart werden. Gewürfelte Gelbe Bete mit Olivenöl und Zitronensaft schmeckt zum Beispiel zu Lachsgerichten. Zudem lassen sich die Scheiben mit ihrer goldgelben Farbe als Ersatz für Karotten bzw. Möhren verwenden.

Rezepte mit Mangold und Beten im Blog

2-B30-M35-1876-1 Mangold, Album Benary / Farblithographie Botanik: Mangold – Beta vulgaris. ‚Mangold oder Beete (Beisskohl)‘. – Farblithographie, von G. Severeyns. Aus: Album Benary, Erfurt (Ernst Benary) 1876-1893, Tafel 28. Privatsammlung. E: Chard, Album Benary / Colour lithograph Botany: Chard – Beta vulgaris. ‚Chard or Swiss Chard‘. – Colour lithograph, by G. Severeyns. Fr.: Album Benary, Erfurt (Ernst Benary) 1876-1893, plate 28. Private Collection.

Botanik und Geschichte

Der Mangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris, Cicla-Gruppe und Flavescens-Gruppe), auch Krautstiel genannt, ist eine Gemüsepflanze, die botanisch zu den Rüben gehört, genauer gesagt zu den Beten, auch wenn er keine verdickte Wurzel ausbildet. Im ALBUM BENARY von 1876 findet sich die Bezeichnung „Mangold Wurzels“ – auch für die Beten. Und zu ihnen gehören auch noch die Zuckerrübe, die Runkelrüben, die Futterrübe und die bekannte Rote Rübe, auch Rote Bete genannt. Wobei es die auch in Gelb gibt, die Gelbe Bete.

Die Wildform des Mangolds und der Beten ist die Wilde Rübe, der See-Mangold  (Beta vulgaris subsp. maritima). Aus diesem sollen sie heraus gezüchtet worden sein. Alte Kulturpflanzen also. Und wer noch tiefer in die Botanik einsteigen mag, der lese weiter… 😉 Die Beten gehören zur Unterfamilie der Betoideae in der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Über ihren wilden Verwandten, dem Amaranth haben wir ebenfalls schon berichtet. Die Amaranthaceae sind wiederum eine Unterfamilie der Chenopodiaceae, auch Meldengewächse genannt, zu denen übrigens auch der aus dem arabischen Raum eingeführte Spinat gehört. So viel zur Botanik und zu den Verwandtschaftsverhältnissen.

Leonhart Fuchs, Weißer Mangolt, Das Kräuterbuch von 1543 

Die ältesten Funde von Beten und Rüben, bzw. deren Fruchtkelche wurden in jungsteinzeitlichen Küstensiedlungen vor ca. 2000 Jahren gemacht. Vermutlich handelte es sich um Teile der wilden Meeresstrand-Rübe (Beta vulgaris ssp. maritima), auch Seemangold genannt. Dieser kommt an der Nordseeküste natürlicherweise vor. 

Erste schriftliche Nachweise des Rüben-Anbaus stammen aus antiken Pflanzenlisten, beispielswiese aus den Gärten des babylonischen Königs Merodachbaidadan (722-711 v.Chr.). Auch der griechische Gelehrte Theophrastos (371-297 v. Chr.) erwähnte eine den Rüben ähnliche Pflanze, bei den alten Griechen „teutilon“ genannt. Auch der griechische Arzt Hippokrates erzählte im 5. Jahrhundert vor Christus von ihnen als einer „alltäglichen Marktware´“ in Athen. Verkohlte Überreste von Fruchtknäuel der Beten wurden in Römischen Siedlungen am Rhein gefunden und in der Capitulare Karl des Großen werden „betas“ unter 72 Arten von Kräutern, Gemüse, Fruchtbäumen und Blumen aufgeführt. In Klostergärten wurden spätestens ab dem 9. Jahrhundert die Beten dann systematisch angebaut. Im späten Mittelalter wurden die Beten bzw. Rüben dann unter den zu versteuernden Produkten der Bauerngärten aufgeführt, neben Kraut, Knoblauch, Zwiebeln, Mohn, Hanf sowie Hülsenfrüchten, Saubohnen, Grünen Bohnen, Erbsen, Porree, Meerrettich – und je nach Landschaft auch Melde und Spinat. Und in der Mitte des 16. Jahrhunderts als der Buchdruck erfunden war, wurden in Kräuterbüchern erstmals naturgetreue Abbildungen wiedergegeben, wie des „Römischen Mangolt“ von Otto Brunfels (1532). Damals unter dem Namen „cicla“ genannt als Heilkraut benannt. Eine Gegenüberstellung von „Weißem Mangolt“, „Weiß rüben“ und „Rotrüben“ stammt aus etwa der gleichen Zeit von Leonhart Fuchs (1543), da gab es also schon die beiden markanten Gemüsesorten auf den Bauernmärkten jener Zeit. 

Literatur, Quellen & Links

Das echte JOHANNISKRAUT – bringt wieder Licht ins Dunkel

Hypericum perforatum
Familie der Hartheugewächse (Hypericaceae)
Hyperici herba (Ph.Eur.)

„Sankt Johannskraut…. von etlichen auch Fuga demonum genennt, darumb, das man meynet, wo solichs kraut behalten würt, da komm der teüffel nicht hyn, möge auch kein gespenst bleiben…“ BRUNFELS (1532)

Solche alten Weisheiten können leicht als Aberglauben abgetan werden, doch haben sie einen realen Kern: Wenn man die Vertreibung von Gespenstern mit der Vertreibung von Depressionen gleichsetzt. So steckt manchmal in den alten medizinischen Kräuterbüchern ein wahrer Kern. Das Johanniskraut gehört zu den am besten wissenschaftlich erforschten Kräutern als Mittel gegen depressive Verstimmungen, gegen „Winterblues“ und in Kombination mit anderen Heilpflanzen auch bei Angst und Unruhe. Äußerlich als rotes Johanniskrautöl bei Verletzungen und sogar leichten Verbrennungen. Wegen der gut belegten Wirkung sind Johanniskrautpräparate durch die Krankenkassen erstattungsfähig.

Den Inhaltsstoffen Hypericin und Hyperforin wird eine phototoxische Wirkung nachgesagt. Diese Nebenwirkungen wurden jedoch bisher nur bei Tieren beobachtet, die größere Mengen Johanniskraut gefressen haben – und bei Menschen nur ganz gelegentlich, wenn sie besonders hellhäutig sind oder die Dosis zu hoch war. Leider haben Johanniskrautpräparate deswegen mittlerweile ein schlechten Ruf. In den handelsüblichen Dosen und Präparaten aus der Apotheke, ist die Dosis jedoch so gering, dass keine Nebenwirkungen mehr beobachtet wurden.

Das zum Sonnenhöchststand im Sommer geerntete Kraut hilft im Winter gegen die Dunkelheit, auch „Winterdepression“ genannt. Es heißt, es bringe Sonnenkräfte in die Organe und regeneriert. Am besten nimmt man Johanniskraut schon vorbeugend, bevor die dunklen, trüben Hochnebeltage wieder beginnen. Die Wirkung setzt nach 1 bis zwei Wochen ein.

„Seit November 2009 wird Johanniskraut offiziell in der deutschen Leitlinie für Depressionen geführt. Es wird bei leichten und mittelschweren Depressionen nachweislich genausogut wie herkömmliche Antidepressiva, aber mit deutlich geringerem Nebenwirkungspotenzial“, schreibt Ursel Bühring im aktuellen Lehrbuch für Heilpflanzenkunde, 5. Auflage 2021, Haug Verlag.

Gut für die Seele und auch für die Haut, das erkannte schon Paracelsus, der Arzt, Alchemist und Naturforscher (1493-1541). Von ihm ist das Zitat „Johanniskraut ist eine Hilfe für alle innerlichen und äußerlichen Öffnungen der Haut.“ überliefert.

Prof. Dr. Thomé, Otto Wilhelm – www.biolib.de Gemeinfrei, wikimedia.commons. File: Hypericum perforatum.

Johanniskraut in der Mythologie

Das echte Johanniskraut, Tüpfelhartheu oder Hartenau war seit Urzeiten mit der Sommersonnenwende und der dämonenvertreibenden Kraft der Sonne verbunden. Um die höchste dämonenabwehrende Kraft zu haben, musste es taunass am Morgen des Johannistages (24. Juni) gepflückt werden.

Traditionell galt das Johanniskraut in der Volksheilkunde als Mittel gegen Zauberei und Anfechtungen des Teufels. Die hellen Punkte, die man sieht, wenn man die gelben Blätter gegen das Licht hält, erwecken den Eindruck, als sei die Pflanze durchlöchert. Der Sage nach sollen diese Löcher vom Teufel stammen, der erbost über die Macht, die dieses Kraut über böse Geister und über ihn selbst besass, die Blätter mit Nadeln zerstochen habe. Heute weiß man, dass es sich um Sekretbehälter handelt, die eine helle Flüssigkeit aus ätherischem Öl und Harz enthalten.

Bei den Kelten wurde das Kraut in das Sonnenwendfeuer gehalten, um böse Geister zu vertreiben und im Kampf unbesiegbar zu bleiben. Den germanischen Stämmen galt das Johanniskraut als Symbol der Sonne. Junge Mädchen trugen Kränze daraus zu den Riten bei den Sonnenwendfeiern. Im Mittelalter galt Johanniskraut als Hauptmittel gegen bösen Zauber. Ein Kranz aus dem Kraut am Sonnenwendfest gebunden und übers Hausdach geworfen, sollte vor Blitz, Feuer, Dämonen und dem Teufel schützen. Verbrannt wurde es zum Schutz vor Dämonen und der Dunkelheit sowie als Hilfe gegen Traurigkeit. Bei aufziehendem Gewitter wurde es verräuchert, um die Atmosphäre um das Anwesen zu entspannen, damit die Entladung des Gewitters nicht zu stark wurde.

Luciafest - Fest des Lichts 

Am 13. Dezember wird in den nordischen Ländern wie Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland das Luciafest gefeiert. Das Fest des wiederkehrenden Lichts. Der 13. Dezember, ist zum einen der Gedenktag der heiligen Lucia - und des kürzesten Tag des Jahres, der er in Schweden vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1752 an diesem Tag war.

Geschichte des Johanniskraut

Schon in der Antike war das Johanniskraut eine geschätzte Heilpflanze. Von Hippokrates wurde sie zur Behandlung von inneren Eiterungen und Lungenerkrankungen empfohlen. Dioskurides (1. Jahrhundert) empfahl sie zu Umschlägen auf Brandwunden. Auch Paracelsus (1493-1541) erwähnte das Johanniskraut gegen zahlreiche Beschwerden. Kneipp empfahl die frischen Blüten sechs Wochen in Olivenöl einzulegen und einen Auszug von diesem ‚Oleum hyperici‘ bei Anschwellungen, Hexenschuss, Gicht und Verrenkungen zu applizieren.

Bildquelle: Alpmed, Herstellung von Johanniskrautöl

Botanisches und Vorkommen

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), auch Echt-Johanniskraut, Gewöhnliches Johanniskraut, Durchlöchertes Johanniskraut, Tüpfel-Johanniskraut oder Tüpfel-Hartheu genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johanniskräuter (Hypericum) innerhalb der Familie der Hypericaceae (früher Hartheugewächse).

Zu finden ist diese ölreiche Pflanze an Wegrändern, Dämmen, mageren Weiden, Heiden und brachliegenden Feldern, in lichten Wäldern und Gebüschen. Am liebsten natürlich in voller Sonne. Diese benötigt sie auch für ihr üppiges Wachstum. All dies macht sie zu einer der schönsten Pflanzen des Hochsommers.

Sie ist eine anspruchslose Pflanze, die meist um den 21. Juni (Sommersonnwende) herum zu blühen beginnt. Sie wird 80 – 100 cm gross und hat einen aufrechten, harten Stängel, der 2 feine Längskanten hat. Die Blätter sind ohne Stiele, eiförmig und ganzrandig. Wenn man sie gegen das Sonnenlicht hält, sieht man viele durchsichtige Pünktchen, daher der Name getüpfeltes Johanniskraut. Die Blüten sind aus 5 gold-gelben Kronblättern zusammengesetzt mit vielen Staubgefässen in der Mitte. Sie sehen aus wie kleine Sonnenrädchen. Sie enthalten dunkle Drüsen mit dem Hauptwirkstoff Hypericin. Wenn man die Blüten zwischen den Fingern zerreibt, färbt sich die Haut davon dunkelrot.

„Das Johanniskraut, auch Sankt Johannskraut genannt, gehört sicherlich auf die Lichtseite des Erdenlebens. Das Johanniskraut erkennt man an den goldgelben Blüten, die mit den feuerroten Staubgefäßen wie eine Krone aussehen. Zerreibt man die goldgelben Blüten zwischen den Fingern verfärben sie sich blutrot. Die Blüte verkündet die Johannizeit, den Höchststand des Jahres, die Sommersonnenwende am 24. Juni, auch Johannistag genannt. Die volle Kraft der Sommersonne lebt also in ihm, dem Johanniskraut. Die Öldrüsen der Blätter sind im Gegenlicht als tausend kleine Punkte sichtbar, die wie Löchlein aussehen – deshalb auch der Beinname „perforatum“.“ (Quelle: Alpmed Ratgeber)

Bildquelle: Alpmed, Johanniskraut Standort in der Toskana

Inhalts- und Wirkstoffe

Zu den Inhalts- und Wirkstoffen gehören Hypericine, Flavonoide, Gerbstoffe und ätherisches Öl. Zu den Hauptwirkstoffen gehört Hyperforin (2-4%) und Hypericin, das rote Farbpigment (0,1-0,15% im Kraut, 0,2 – 0,3% in Blüten). Ihnen wird eine phototoxische Wirkung nachgesagt. Diese Nebenwirkungen wurden bei Tieren beobachtet, die Johanniskraut gefressen haben – und bei Menschen nur ganz gelegentlich, wenn sie besonders hellhäutig sind oder die Dosis zu hoch war. Leider haben Johanniskrautpräparate deswegen mittlerweile ein schlechten Ruf. In den handelsüblichen Dosen und Präparaten aus der Apotheke, ist die Dosis jedoch so gering, dass keine Nebenwirkungen mehr beobachtet wurden.

Eine interessante Quelle findet sich auch bei der Philipps-Universität Marburg: „Hypericin wurde früher als Arzneistoff, hauptsächlich als Antidepressivum verwendet, wobei phototoxische Reaktionen der Haut, der Augenlinse, und der Retina als Nebenwirkungen festgestellt wurden. Diese photochemischen Reaktionen macht man sich heute in der Onkologie zunutze.“ (Wie schon erwähnt, müssen dazu hohe Dosen eingesetzt werden)

Wirkungen

Obwohl das Johanniskraut zu den besterforschten Heilpflanzen gehört, ist der genaue Wirkmechanismus bis heute unklar. Als sicher gilt, dass das Hyperforin und Hypericin zu den nervenberuhigenden Stoffen gehören. Doch wie bei allen großen Heilpflanzen gilt: Die Kombination machts! Soll heißen, nicht ein einzelner Wirkstoff heilt, sondern die gesamte Wirkstoffkombination.

Nachweislich wirken Johanniskrautpräparate stimmungsaufhellend und somit antidepressiv (Serotonin-Reuptake-hemmer). Weitere Wirkungen sind angstlösend, stressmindernd, schlaffördernd und es werden auch körperliche Begleitsymptome von Depressionen wie Rücken- und Kopfschmerzen, Müdigkeit und Magen- und Herzbeschwerden reduziert. Dazu kommen entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Eigenschaften durch die Flavonoide. Das Hyperforin hat außerdem eine antibakterielle Wirkung, wie zahlreiche Studien der Uni-Hautklinik Freiburt zeigen, hemmt es das Wachstum der anitbiotikaresistenten Staphylococcus-aureus-Bakterien (muliresistente Krankenhauskeime).

Anwendung- Innerlich: Hyperici Herba (Johannis-Kraut)

  • Stress
  • Leichte bis mittelschwere Depressionen
  • nervösen Unruhezuständen
  • Angstzustände
  • Burnout Syndrom
  • Wechseljahrbeschwerden

WICHTIG Wirkung setzt erst nach ca. 8 Tagen ein und entfaltet sich erst nach 3-5 Wochen zufriedenstellend.

Anwendung – Äußerlich: Hyperici Oleum (Johanniskrautöl)

  • Wundbehandlung von Schnitt- und Schürfwunden
  • Prellungen und Verstauchungen
  • Nervenschmerzen und Hexenschuss
  • Verbrennungswunden
  • Spröde und trockene Haut

Johanniskraut ist eine der besten schulmedizinisch erforschten Heilpflanzen. Es gibt sehr viele Studien, die die Wirksamkeit von Johanniskraut vor allem bei Depressionen, Angst, nervöse Unruhe aber auch bei Migräne, Menopause und Hauterkrankungen belegen.

"Johanniskraut (Hypericum perforatum) Typisch ist die leuchtend gelbe Blütenfarbe, die schon im Mittelalter als Hinweis für die stimmungsaufhellenden Eigenschaften des Johanniskrauts galt. Der bekannte Seelentröster kann uns dabei unterstützen, wieder an unsere innere Kraft heranzukommen. Seine Wirkungen sind in Studien, z. B. bei Depressionen, gut belegt. In den auf den Blättern erkennbaren kleinen Tupfen steckt nämlich der Farbstoff Hypericin – als Rotöl eines der ältesten Heilmittel in der Naturapotheke. Man kann es beispielsweise auch als Massageöl verwenden. Wenn wir uns nach dem nächsten Frühling sehnen, kann auch ein Johanniskraut-Tee gut unterstützen und ein wenig Sonne in unsere Herzen zaubern. Phytotherapeutika mit Johanniskraut-Extrakt gegen leichte depressive Verstimmungen sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich." (Quelle: Natur & Heilen, Februar 2023)

Pharmakologie & Wirkeigenschaften

Die große Bedeutung des Johanniskrauts spiegelt auch die hohe Anzahl an wissenschaftlich anerkannten Anwendungen wieder. Sie gilt als psychotrope Heilpflanze, da sie nachweislich bei psycho-vegetativen Störungen, depressiven Verstimmungen, Angstzuständen und nervöser Unruhe hilft. Die gesamte Wirkstoffkombination vermindert den Anstieg von Cortisol bei Stress und beeinflusst die Melatonin-Ausschüttung. Als Öl soll es außerdem auch der Faltenbildung entgegenwirken und damit zu jugendlich frischem Aussehen verhelfen. Das rote Johanniskrautöl besitzt eine entzündungshemmende Wirkung.

In der Phytotherapie haben sich bei mittelschwerer und sogar schwerer Depression hochdosierte und standardisierte Johanniskrautpräparate bewährt. Wegen der gut belegten Wirkung sind sie durch die Krankenkassen erstattungsfähig. Erfahrungsgemäß eignen sie sich besonders bei Erschöpfungsdepression oder bei somatoformen Störungen. Bei hohen Dosen kommt es gelegentlich zu Hautausschlägen und nur in Einzelfällen zur Fotosensibilisierung der Haut. Ansonsten ist die Verträglichkeit sehr gut. Zu beachten sind Interaktionen mit Immunsupressiva. Deshalb auf jeden Fall Arzt oder Apotheker fragen.

Verwendung in der Hausapotheke

Man verwendet meist das ganze Kraut für Tee. Aber auch Johanniskrautöl (ein mit Öl aus frischen Pflanzenteilen gewonnener Extrakt) wird gerne verwendet. Das Öl hilft bei Wunden und Verbrennungen, der Tee gilt als Heilmittel bei depressiven Zuständen. Es gibt es mittlerweile auch in Form von Kapseln, Dragees, Tropfen und Saft. Mehr dazu siehe „In der Phytotherapie“.

In der Erfahrungsheilkunde werden die oberirdischen Teile des Johanniskrauts verwendet, die zur Hochblütezeit im Juni gesammelt werden. In ihrem Öl ist damit die Sonnenenergie zum Sonnenhöchststand eingefangen. Das Johanniskrautöl gilt als nicht reizendes, „kaltes Öl“. Man gewinnt es, indem man Johanniskrautblüten zwei Monate lang in kaltgepresstes Oliven- oder Sonnenblumenöl einlegt, gelegentlich kräftig schüttelt und in der Sonne stehen lässt. Diesen Vorgang nennt man Mazeration.

Johanniskraut in der Toskana, Bild: alpmed

ZITRONENMELISSE – ätherische Öle für Nerven, Herz und Magen

Melissa officinalis L.
Lamiaceae (Familie der Lippenblütler)
Arzneidroge: Melissae folium (Ph. Eur.)

Wie ein sanftes Ruhekissen wirkt der Tee von den Melissen. Stärket Nerven, Herz und Magen, hilft bei vielen Frauenplagen. Fördert auch den Schlaf ganz herrlich, kurzum: Macht sich unentbehrlich. (Autor: unbekannt)

Die Zitronenmelisse, eines der ältesten und bekanntesten Heilkräuter in vielen Kloster- und Hausgärten. Ein duftender Lippenblütler, reich an ätherischen Ölen. Beim Zerreiben der Blätter entströmt ihr ein intensiver zitronenähnlicher Duft. Die Melisse enthält ein wertvolles Öl, das nur in geringen Mengen in ihr vorkommt und mehrere tausend Euro pro Kilogramm kostet. Als klösterlicher Melissengeist wird es auch heute noch verkauft gegen innere Unruhe und Magen-Darm Beschwerden. Ihre ätherischen Öle Citral und Citronellal, deren Namen schon auf den zitronenartigen Duft hindeuten, sind nicht nur in Zitronen, sondern auch in Zitronengras, Basilikum, Ingwer und sogar Möhren enthalten ist.

In den Gärten wird sie lange schon als Gewürz- und Heilpflanze angebaut. Bei uns nicht ursprünglich heimisch, ist sie mittlerweile auch nach draußen verwildert und siedelt sich dort an, wo sie sich vom Klima her wohlfühlt. Sie vermehrt sich über kurze Bodenausläufer, was bedeutet, dass man sie im Kräuterbeet gut im Zaum halten muss, das sie sich über diese Ausläufer gerne rasch vermehrt und den ganzen Garten besiedeln kann.

Geschichte

In der Antike galt sie als Bienenpflanze. Ihr Name Melisse, Melissa oder auch Melitta bezeichnete dabei die Honigbiene. Das griechische Wort melitos stammt von meli = “Honig“. Die Bezeichnung „officinalis“ deutet auf eine frühe Nutzung als Apothekerpflanze hin. (Als ‚Offizinum‘ wurde der Vorraum von Apotheken bezeichnet, in denen Pflanzenteile sortiert, gelagert und verkauft wurden – ‚officinalis’ bedeutet: in der Apotheke gebräuchlich).

Der Gattungsname Melissa der erstmals im Kräuterbuch des Pedanios Dioskurides und in der Naturalis historia von Plinius dem Älteren als melissophyllon (Bienenblatt) beschriebenen Pflanze leitet sich vom griechichschen meliteion ab, das mit meli Honig (melitos) zusammenhängt. Er bezieht sich auf die Nutzung als Bienenweide. Im 11. Jahrhundert lobt Avicenna sie zur Stärkung der Vitalität und Vertreibung der Melancholie. Hildegard von Bingen (1098 – 1179) schrieb: Die Melisse ist warm. Ein Mensch, der sie isst, lacht gerne, weil ihre Wärme die Milz berührt und daher das Herz fröhlich macht“. Um 1491 gibt das erste in deutscher Sprache gedruckte Kräuterbuch „Hortus Sanitatis“ die Melisse als „Frauenmittel“ an. Und Paracelsus (1493 – 1541) schätzte sie wegen ihrer herzförmigen Blätter als Herzmittel, das kostbarer als Gold sei. 1611 führten die Karmeliterinnen den „Klosterfrau Melissengeist“ in Paris ein, was sie bis heute bekannt macht. Volkstümliche Namen wie „Nervenkräutel“, „Frauenwohl“ oder „Herztrost“ deuten auf ihre beruhigenden Eigenschaften. Auf englisch heißt sie Balm gentle, balm leaves, balmmint, honey plant, lemon balm, sweet balm.

Botanisches

Die Zitronenmelisse oder Melisse (Melissa officinalis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Melissen (Melissa) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie stammt ursprünglich aus dem vorderen Orient und Westasien und ist auch in Teilen des östlichen Mittelmeerraumes heimisch. Ihr natürliches Areal reicht von Anatolien über den Kaukasusraum, Irak und Iran bis Pakistan. Aufgrund ihres würzig zitronenartigen Duftes und ihrer beruhigenden Heilwirkung wird die Melisse heute als Küchenkraut und als Heilpflanze in Europa sowie in Süd- und Nord-Amerika angebaut.

In Mitteleuropa ist sie vielfach kultiviert und verwildert in klimatisch geeigneten Lagen. Im Mittelmeerraum bis an den Alpennordrand (Österreich, Schweiz) wächst sie fest eingebürgert an Ruderalstandorten, Hecken oder Mauern bis in die kolline Stufe hinauf. Auch in wärmebegünstigten Teilen Deutschlands ist die Melisse eingebürgert, so z. B. in der Oberrheinebene.

Die krautige wachsende Art kann bis zu 80 cm hoch werden. Sie ist mehrjährig und soll bis zu 25-30 Jahre alt werden können. Die Melisse weist den typischen Bau der Lamiaceen (früher als Labiaten, dt. Lippenblütler bezeichnet) auf. Aus einem ausdauerndem Wurzelstock mit unterirdischen Ausläufern (Rhizom) treiben im Frühjahr zahlreiche vierkantige Stängel mit kreuzgegenständig angeordneten eiförmigen, stumpf gesägten Blättern.

Die Blätter sind kurz gestielt, bis acht Zentimeter lang und bis drei Zentimeter breit mit an der Unterseite deutlich hervortretenden Nerven. Die Oberseite ist mit Drüsenschuppen versehen, schwach behaart und deutlich dunkler als die Unterseite. Der zitronenartige Geruch der Blätter wird durch ätherisches Öl ver­ursacht, das in den Drüsenschuppen auf der Blattoberfläche enthalten ist. Beim Zerreiben verletzt man diese Drüsen und setzen es so frei.

An den Blattachseln entspringen in Scheinquirlen weiße oder bläulich- weiße typische Lippenblüten mit einer flachen Ober- und einer dreilappigen Unterlippe. Melissa officinalis hat blassrosa bis blassviolette, manchmal auch gelblichweiße Lippenblüten, die nur etwa 1cm lang sind. Sie haben eine auffallend große Unterlippe und einen zweilippigen Kelch. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Bestäubt werden sie größtenteils von Hymenopteren wie Bienen und Hummeln, aber auch z. B. von Schwebfliegen. In der Regel sind die Blüten zwittrig, nur selten treten auch eingeschlechtliche Blüten auf. Zur Fruchtreife entstehen bis zu 2 mm lange schwarzbraune Nüsschen, die Teilfrüchte einer Klausenfrucht sind und mehrere Jahre im Boden überdauern können.

Zitronenmelisse wildwachsend. Foto: (c) Ute Mangold / wiesengenuss

In der Phytotherapie

*)Anmerkung: Natürlicherweise kommt Citral in der Regel als Gemisch der beiden Isomere Geranial (Citral A) und Neral vor. Geranial ist als Duftstoff u. a. in Tomaten zu geringen Anteilen als Abbauprodukt von Lycopen zu finden. Citral ist Hauptbestandteil vom Zitronengrasöl (bis zu 85 %) und dem Öl von Litsea cubeba (bis zu 75 %) kommt aber auch in vielen anderen ätherischen Ölen, wie von Basilikum, Lorbeer, IngwerMajoran, Malabargras, Möhren, Muskatellersalbei, Perilla, Rosenholz, Zitronenstrauch und Zitronen vor.

Wirkung – nervenstärkend, entkrampfend und belebend

Innerlich: Hier werden als Droge im arzneilichen Sinn die Blätter (Melissae folium) verwendet. Die traditionelle Verwendung erfolgt zur Unterstützung der Magenfunktion und bei nervlicher Belastung. Präparate wie Teeaufgüsse, Flüssig- oder Trockenextrakte aus der Melisse wirken beruhigend und krampflösend. Sie werden bei Einschlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Häufig werden sie in Teemischungen mit anderen beruhigend wirkenden Drogen eingesetzt. Bäder werden bei Entzündungen der Haut und der Genitalorgane eingesetzt, aber auch als Entspannungsbäder.

Äußerlich: Aufgrund des Gehaltes an Phenolcarbonsäuren-Derivaten, vor allem Rosmarinsäure, haben Melissenblätter auch eine antimikrobielle und antivirale Wirkung. Dies wird in Salben zur Behandlung von Herpes simplex eingesetzt. In der Volksmedizin wird die Zitronenmelisse auch gegen Erkältungskrankheiten und Kreislaufschwäche eingesetzt.

Melissa officinalis. Illustration_Melissa_officinalis0 Von Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany – httpwww.biol

Verwendung

In der Küche

Die Zitronenmelisse wird als Gewürz- oder Arzneipflanze und als Bienenweide angebaut. Die Blätter werden als Küchengewürz verwendet. Extrakte aus den Blättern werden zu Kräuterlikören verarbeitet. Zum Aromatisieren von kalten Getränken, Salaten und Saucen sowie Kompotten wird Melisse verwendet. Tee und Wein kann man aus ihr herstellen. Melissentee soll beruhigend wirken und verdauungsfördernd sein. Am aromatischsten ist Zitronenmelisse vor der Blüte.

In der Hausapotheke

Tee als Aufguss mehrmals täglich bei nervös bedingten Einschlafstörungen und funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Meist in Kombination mit anderen beruhigenden und auf die Verdauung karminativ wirkenden Heilpflanzen.

Melissenöl eine Rariät

Im Handel ist reines Melissenöl aufgrund des hohen Preises (rund 6000 Euro pro kg) selten erhältlich, meist sind es Ersatzöle wie Citronellaöl, Zitronengrasöl oder Verfälschungen (Indisches Melissenöl).[9]

Als sogenannte Klostermelisse wird sie dem hochprozentigen (79 Vol.-% Alkohol) Klosterfrau Melissengeist zugesetzt. Als „Melissengeist“ wird ein alkoholisches Mischdestillat gehandelt. Dabei werden Melissenblätter, Orangenschalen, Ingwerwurzel, Nelken, Zimtrinde, Angelikawurzel und andere Drogen gemeinsam in Alkohol angesetzt und dann destilliert. „Karmelitergeist“ (Spiritus Melissae compositus) ist eine Mischung verschiedener ätherischer Öle, u.a. Melissenöl (häufig ausgetauscht gegen das preiswertere Citronellöl), in Alkohol gelöst.

Anerkannte medizinische Anwendung

KOMMISSION E: innerlich bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden und bei nervös beding­ten Einschlafbeschwerden.

Das HMPC hat Melissenblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§39a AMG) eingestuft in Form von Tee (Infus), gepulverter Droge, Flüssigextrakt, Trockenextrakten und Tinktur.

  • Innerlich zur Besserung leichter Stresssymptome
  • innerlich als Einschlafhilfe
  • innerlich bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden (Blähungen, Flatulenz)
  • Durch klinische Daten belegte Anwendungsgebiete (Zulassung): äußerlich bei Herpes­infektionen (Lippenbläschen durch Herpes simples HSV-1 und HSV-2)

ESCOP: innerlich bei Angespanntheit, Unruhe und Reizbarkeit sowie zur symptomatischen Behand­lung von Verdauungsbeschwerden wie leichte Bauchkrämpfe; äußerlich zur Behandlung der wunden Stellen bei Lippenherpes (Lippenbläschen).

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

In Präparaten zum Einnehmen werden Melissenblätter häufig mit anderen beruhigend wirkenden Pflanzen kombiniert (z.B. Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Passionsblumenkraut).

  • geschnittene Melissenblätter zur Teebereitung
  • Fluidextrakt in Flüssigkeiten
  • alkoholische Auszüge in Tropfen
  • Trockenextrakte in löslichen Tees, Tabletten, Dragees
  • Trockenextrakte in Salben (gegen Lippenbläschen)

Melisse gegen Demenz?

Britische Forscher konnten 2004 nachweisen, dass Melisse die Gehirnleistung stärken kann, denn es fördert die Freisetzung des Neurotransmitters und Botenstoffs Acetylcholin. Ein Stoff, der bei Alzheimerpatienten nur noch in geringen Mengen vorhanden ist. Nachweislich verbesserte sich die Gehirnleistung der Probanden. Vielleicht ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von Demenzpatienten. (BBC-Online, DAZ Deutsche Apothekerzeitung)

Quellen und weiterführende Literatur

  • Wikipedia – Zitronenmelisse
  • Arzneipflanzenlexikon
  • Bühring, Ursel: Alles über Heilpflanzen, Ulmer Verlag, Stuttgart, Hohenheim 2007, 2020, 1. Nachdruck 2023
  • Stern, Cornelia; Ell-Beiser, Helga: Phytotherapie in Theorie und Praxis. AT Verlag Aarau und München, 2022

LITERATURVERZEICHNIS & QUELLEN

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(c) Ute Mangold / wiesengenuss 2023. Alle Bilder und Texte sind urheberrechtlich geschützt.

GELBER ENZIAN – Bittere Medizin

Gentiana Lutea. Koehlers Medizinalpflanzen. Historische Zeichnung.

Gentiana lutea
Familie der Enziangewächse (Gentianaceae)
Gentianae radix (Enzianwurzel)

Hatte man früher Bauchgrummeln, vor allem nach einem fettigen Essen, so gabs einen Schnaps. Und in den Bergregionen wars ein „Enzian“, der soll die Magensäfte anregen, hieß es. Und so war das auch. Das merkte man schon am Speichelfluss. Verdauungsfördernd und Appetitanregend.

Ein „Enzian“ enthielt die Wurzel des Gelben Enzian. Nicht des blauen, der oft auf dem Etikett abgebildet ist, nein, der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) und der ist selten. Meine Aufnahme stammt von einer Bergwiese in über 1500 Meter Höhe in der Zentralschweiz.

Achtung Verwechslungsgefahr: Nicht blühend ist der Gelbe Enzian leicht mit dem sehr stark giftigen Weißen Germer zu verwechseln, dessen ebenfalls bogennervige und graugrüne Blätter aber nicht kreuzgegenständig, sondern (dreizeilig) wechselständig beziehungsweise schraubig angeordnet sind.

Der Enzian in der Volksheilkunde

Volksheilkundlich setzte man die Pflanze häufig bei Magenbeschwerden, aber auch bei hohem Fieber ein. „Bittere Medizin“.  Was in der Erfahrungsheilkunde schon lange bekannt war, geriet nun auch in den Blick der Wissenschaften. Seit 1990 ist die Wurzel des Gelben Enzian (Gentianae radix) ein offiziell anerkanntes Heilmittel, nach Beschluss der Kommission E. Er gehört zu den sogenannten Bitterstoffdrogen*, den Tonica amara. (In Apothekersprache werden als „Drogen“ getrocknete Heilkräuter bezeichnet). Und bitter ist er, der Enzian!! Sogar sehr bitter. Mit einem Bitterwert von 10.000 bis 20.000 folgt er nach dem Bitterholz auf Platz zwei der Rangliste der Bitterkräuter, noch vor dem Wermutkraut. Danach folgen u.a. Artischockenblätter, Tausendgüldenkraut, Pomeranzenschalen und Chinarinde.

Bitterstoffe sind „Treibstoff für den Verdauungsapparat, natürliche Fat-Burner, kognitive Förderer und Immunostimmulatoren“. (Pflanzenheilkunde, Impulse e.V.).

Bitterstoffe regen die Verdauungssäfte an

In der Apothekersprache werden Bitterstoffe oder Bitterkräuter auch Tonica amara (lat. amarus = bitter) genannt. Sie bestehen aus verschiedenen chemischen Verbindungen, die bei oraler Einnahme die Ausschüttung von Verdauungsäften, wie Speichel, Magensaft, Galle und Sekreten aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) fördern. Eingesetzt werden sie bei Verdauungsproblemen aller Art und auch bei Appetitlosigkeit.
„Bitter“ wird von der Zunge als eine der fünf Geschmacksrichtungen gespürt und viele lehnen diesen Stoff (leider) ab. Mit der Folge, dass die Bitterstoffe in den Gemüsesorten immer mehr weggezüchtet werden. Da wir dadurch mittlerweile zu wenige Bitterstoffe mit der Nahrung aufnehmen, haben die sogenannten ‚Dyspepsien‘, sprich Verdauungsstörungen, rasant zugenommen. Dabei regen die Bitterstoffe den kompletten Verdauungsmechanismus an – und zwar schon auf der Zunge. Kaum ziehen sich die Geschmacksknospen dort zusammen, wird ein unwillkürlicher Reflex über den Nervus vagus ausgelöst. Das beginnt mit dem Speichelfluss, geht über vermehrte Magensäureproduktion bis hin zur Anregung der Verdauungsdrüsen in der Leber und dem Pankreas. Vor allem wirken sie auch auf die Gallenblase, das gallensaftfreisetzende Ausscheidungsorgan. „Pantha rhei“ – alles fließt. Stauungen werden aufgelöst, mit der Folge einer besseren Verdauung der Nahrung.

Bitterstoffe wirken stärkend

Im Vornamen „Tonica“ amara der Bitterstoffe, steckt das Wort „Tonicum“ als Stärkungsmittel. Die Bitterstoffe wirken tonisierend, das bedeutet, dass die Durchblutung der Gefäße angeregt wird und damit auch die Herztätigkeit. In der Schweiz habe ich eine alte Bauerntradition kennengelernt, bei der morgens (!) ein Glas Kräuterschnaps getrunken wurde, vor der Arbeit. Und mittags auch, nach dem Essen.
Die Sekretion der gesamen Ausscheidungsorgane und der Schweißdrüsen wird durch die Bitterstoffe stimuliert. Durch die Magen- und Darmsäfte wird auch die Leber entlastet. Die Nahrung wird besser zerlegt, ist dadurch weniger toxisch. Insgesamt wird der ganze Entgiftungsprozess des Körperstoffwechsels in Gang gebracht. Gelber Enzian als Detox Mittel der allerfeinsten Art.

Bitterstoffe wirken antibakteriell

Dazu haben Bitterstoffe auch noch eine bakterizide und antiparasitäre Wirkung. Auf der Zunge und in den Schleimhäuten der Atemwege gibt es einen Bitterrezeptor mit dem Namen T2R38 und im Zusammenhang mit einem Biofilm steht, den diese Schleimhäute erzeugen. Er hat er eine Wächterfunktion für die Atemwege und damit für die Immunabwehr.

Bitter macht lustig

Von den Bitterstoffen wird der gesamte Kreislauf angeregt, die Blutbildung erhöht und die Lebenslust gesteigert.

Eine seltene und geschützte Pflanze der Gebirge

Der Gelbe Enzian wächst gern auf Bergwiesen, in den gebirgigen Zonen Mittel- und Südeuropas. Von den Pyrenäen bis zum Balkan. Von den südlichen Alpen bis nach Unterfranken. In deutschen Mittelgebirgen kommt er beispielsweise im Schwarzwald auf dem Feldberg und dem Hohen Randen vor, besonders häufig auf der Schwäbischen Alb. Das liegt daran, dass er kalkliebend ist, aber auch auf kristallinem Gestein wächst wie Granit oder Gneis. In den Alpen erreicht er vereinzelt Höhenlagen von 2500 Metern.

Der Gelbe Enzian ist in den Alpen und anderen Gebirgen Mittel- und Südeuropas verbreitet. Es gibt Fundortangaben für PortugalSpanienFrankreichDeutschlandÖsterreich, die SchweizItalienSlowenienSerbienKroatienBulgarien, Rumänien, AlbanienGriechenland, die westliche Türkei, die Republik Moldau und die Ukraine.[10][2] In deutschen Mittelgebirgen kommt er beispielsweise im Schwarzwald auf dem Feldberg und dem Hohen Randen vor, besonders häufig auf der Schwäbischen Alb. Der Gelbe Enzian galt als kalkliebend, wächst aber auch auf kristallinem Gestein (Schwarzwald) und gedeiht in Mitteleuropa auf Weiden-, Block- und Karflure von der Tallage bis in Höhenlagen von 2500 Metern, die wenigstens zeitweise feucht und locker sind. Er kommt in Mitteleuropa in größeren Höhenlagen vor in Gesellschaften des Verbandes Nardion, des Calamagrostion-arundinaceae-Verbands, auch im Verband Erico-Pinion und in der Ordnung der Seslerietalia albicantis.[5] In niedrigen Höhenlagen findet man ihn in Gesellschaften des Mesobromion- und des Verbandes Geranion sanguinei.[5] In den Allgäuer Alpen steigt er im Tiroler Teil zwischen Jöchelspitze und Mutte in Höhenlagen von bis zu 2100 Metern auf.[11] In den Alpen erreicht er vereinzelt Höhenlagen von 2500 Metern.[4]

Gentiana lutea ist in Deutschland geschützt durch die Bundesartenschutzverordnung, Allerdings kann er sich aufgrund seiner reichlichen Produktion leicht verwehbarer Samen auf Weideflächen auch zur Plage entwickeln, denn das Nutzvieh meidet ihn. Und das ist genau der Trick beim Enzian. Die Bitterstoffe wurden von ihm nämlich nicht dazu ausgebildet, uns zu gefallen, sondern Fressfeinde abzuwehren. Auch wir Menschen essen ihn nicht roh, sondern bevorzugt Flüssig als Extrakt oder Tinktur. Oder eben als Schnaps.

 

Bild: (c) Ute Mangold, wiesengenuss.
Gelber Enzian in der Zentralschweiz am Glacier 3000. 

INHALTS- und WIRKSTOFFE

Enzianwurzel enthält die Bitterstoffe Amarogentin und Gentiopicrosid. Enzianwurzeln werden seit Jahrhunderten arzneilich als Bittermittel bei Verdauungserkrankungen angewandt. Der bittere Geschmack beruht auf den Secoiridoidglycosiden Gentiopicrin und Amarogentin . Letztere ist eine der bittersten natürlichen Substanzen und wird daher in der Wissenschaft als Messstandard für bitteren Geschmack genutzt. Beim Menschen stimuliert Amarogentin vier Geschmacksrezeptoren. (Quelle: wikipedia)

Der getrocknete Wurzelstock und die Wurzeln von Enzian enthalten zwei bis drei Prozent Bitterstoffe, darunter Gentiopikrosid und das äußerst bittere Amarogentin. Weitere Inhaltsstoffe sind vor allem bitter schmeckende Zweifachzucker sowie geringe Mengen ätherisches Öl. 

Seit Jahrhunderten wird Enzian zur Herstellung von Schnäpsen verwendet. Beim Destillieren gehen die wirksamen Bitterstoffe jedoch nicht in das Destillat über, Enzian verleiht dem Getränk lediglich das charakteristische Aroma. Der gesundheitliche Nutzen der Heilpflanze ist deshalb beim Enzianschnaps nicht mehr vorhanden.

Im Gegensatz zu Destillaten enthalten alkoholisch-wässrige Auszüge die arzneilich wirksamen Bitterstoffe. Sie werden im Handel als "Magenbitter" oder "Kräuterbitter" vertrieben, die dann oft auch Auszüge anderer Bitterstoffpflanzen enthält, die ebenfalls die Magen- und Gallensaft-Sekretion anregen - wie 'Isländisch Moss', Wermut, Hopfen oder Anis. (Quelle: netdoktor.de)

Wirkungen

Die wesentlichen Wirksubstanzen sind die in der Droge enthaltenen Bitterstoffe. Diese führen über eine Reizung der Geschmackrezeptoren reflektorisch zu einer Anregung der Speichel- und Magensaftsekretion. Enzianwurzel gilt deshalb nicht als Amarum, sondern konsekutiv auch als Roborans und Tonikum. (Quelle: Impulse e.V.). In den beiden Fachbegriffen stecken schon ihre Wirkungen: Ein Tonikum ist ein Stärkungsmittel. Roboranzien wirken sogar noch stärker (Herleitung von Robust).

Pharmakologie

Die bitteren Substanzen regen die Geschmacksknospen an und führen reflektorisch über den Nervus vagus zum Speichel-, Magensaft- und Gallenfluss. Außerdem zeigen Enzianextrakte antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften. Als Immunmodulation wird die Veränderung des körpereigenen Abwehrsystems durch pharmakologisch wirksame Stoffe bezeichnet. Dieses Verfahren wird auch eingesetzt, um ein überreagierndes Immunsystem zu dämpfen.

Anwendungsgebiete

Verdauungsbeschwerden wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen.Nebenwirkungen. Bei besonders disponierten Personen ist gelegentlich ein Auftreten von Kopfschmerzen möglich. Wechselwirkungen mit anderen Mitteln. Keine bekannt. Gegenanzeigen: Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.Arzneidroge

In der Apothekersprache wird Enzian als Arzneimittel als Gentianae radix (Enzianwurzel) bezeichnet. 

Quellen & Lesenswertes