PHYTOTHERAPIE: Kräuter & Heilpflanzen – der BLOG

Diesen Blog widme ich ganz den Kräutern & Heilpflanzen. Er richtet sich an Menschen, die eine Phytotherapie Zusatzausbildung machen, zum Beispiel im Rahmen einer medizinischen Weiterbildung oder einer Heilpraktikerausbildung. Und natürlich sind alle Menschen herzlich eingeladen, die sich für Kräuter und Heilpflanzen interessieren und mehr darüber erfahren möchten.

"Lasst Nahrung eure Medizin sein und Medizin eure Nahrung" Hippokrates von Kos, altgriechischer Arzt, 460 v. Chr.

Heilpflanzen – der Blog

In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte, Botanik und Inhaltsstoffe von Kräutern, Heil- und Kulturpflanzen. Auf der Basis alter Aufzeichnungen, archäobotanischer Forschungen und neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse stelle einzelne Pflanzen vor. Als Biologin und Botanikerin – mit Zertifikat Phytotherapie (SfG) – widme ich mich den einzelnen Heilpflanzen mit ausführlichen Pflanzenportraits, inklusive den Inhaltsstoffen der Pflanzen, Wirkungsweisen, der Pharmakologie. Dazu finden Erfahrungsheilkundliches Wissen und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse ebenfalls Eingang in den Blog sowie auch die wichtigsten Grundlagen zur Verwendung und Anwendung von Heilpflanzen.

Dieser Blog über Heilpflanzen soll als Informationsquelle und Lernhilfe dienen. Über Fragen und Anregungen freue ich mich!

#Weinreisen – „Kräuter & Alte Reben“ mit Andreas Durst im Portugieser

Ein Portugieser, der nach Waldboden riecht und nach Kirsche schmeckt. Alte Reben auf massivem tertiärem Kalk. Ein Weinberg mit Kräutern und Heilpflanzen. Zu Besuch im Kindenheimer Vogelsang bei Andreas Durst, Winzer und Fotograf

Wir stehen im Vogelsang in der Nähe von Grünstadt, bei Bockenheim, wo die Pfälzer Weinstraße ihr nördliches Ende hat. Nordöstlich sehen wir Flörsheim-Dalsheim, Weinleuten bekannt über renommierte Weingüter wie Keller, Raumland und auch Naturweinpioniere wie Bianca und Daniel Schmitt. An guten Tagen kann man sogar bis in den Taunus blicken. Im Osten liegt Heidelberg, der Blick schweift über Mannheim-Ludwigshafen und seinen BASF Türmen – zum Odenwald. Im Süden Karlsruhe und dahinter der Schwarzwald. Bis hin zur Hornisgrinde kann man blicken. Und hinter uns im Westen das Zellertal, mit dem Donnersberg als markanten Berg am Ende des Tals.  

„Die Lage Kindenheimer Vogelsang ist eine gesteinsreiche und gut durchlüftete Höhenlage mit kühlenden Winden, die auf circa 200 Meter (NHN) liegt.“

Alte Reben, Kalk, Heilpflanzen: Andreas Durst in der Kindenheimer Lage Vogelsang. Portugieser Alte Reben. Reben schneidend. Kräuter und Heilkräuter sind zu sehen.
Andreas Durst in der Kindenheimer Lage Vogelsang. Portugieser Alte Reben. Foto: Ute Mangold, Autor

Hier wächst der Portugieser „Alte Reben“. So einen Weinberg hat man noch nicht gesehen!! Der gehört eigentlich unter Denkmalschutz. Wie knorrige Bäume liegen sie da die ururURalten Reben. Wurzelecht. Einzigartig die alten Knorzen und zwischen ihnen wachsen seltene Heilpflanzen wie die Mariendistel mit ihren weißgeaderten Blättern.

Mariendistel und Steppenpflanzen

Cardui mariae lautet ihr Name als Heilpflanze. Sie gehört zu den schönsten und größten Disteln und blüht von Juni bis August.  Ihren Namen ‚mariae‘ erhielt die Pflanze nach der alten Legende, dass die weißen Streifen auf ihren Blättern von der Milch Marias herrühren sollen. Als Arzneipflanze wurde sie bereits vom Dioskurides geschätzt, ein griechischer Arzt aus dem 1. Jahrhundert, der Epoche des Kaiser Nero. (Siehe auch Geschichte der Kräuter und Heilpflanzen). Und da ist auch ihre eigentliche Heimat, im Mittelmeerraum, in Südeuropa, Kleinasien und Nordafrika.

Alte Reben, Kalk, Heilpflanzen: Die Blattrosette einer Mariendistel in der Weinlage Vogelsang. Portugieser Alte Reben.
Die Blattrosette einer Mariendistel in der Weinlage Vogelsang. Portugieser Alte Reben. Foto: Ute Mangold, Autor

Direkt angrenzend liegt das Zellertal. Das Tal mit der mediterranen Flora und Steppenpflanzen. Dort habe ich schon mal kartiert für Wildkräuterwanderungen, die ich dort veranstaltet mit befreundetet Winzerinnen. Trocken und von sanften Winden durchflutet ist das Tal. Der sagenumwobene Donnersberg (Thonarsberg) schützt vor strengeren Westwindwetterlagen. Und damit auch vor Regen, mit der Folge, dass es mit unter 400 mm sehr trocken ist. (Zum Vergleich hier in Südbaden haben wir um die 800 mm Regen). Mittelmeerpflanzen wie Sichelmöhre, Färberwaid und Heilpflanzen wie die bei uns seltene Mariendistel wachsen im Zellertal.

Humus- und Handarbeit

Und auch im „Portugieser“ von Andreas Durst. In diesem alten Weinberg fühlt er sich wie ein Gärtner, so erzählt er. Hier kann man nicht mit einem Traktor reinfahren, nicht einmal mit einem Pferd. Massiver schwerer Kalkfels liegt hoch an. Hochverdichteter Boden, darauf eine geringe Humusauflage. Da stand erstmal Bodenarbeit an. Mit der Hacke hat er ihn aufgebrocken, mit dem Spaten geschwartet. Pferdemist und Kompost aufgefahren, homemade. Alles Handarbeit. Das hat sich gelohnt! Der Boden wurde lockerer, der Humusanteil wuchs. Die Dürren der letzten Jahre im Sommer überstand der Portugieser gut.

Doch tief wurzeln müssen sie hier, die alten Reben. Im Oberboden ist nicht viel zu finden. Löss Lehm mit einer geringen Humusauflage. Darunter steht das Gestein an. Tertiäre Kalke. Von der Gesteinsgeschichte etwas jünger als Muschelkalk. Und diese sorgen auch für das außergewöhnliche Aroma der Beeren. Wer sich so wie ich mehr für Geologie interessiert, lese hier weiter: Chamäleon Kalk.

Alte Reben, Kalk, Heilpflanzen: Knorzen von Andreas Durst's Portugieser Alte Reben. Foto: Ute Mangold, Autor
Uralte Knorzen vom Portugieser Alte Reben. Mit Absenkern und neuen Trieben. Foto: Ute Mangold, Autor

Hundertzwanzig Jahre alte wurzelechte Reben

Wie alt sie genau sind, das weiß keiner. Derjenige, der ihn angelegt hat, ist 1910 gestorben. „Über 110 Jahre alt sind die Reben. Der Portugieser stammt aus einer sogenannten „Selection massale aus Württemberg. Vor 1910 gepflanzt. Wurzelecht. Portugieser mit ca. 15% Lemberger und 2 Sylvanerstöcke. Natürlich auch wurzelecht. Untergrund: Tertiärer Kalkfels mit roter Humusauflage in 80-120 cm Höhe. Kinderheimer Vogelsang 250 Meter NN.“ Erzählt Andreas Durst.

Unter einen Hektar hat er insgesamt gepachtet. Darunter auf ein paar Ar der alte Portugieser. Mit einem Ertrag von 15 Hektoliter pro Hektar. Zum Vergleich in einem „normalen“ Wingert können durchaus 100 Hektoliter /ha geerntet werden. Doch aus kleinsten Mengen holt er größtes heraus. Die Trauben sind kleinbeerig, der Extrakt in ihnen konzentriert.

Alte Reben, Kalk, Heilpflanzen: Die Fässer im Weinkeller von Andreas Durst mit dem Portugieser Alte Reben, Foto: Ute Mangold, Autor
Die Fässer im Weinkeller von Andreas Durst mit dem Portugieser Alte Reben, Foto: Ute Mangold, Autor

Fassprobe vom Portugieser 2020

In seinem Weingut, also eher in der Garage, in Kleinbockenheim machen wir eine Fassprobe. Portugieser Alte Reben, Jahrgang 2020. Eineinhalb Jahre lag er in zwei Fässern, gebrauchten Barriques, zur Reife und noch ein halbes Jahr in einem Tank. Beide Holzfässer darin zusammengeführt. Frisch herausgelassen ins Glas riecht er erstmal nach Waldboden. Ein Boden mit trockenen Laubblättern, herbstlich aber nicht feucht. Ein Tannenzapfen liegt vor uns auf dem Boden, ja genau so riecht er. Im Mund entfaltet er dann sein ganzes Potential. Man muss ihn schon kräftig durchkauen, ein wenig lüften lassen und kleine Schlucke nehmen, dann kommt sie – die Kirsche! Eine feine Frucht entwickelt sich. Das erinnert mich an eine Fassprobe im Piemont bei Enzo Boglietti. Und ja in Richtung Nebbiolo kann man durchaus denken. Die Länge des Weins im Abgang zeigt schon wieviel Potential er hat.

Ein Bericht im Spiegel zum Portugieser 2017

Seinen Status als schützenswerte Rebsorte hat der Portugieser jüngst auch durch einen Artikel im Spiegel – DER SPIEGEL mit dem Titel „Portugieser Rotwein, warum diese Rebsorte bekannter sein sollte“ – untermauert bekommen. Als einer der sieben empfohlenen Portugieser wurde der 2017er P mit „Transparentes Rubinrot, granatrot auslaufend. Stahlige Nase, etwas schwarze Johannisbeere und Baumrinde. Am Gaumen dann sehr präzise Frucht: Kirsche, Pflaume und kreidige Töne. Sehr viel Frische und Vitalität sowie ein fein geschliffenes Tannin. Extrem reduzierter und auf seine Art fordernder Wein.“ 2017 P, Andreas Durst , Pfälzer Landwein, 12 % alc., ca. 28 Euro

Andreas Durst, Winzer und Fotograf

Auf seinen Etiketten steht: „DURST – Ein Name, kein Programm“. Ein Scherz, also wenn jemand Programm hat…..Und einen Plan. Der Plan besteht aus einem Hektar alte Reben. Sylvaner und Portugieser. That’s it. Naturwein, Bio, ungeschwefelt, Biodyn, alle diese Etiketten passen nicht, auch wenn andere ihn gerne in diesen Kategorien haben wollten. Er macht, was er für richtig hält. Mit sicherem Instinkt für guten Wein, sagen wir es mal so. Vereinfacht.

Andreas Durst - Winzer und Fotograf. Vor seiner Garage. Foto: copyright Ute Mangold / wiesengenuss
Andreas Durst – Winzer und Fotograf. Foto: copyright Ute Mangold / wiesengenuss

Von Wuppertal nach Kleinbockenheim

Aus Wuppertal nach Kleinbockenheim eingewandert galt er als Pionier im Pfälzer Norden. Denn dort gibt es Lagen, die noch nicht so bekannt sind. Das Grafenstück bei Bockenheim, mit seiner Einzellage: dem Vogelsang. Und das schon erwähnte liebliche Zellertal, einige der wenigen Weingegenden in der Pfalz mit Südausrichtung und einem einzigartigem geschützten Klima durch den Donnersberg. Besonders an der Ecke im Norden ist, dass es sich um sogenannte „Kalktertiär“-Lagen aus dem Miozän handelt. Erdgeschichtlich ein paar hundert Millionen Jahre jünger als der Muschelkalk der Trias. Kalkriffe, die aus einem warmen Meer hervor wuchsen – kein Pazifik, sondern eher ein Südseetraum! Im Miozän gab es seichte Meeresbereiche, warme Lagunen, intime malerische Buchten, in denen das Meerwasser langsam verdampft und den Kalkschlamm zurück lässt, auf dem nun satte Weine wachsen.

Wein spricht Deutsch

„Weil er einen unverfälschten Blick hat“, wurde Andreas Durst von Stuart Pigott vor einigen Jahren beauftragt, sein Buch „Wein spricht Deutsch“ zu bebildern. Im Buch steht die Frage im Mittelpunkt „Wie schmecken die Weine, warum schmecken sie so?“

Auszug aus dem Klappentext: „Die Weinwelt von der Mosel bis nach Südtirol, von der Saale bis ins Elsass und die Wachau befindet sich in einem atemberaubenden Wandel. Traditionsbewusstsein begleitet von Weltoffenheit und Innovationsfreude führt zu einem nie dagewesenen Geschmacksreichtum und bislang unbekannter Ausdrucksstärke der Weine. Was wahre Winzerleidenschaft dabei grenzübergreifend verbindet, ist das vorbehaltlose Bekenntnis zur Reinheit und Authentizität des Weins. Denn echter Wein schmeckt nicht nur gut, sondern erzählt von einer Landschaft, in der er wächst, vom Wetter, dem er ausgesetzt ist, von den Eigenschaften der Reben und natürlich von den Menschen, die ihn pflegten und begleiteten.
„Wein spricht deutsch‹ vereint diese Geschichten zu stimmungsvollen Gebietsporträts, bei denen immer die Frage »Wie schmecken die Weine und warum schmecken sie so?« im Mittelpunkt steht. Aus dieser Perspektive wird die Geschichte selbst traditioneller Weinanbaugebiete völlig neu erzählt – und manche Geschichten, wie die der neuen Weinbaugebiete im Norden Deutschlands, zum ersten Mal.
Die rund 200 Fotografien sind starke und überraschende Blicke auf die Welt des deutschsprachigen Weins, und laden nicht weniger als die Texte zu einer Reise in diese prächtigen Weinlandschaften ein.“

Winzeralltag in Bildern

Er hat die Winzer, die Weinmacherinnen, die Önologen, die Familien über die Jahre persönlich kennen gelernt und ihre Eigenheiten, Macken und Kauzigkeiten porträtiert. Winzeralltag. Die Familie von der Oma bis zum Enkel beim Essen. Die Jungs mit dreckigen Hosen und verschwitzen Hemden in der Abfüllhalle. Fred Loimer in schwarz-weiß. Hansjörg Rebholz in ausgeblichenen Jeans vor dem Sicherungskasten – die VDP Fahne zurück geschlagen. Weinlandschaften im Herbstnebel, wenig Farben, dunkel, keine Idylle. Die Bilder zeigen: Wein machen ist ehrliche und echte Arbeit!

Bei den Winzern, die er porträtiert hat, hat er es wohl gelernt wie‘s geht. Das Wein machen. „Als Fotograf ist man ein guter Beobachter und Zuhörer“ – meint er.

LÖWENZAHN – der europäische Ginseng?

Taraxacum sect. Ruderalia;
früher Taraxacum officinale L.

Der Löwenzahn trägt viele Namen: Pusteblume, Butterblume, Kuhblume und wegen ihrer harntreibenden Wirkung wird er in manchen Gegenden auch Pissblume, Seichkraut, Bettsoicher oder Bettsäächer genannt. Am Kaiserstuhl heißt er Bieselin, im nahegelegenen Frankreich nennt man ihn „pisenlit“.

Die „Pusteblume“, wie sie von Kindern gern genannt wird, wächst praktisch überall und gilt als „Unkraut“. Es ist fast unmöglich, ihn loszuwerden. Seine bis zu ein Meter lange Wurzel reicht tief in das Erdreich und sticht man ihn aus, treibt jedes kleines übrig gebliebene Wurzelstückchen wieder aus. Auch seine Samen lassen sich vom Winde verweht überall nieder und keimen dort, wo es ihnen gefällt. Das kann auch mal zwischen Pflasterritzen sein. Sogar Mulchfolie kann er durchwachsen. Was alles allerdings auch auf seine Vitalität und Kraft hinweist.

Der Löwenzahn ist eine alte Kulturpflanze und sein lateinischer Namenszusatz officinale deutet auf eine Nutzung im Offizium der Apotheken hin. Die Blätter, Blüten und Wurzeln werden in der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) und in der traditionellen chinesischen Medizin  (TCM). Hier werden seine diuretischen, sprich harnfördernden Eigenschaften geschätzt.

Reichlich Bitterstoffe verdanken wir dieser Pflanze, sie können die Tätigkeit der Leberzellen fördern und diese schützen. Unsere Leber speichert Energiereserven und setzt sie frei, wenn sie benötigt werden. „Schon bevor die moderne Medizin diese Zusammenhänge erkannte, galt die Leber als Energiezentrum des Körpers“, schreiben Anne Wanitschek und Sebastian Vigl in ihrem Buch und ergänzen: „Daher empfahlen Pflanzenheilkundler unterschiedlicher Epochen Leberheilpflanzen bei Energielosigkeit.“

Müdigkeit gilt auch als den „Schmerz der Leber“. Wenn die Leber schwächelt, ist der ganze Organismus kraftlos. Der Löwenzahn mit seinen Bitterstoffen bietet hier eine gute Unterstützung . (Quelle: Natur & Heilen – Stimulanzien aus der Natur, Februar 2023)

Der Begründer der Makrobiotik Ohsawa und der Löwenzahn

Prof. Georges Ohsawa (1893−1966), japanischer Philosoph und bedeutendster Vertreter der makrobiotischen Ernährungslehre und ZEN-Meister, besuchte 1956 mit seiner Frau den südlichen Schwarzwald. Sie verbrachten ihren 3-wöchigen Urlaub im Haus Sonnenhof in Holzinshaus bei Schönau (Landkreis Lörrach D). Sie unternahmen mit Elisabeth und Hellmut Finsterlin zahlreiche Wanderungen und studierten die regionalen Heilpflanzen. Ohsawa war von der herrlichen Landschaft sehr angetan. Als sie von einem Aussichtspunkt aus auf das Städtchen Schönau blickten, fragte der prominente Gast, wie viele Einwohner dort wohnen, wie viele Ärzte dort praktizieren und ob sie genügend zu tun hätten. Finsterlin beantwortete seine Fragen und betonte, die Ärzte hätten hier genügend zu tun. Die Praxen wären zu bestimmten Jahreszeiten randvoll. Ohsawa schüttelte höchst erstaunt den Kopf und bemerkte: „Wie ist es nur möglich, dass es in dieser Landschaft Kranke gibt?“

Während eines Gesprächs kamen sie auch auf die Verwendung der Ginsengwurzel in Europa zu sprechen. Ohsawa meinte, wo viel Löwenzahn wächst, brauche man keinen Ginseng. Er schätzte die Wurzel des Löwenzahns sehr und empfahl diese zu jeder Mahlzeit zu essen (Stücke gebacken und etwas gesalzen). In der makrobiotischen Ernährungslehre gilt übrigens die Löwenzahnwurzel als eines der positivsten Nahrungsmittel des westlichen Menschen.

(Autor: Heinz Scholz, Mediziner und Wissenschaftspublizist, Schopfheim D. Seine Anmerkung: „Diesen Hinweis verdanke ich der Kräuterfrau Maria Finsterlin von Holzinshaus. Sie verwies auf die Schrift „Erde und Kosmos“, 1978-03, in der die Begegnung mit Ohsawa beschrieben wurde.“ Diese Geschichte erschien auch in der Aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Heilpflanzen“, im Artikel von Rudi Beiser, Heilpflanzen, Haug, Thieme Verlag 1 – 2024)

Die Botanik des Löwenzahn

Der Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia; früher Taraxacum officinale L.) stellt eine Gruppe sehr ähnlicher und nah verwandter Pflanzenarten in der Gattung Löwenzahn (Taraxacum) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) dar. Meist werden diese Pflanzen einfach als Löwenzahn bezeichnet, wodurch Verwechslungsgefahr mit der Gattung Löwenzahn (Leontodon) besteht.

Sein wissenschaftlicher Name ‚Taraxacum‘ stammt aus dem arabischen Raum. Im Canon medicinae von Abū Alī al-Husain ibn Abd Allāh ibn Sīnā (persisch ابن سينا, arabisch أبو علي الحسين بن عبد الله ابن سينا) verkürzt Ibn Sina genannt, hier als Avicenna bekannt, wird er erwähnt. Die eine Version lautet, dass Taraxacum auf den arabischen Begriff ‚al-taxaracon‚ zurück geht, was „bittere Wurzel“ bedeutet. Die andere Version lautet Taraxacum wurde möglicherweise aus den arabischen Wörtern ‚tarak‘ und ’sahha‘ gebildet, was so viel wie „pissen lassen“ bedeutet. Interessant, denn schließlich heißt er bei uns auch Bettsäächer, Bieselin oder Pissenlit.

Löwenzahn wächst überall

Ursprünglich in den gemäßigten Zonen Europas und Asiens vorkommend, ist er mittlerweile weltweit verbreitet. Vom Flachland bis ins Gebirge wächst der Löwenzahn auf Fettwiesen, Weiden, Äckern, Schutt, Wegränder, Parkanlagen und in Gärten – sogar zwischen Pflastersteinen setzt er sich durch! Als sogenannte „Rosettenpflanze“ wächst er immer wieder aus seiner bis zu zwei Meter (!) langen Pfahlwurzel nach. Dadurch setzt sich der Löwenzahn besonders an Stellen durch, wo andere Pflanzen durch Tritt oder durch Mahd zerstört werden. Der Gewöhnliche Löwenzahn ist sehr leicht mit anderen Pflanzen seiner Gattung zu verwechseln, die manchmal nur durch die Form der Samen unterschieden werden können.

Avicenna und der Löwenzahn

Bei den antiken hellenistischen Ärzten wird der Löwenzahn nicht explizit erwähnt. (siehe auch Geschichte der Heilpflanzen hier im Blog). Erst bei Avicenna und den Arabischen Ärzten des 11. Jahrhundert und später in den Kräuterbüchern fand er Aufmerksamkeit. Seit dem 16. Jahrhundert ist er als Heilmittel anerkannt. Vermutlich hatte er in der Volksheilkunde wohl schon länger Bedeutung, obwohl Hildegard von Bingen – eigentlich gut bewandert in der Naturküche – ihn als Heilpflanze nicht erwähnt hat. Auch dass er essbar ist, muss ihr völlig unbekannt gewesen sein. Vermutlich gab es auf mittelalterlichen Frühlingswiesen kaum Löwenzahn, schließlich mag er gedüngte Wiesen. In Mitteleuropa taucht er erst nach der Renaissance wieder auf, und zwar in alten Kräuterbüchern. Leonhart Fuchs, ein Mediziner und einer der Väter der Botanik erwähnte ihn um 1550 herum als eine Art Wegwarte, er hieß bei ihm „Pfaffenröhrlein“.

„Das Pfaffenröhrlein breitet sich mit seinen vielen Blättern in Kreisform auf der Erde aus […]. Seine gekerbten Zähne ähneln den großen Zähnen der Säge. Pfaffenröhrlein gekocht und getrunken, stopfen den Bauchfluss. Mit Linsen gekocht und getrunken, sind sie gut denjenigen, die die rote Ruhr haben. Wenn der männliche Same ausbleibt, dann soll er von den Pfaffenröhrlein trinken. Sie sind auch gut für diejenigen, die Blut speien“.

Später bei den früheren Apothekern des Spätmittelalters, fand er Eingang in das Officium (daher auch sein Name „officinale“). Die entwässernde und diuretische Wirkung liest man aus seiner Bezeichnung als „Herba urinaria“ bei den galenischen Pillen- und Zäpfchendrehern heraus. Er galt als Mittel gegen Durchfall, Wasserretention, Gicht, Gelbsucht und damit vor allem Galle- und Leberleiden.

Als Taraxum mongolicum wird er in der chinesischen Pharmakologie schon seit Jahrtausenden verwendet: zur Beseitigung von Hitze- und Giftstoffen aus der Leber und zur Behandlung von Furunkeln (sie können auf der Haut als das Entgiftungsorgan bei Leberschwäche entstehen).

Bitterer Löwenzahn – Wirkstoffe

Die gesundheitlich wirksamen Inhaltstoffe des Löwenzahn sind hauptsächlich Sesquiterpen-Bitterstoffe. Sie fördern die Sekretion der Verdauungsdrüsen. Daneben wurde auch eine harntreibende Wirkung nachgewiesen, die möglicherweise auf die hohe Kaliumkonzentration zurückzuführen ist. Anwendung findet die Heilpflanze bei Appetitmangel, Verdauungsbeschwerden mit Völlegefühl und Blähungen, bei Störungen im Bereich des Gallenabflusses und zur Anregung der Harnausscheidung bei entzündlichen Erkrankungen und Steinbildung.

Weitere Inhaltsstoffe sind die antioxidativ wirkenden Flavonoide und dazu Mineralstoffe und Spurenelemente wie Zink und Kupfer. Die Wurzel enthält dazu noch Kohlehydrate wie Inulin, ein Zuckeraustauschstoff, der besonders für Diabetiker geeignet ist. Der Anteil ist im Herbst am höchsten, weshalb sie erst da ausgegraben werden sollen. Weitere Bestandteile der Wurzel sind Carotinoide, Vitamin C und E sowie einen Vitamin B-Komplex.

Der Löwenzahn in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie)

Folgende Pflanzenteile werden verwendet:
Taraxaci folium (Löwenzahnblätter)
Taraxaci radix (Löwenzahnwurzel) und
Taraxaci herba cum radice (Löwenzahnblätter und -wurzel)

Die Hauptwirkstoffe
sind Sesquiterpenlactone-Bitterstoffe (Tetrahydroridentin B, Taraxacolid-β-D-glucosid und andere), ein Phenolcarbonsäurederivat (Taraxosid), und Triterpene (Taraxasterol und dessen Derivate); ferner hohe Kaliumkonzentrationen (bis zu 4,5 %) und Inulin (im Herbst bis zu 40 %). Neuere Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Ethnopharmakologie untersuchen die physiologischen Eigenschaften des Taraxasterols.[13][14] Die Sesquiterpenfraktion scheint für die beobachtete leberschützende (hepatoprotektive) Wirkung verantwortlich zu sein[15] und zeigt potentielle chemoprotektive Effekte.[16] Für Extrakte aus Löwenzahn konnte sowohl eine hemmende Wirkung auf das Größenwachstum und die Verbreitung (Invasivität) von Prostata- und Brustkrebszellen[17] als auch eine apoptosefördernde Wirkung bei Leberkarzinomzellen,[18] Leukämiezellen[19] und Pankreaskrebszellen[20] nachgewiesen werden. Im Tierversuch zeigte sich eine leistungssteigernde und erschöpfungswidrige Wirkung nach der Gabe eines Löwenzahnextraktes, wobei ein verzögertes Absinken der Blutzuckerwerte bei gleichzeitigem verzögertem Anstieg der Triglycerid- und Lactatwerte auffiel.[21] Der Gehalt an Vitamin C beträgt etwa 68 mg pro 100 g Löwenzahnblättern.[22] (übernommen aus Wikipedia).

Der Löwenzahn in der Volksheilkunde

Der Löwenzahn gehört zu den schon in der Volksmedizin bekannten Naturheilkräutern. Er enthält etwa zehnmal so viel Vitamin C wie Kopfsalat. Neben dem Bitterstoff Taraxacin, enthält der Löwenzahn auch den für Diabetiker geeigneten Zuckerersatzstoff Inulin, dazu Cholin, Vitamin B2, Harze, Triterpene und verschiedene Carotinoide. Sein Provitamin A Gehalt ist höher als der von Karotten. Bemerkenswert ist sein hoher Kaliumgehalt.

Indikationen und Verwendung des Löwenzahn

Eingesetzt werden Löwenzahnpräparate bei Störungen des Gallenflusses. Zur Anregung der Diurese (Harnausscheidung über die Nieren). Bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl und dyspeptischen Beschwerden mit Meteorismus (Blähungen).

Mit seiner harntreibenden Wirkung wurde er auch zur sogenannten „Blutreinigung“ eingesetzt: Als Teil einer Frühjahrskur mit Kräutern hilft er dem Körper zu „entschlacken“, wie man früher gesagt hat, da er sämtliche Verdauungsorgane, Niere und Blase anregt. Dies wirkt sich laut Studien auch positiv auf Rheumatismus oder Gicht aus. Heute ist er gerne Bestandteil sogenannter Detox-Tees, die ebenfalls als Frühjahrskur zum Beispiel in der Integrativen Ernährung von Claudia Nichterl eingesetzt werden.
Nebenwirkungen sind keine bekannt, ganz vereinzelt können Magenbeschwerden auftreten, bei Empfindlichkeit gegen Bitterstoffe. Auch Wechselwirkungen sind keine bekannt. Bei Leber- und Galleleiden ist ärztliche Abklärung notwendig.

Löwenzahn (Taraxacum officinale) im Weinberg bei Durbach, April 22, 
Foto: Ute Mangold, wiesengenuss
Löwenzahn (Taraxacum officinale) im Weinberg bei Durbach, April 22,
Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Löwenzahn in der Wildkräuterküche

Vor allem im Frühjahr von März bis Juni ist die beste Erntezeit für Blüten und Blättchen. Zarte Blätter können aus der Rosette das ganze Jahr über frisch geerntet werden. Wichtig ist, dass die Blüten bei Sonnenschein geerntet werden, wenn sie ganz aufgefaltet sind, denn dann enthalten sie den aromatischten Nektar. Das Rezept kann man sich übrigens ganz einfach merken: Blüten, Zucker, Wasser, Zitrone – alles eins zu eins.

In Frühjahrssalaten wirkt er appetitanregend. Die Blätter des wilden Löwenzahns sind etwas bitterer als die des Kulturlöwenzahns. Ältere Blätter können gekocht als Gemüse auf vielfältige Weise zubereitet werden. Aus Löwenzahnblätter, Wegerich und Brennnesseln wurde früher eine hervorragende Suppe mit vielen Vitaminen und entschlackenden Bitterstoffen zubereitet. Bei vollem Sonnenschein geerntet ergeben die Blüten ein goldgelbes Gelee oder einen Sirup, den „Löwenzahnblütenhonig“. Aus den Blüten lässt sich auch ein intensiv gelber Tee zubereiten oder der in angelsächsischen Ländern beliebte spritzige „Dandelion wine“. Die Blütenknospen können wie Kapern eingelegt werden. Aus den Wurzeln lässt sich sogar Kaffee aufbrühen. Vor allem in der Nachkriegszeit wurde er ähnlich wie Zichorienkaffee eingesetzt. In Japan wird die Wurzeln in Öl und Sojasauce gebraten oder in Brandteig ausgebacken.

Löwenzahnblütenhonig und Ziegenkäse auf Schieferplatte. Mit Zitrone und gelben Löwenzahnblüten. Foto: Ute Mangold, wiesengenuss
Löwenzahnblütenhonig Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Löwenzahnblütenhonig und Ziegenfrischkäse

Zubereitung des Löwenzahnblütenhonigs

1 L Löwenzahnblüten (ca. 200g)
1 L Wasser
1 kg Zucker
1 Zitrone

Die Zitrone in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Löwenzahnblüten von den Stängeln befreien, aber die Blütenböden dran lassen. Zusammen mit den Zitronenscheiben in einen Topf mit 1 L Wasser geben. Kurz aufkochen, von der Herdplatte nehmen und bei geschlossenem Deckel etwa 20 min ziehen lassen. Anschließend durch ein gebrühtes Leinentuch oder ein feines Sieb abseihen und zusammen mit dem Zucker wieder aufkochen. Auf mittlerer Hitze etwa 1 Stunde leicht köcheln lassen bis die gewünschte sirup- oder honigartige Konsistenz erreicht ist.

Der selbstgemachte Löwenzahnblütensirup passt wunderbar zu einem Salat mit Ziegenkäse oder zu Erdbeeren und anderen Desserts über die er einfach darüber geträufelt wird. 

Bild von Löwenzahnblütensirup im Weckgläschen. Bild Ute Mangold, wiesengenuss

Die SCHLEHE – eine noch unbekannte Heilpflanze

PRUNUS SPINOSA L.
Familie der Rosengewächse (Rosaceae)
Gattung Steinobstgewächse (Amygdaleae)

Illustration von der Schlehe (Prunus spinosa) von O.W. Thomé (1885), gemeinfrei von commons.wikimedia.org.
Autor: O. W. Thomé (1885), gemeinfrei von commons.wikimedia.org. und https://www.bewie.de/eukaryoten/flora/schlehe/

Wie von tausend weißen Schneeflocken übersät, strotzt die Schlehenhecke voller Kraft dem Licht des Frühlings entgegen. Nun im Vorfrühling, Anfang März, ist es wieder so weit, der dornige Strauch am Wegesrand zeigt sich voller kleiner weißer Blüten. Was ein Duft! Zart wie seine feinen Blüten strömt er uns schon von weitem entgegen. Alle Bienen in der Umgebung haben ihn schon entdeckt. Ein „Gesummse und Gebrummse“ tönt aus dem Strauch. Noch vor den Blättern zeigen sich die weißen, kleinen, nach süßherber zarter Bittermandel duftenden Blüten, die so dicht über die ganze Zweiglänge an kurzen Trieben stehen, dass der ganze Strauch weiß übersät ist. „Der durch diese Blütenpracht vom Geist berührte Strauch wirkt wie kleine weiße Wolken in der Landschaft“ schreibt alpmed in seinem Kräuterbüchlein.

Ganz unromantisch und dennoch heute immer noch zutreffend beschreibt Hildegard von Bingen den Schlehdorn in ihrer ‚Physica‘ so: „Und die Frucht des Schlehdorns, nämlich die Schlehen, süße mit Honig und iss sie oft auf diese Weise, dann wird die Gicht in dir weichen. Aber wer im Magen schwach ist, brate Schlehen […] oder koche sie in Wasser und esse sie oft, dies führt den Unrat und den Schleim vom Magen ab. Und wenn er ihre Kerne mitisst, wird es ihm nicht schaden.“

In den Deutschen Pflanzensagen aus dem Jahr 1864 schreibt Anton Franz Ritter von Perger  „Die Blüthe des Schehenstrauchs (Prunus spinosa) wird von den Landleuten als ein blutreinigendes Frühlingsmittel betrachtet. Die ersten drei Schlehenblüten, die man antrifft, helfen gegen das Fieber. Der Schlehenstrauch heißt wegen seiner dunklen Zweige auch Schwarzdorn und hegt eine so große Feindschaft gegen den Weißdorn (Crataegus), daß er in dessen Nähe verdorrt; wenn also Schlehenholz zu bösen Zauber benützt wurde, konnte dieser leicht durch Weißdornzweige gehoben werden.“

Die Schlehe als Heilpflanze – Historisches

Die Schlehe ist eine alte Heilpflanze, zwar war sie den griechischen oder arabischen Ärzten nicht bekannt. Vielleicht, da sie ein typisch mitteleuropäisches Gewächs ist und eher kühlere Lagen liebt. So spielte die Schlehe in den Mythen der Germanen und Kelten eine große Rolle. Ihre Blüten und Früchte waren jahrhundertelang Bestandteil der Volksmedizin. In den mittelalterlichen Kräuterbüchern bei Hildegard von Bingen oder auch Konrad von Megenberg wird sie als ein Mittel gegen Durchfall beschrieben. Die Blüten wurden auch bei Herz- und Magendrücken, der Saft der Beeren bei Zahnfleischentzündungen verwendet. In der Erfahrungsheilkunde waren die Blüten innerlich bei Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Beschwerden empfohlen.  In der modernen Kräutermedizin sind die Früchte der Schlehe bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund und Rachenraum wissenschaftlich anerkannt, auch wenn sie als Heilpflanze leider in Vergessenheit geraten ist. Heute noch verwendet werden vor allem die Früchte des Schlehdorns als Tee oder auch als Schlehensaft oder -gelee. Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Doch durch ihren hohen Gerbstoffgehalt und Gehalt an Amygdalin können Überdosierungen zu Reizungen der Magenschleimhaut führen.

Die Schlehe ein Rosengewächs – Botanisches

Die Gewöhnliche Schlehe (Prunus spinosa) gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae) und innerhalb dieser großen Pflanzenfamilie zu den Amygdaleae, den Steinobstgewächsen. Die Gattung Prunus umfasst über 200 Arten. Von der Kirschpflaume über die Zwetschge, Aprikose, Pfirsich bis hin zur Mandel, es gibt unter den botanisch verwandten der Schlehe viele wichtige Obstbäume und Zuchtformen. Wild ist noch die Schlehe, wegen ihrer Dornen und dunklen Rinde auch als Schlehdorn oder Schwarzdorn bezeichnet. Zusammen mit der ihr zum Verwechseln ähnelnden Kirschpflaume (Prunus cerasifera) gilt sie als Elternteil der Kulturpflaume (Prunus domestica). Diese sind jedoch nicht so stachelbewehrt wie der wilde Schlehdorn.

Der Schlehdorn (Prunus spinosa), auch Schlehendorn(Gemeine) SchleheSauerpflaumeHeckendornSchwarzdorn oder Deutsche Akazie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Prunus, die zur Tribus der Steinobstgewächse (Amygdaleae) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört (wikipedia).

Der Schlehdorn ist ein Frühlingsbote und blüht noch bevor sich seine Blätter zeigen je nach Region schon im März oder im April. Seine leicht nach Bittermandel duftenden, kleinen, fünfzähligen Blüten erinnern an die Blüten des Apfels, der Birne oder auch der Kirschblüten, die derselben Pflanzenfamilie angehören.  Erst nach dem Blühen entwickeln sich die eiförmig, ovalen und am Rand gesägten Blätter. Im Spätsommer wachsen die an kleine Pflaumen erinnernden schwarzbläulichen Früchte mit grünem und herb-saurem Fleisch. Sie sind roh kaum genießbar, da sie so gerbstoffreich sind, dass sich im Mund alles zusammenzieht.

Es heißt, dass die Schlehenfrüchte erst nach dem ersten Frost im Oktober/November geerntet werden, da sie durch die Kälteeinwirkung süßer werden. Doch dies stimmt nur bedingt. Das Durchfrieren zerstört die Zellwände, womit der Fruchtsaft leichter austreten kann. Schlehenfrüchte enthalten genauso viel Zucker wie ein Apfel, die Süße wird jedoch überlagert von den Gerbstoffen (Tanninen), die unsere Geschmackszellen blockieren. Bei frostfreier und kühler Lagerung werden die Tannine langsam abgebaut (ähnlich wie beim Wein). Dieser Prozess des Nachreifens lässt die Schlehenfrüchte von Tag zu Tag milder und süßer werden. Die bitteren Gerbstoffe sind jedoch auch für ihre Heilwirkung verantwortlich, dazu später mehr.

Die Schlehe – Ökologische Bedeutung

Die Schlehe liebt sonnige Hügel und trockene, lichte Laubwälder mit kalkhaltigem, tiefgründigem Boden. Man trifft sie häufig an Waldrändern, in Gebüschen und Hecken an. Der dunkle Strauch kann bis zu drei Meter hoch werden. Seine Zweige sind dornenbesetzt. Dabei handelt es sich um kleine Seitentriebe, die zu Dornen umgewandelt wurden. Im zeitigen Frühjahr kann die Schlehe leicht mit den Kirschpflaumen (Prunus cerasifera) oder wilden Zwetschgen verwechselt werden. Sie blühen noch vor der Schlehe (hier in Südbaden schon Anfang März). Diese Sträucher bzw. niedrige Bäume, die bis zu fünf bis acht Meter hoch werden können, sind wie die Schlehe ebenfalls über und über mit kleinen weißen Blüten übersät – sie haben jedoch keine Dornen. 

Die Heimat des Schlehdorns erstreckt sich über EuropaVorderasien bis zum Kaukasus und Nordafrika. In Nordamerika und Neuseeland gilt er als eingebürgert. Im hohen Norden und auf Island sind keine Bestände belegt. Er vermehrt sich durch Aussaat und durch Wurzelausschläge (wikipedia).

Die Schlehen sind in der Kulturlandschaft von wichtiger ökologischer Bedeutung, denn im dornigen dichten Schlehengebüsch können sich zahlreiche Tiere verstecken und zahlreiche Vögel finden hier ihre Nistmöglichkeiten. Die Dornen dienen dem Neuntöter zum Aufspießen von Insekten.

Blühender Schlehenbusch. Von Neptuul - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, wikimedia commons.
Blühender Schlehenbusch.
Von Neptuul – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, wikimedia commons

Die Schlehe – in der Erfahrungsheilkunde

In der Volksmedizin werden die Blüten bei Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Beschwerden empfohlen. Als wirksame Bestandteile gelten die in ihnen enthaltenen Flavonoide, die auch als Radikalfänger gelten. Dazu sind diese gefäßwirksam sind und sorgen für fiebersenkendes Schwitzen bei grippalen Infekten. Ein Tee aus den frischen Blüten im März bis April gilt als Frühjahrskur und willkommenes Blutreinigungsmittel. Er gilt als magenstärkend und entschlackend über Darm und Niere. „Schlehenblüten sind das schuldloseste (=harmloseste) Abführmittel, das es gibt“ – so schrieb schon der Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp.

„Die Blüten, Rinde und Früchte wirken adstringierend (zusammenziehend), harntreibend, schwach abführend, fiebersenkend, magenstärkend und entzündungshemmend. Ein Blütenaufguss wird besonders bei Kindern bei Durchfallerkrankungen, bei Blasen- und Nierenproblemen und Magenbeschwerden eingesetzt.[17] Schlehenelixier gilt als geeignetes Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten.[18] Als besonders wirksam galt Schlehdorn früher, wenn er etwa zwischen dem 15. August und 15. September (im Frauendreißiger) gesammelt wurde.[19]“ (Quelle: wikipedia – Schlehdorn).

Die Schlehe – Inhaltsstoffe & Wirkungen

Die Schlehe ist wie Eiche, Walnuss und viele Rosengewächse bekannt für ihren Gerbstoffgehalt. Die Gerbstoffe in der Schlehe haben adstringierende Eigenschaften, was bedeutet, dass sie dazu neigen, Körpergewebe zu straffen oder zu festigen. Wie schon erwähnt, werden in der traditionellen Medizin adstringierende Substanzen oft zur Behandlung von Durchfall, Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie zur Unterstützung der Wundheilung eingesetzt.

Insgesamt enthalten Schlehenfrüchte einen hohen Anteil an Polyphenolen, diese sind für ihre antioxidative Wirkung bekannt. Polyphenole werden auch als bioaktive Substanzen in Pflanzen bezeichnet, sie kommen in Form von Farbstoffen, als Flavonoide und Anthocyane vor und als Geschmacksstoffe und Gerbsäuren. Dazu enthalten Schlehenfrüchte Fruchtsäuren, Vitamin C und Pektin.

Die in den Schlehenfrüchte enthaltenen großen Gerbstoffmengen (Tannine) wirken adstringierend. Ähnlich wie bei der Ledergerbung sorgen sie dafür, dass sich die Haut zusammenzieht – in dem Fall empfindlichen Schleimhäute im Mund und Magen-Darm-Trakt – und dadurch unempfindlicher wird für das Eindringen schädlicher Stoffe. Durch die Koagulation von Eiweißstoffen können sie auch Bakterien und Viren in ihrer Aktivität bremsen.

Die Blüten enthalten ebenfalls Polyphenole, in Form von Flavonoiden und Flavonglykosiden (Quercitrin, Rutin, Hyperosid) dazu Proanthocyanide, Triterpene und Sterole sowie Spuren von Amygdalin (dem Stoff der Bittermandel).

Die Samen des Schlehdorns enthalten das Blausäure-Glykosid Amygdalin.

Die Schlehe – Verwendung in der Phytotherapie

Leider gibt es bisher keine anerkannte Verwendung in der Phytotherapie. Die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums arbeitende Kommission E, die wissenschaftlichen Erkenntnisse von über 380 pflanzliche Arzneidrogen (Der Begriff „Droge“ kommt hier von bezeichnet in der Apothekersprache getrocknete Pflanzenteile) zusammentrug, gab den Blüten der Schlehen eine Negativ- bzw. Nullmonografie, da es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über ihre Heilwirkung gibt. Jedoch sind auch keine Risiken zu erwarten. Wissenschaftlich anerkannt ist (bisher) nur die äußerliche Anwendung der Früchte bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum. Sie helfen bei leichten Entzündungen des Zahnfleisches und bei Zahnfleischbluten. Hierzu können getrocknete Schlehenfrüchte wie Kaugummi gekaut werden.


Quellen & Links zur Schlehe

BALDRIAN – Fit am Tag, stark für die Nacht

Valeriana officinalis L.
Familie: Geißblattgewächse
Arzneidroge: Valerianae radix (Baldrianwurzel)

Im Lorscher Arzneibuch, dem ältesten schriftlichen Zeugnis der Klostermedizin, das in der Zeit der Karolinger entstand, steht geschrieben: „Allzu viel Schlaf gleicht das Mittel mit Wachen aus, bei übermäßiger Schlaflosigkeit sorgt es für den entsprechenden Schlaf, es befreit von Erschöpfung, nimmt die Trägheit […]

Interessant ist, dass Baldrian tagsüber die Konzentration und Wachheit fördert, z.B. in Stresssituationen oder bei Prüfungsangst. Seine Indikationen sind Konzentrationsschwierigkeiten und Nervosität. Zur Nacht bringt er das Gedankenkarussell zum Stillstehen und wirkt schlafanstoßend. So unterschiedlich das klingt, gemeinsam ist diesen beiden Wirkungsweisen die Erdung und Zentrierung – die Energie des „bei-sich-Bleibens“, so beschreiben es Cornelia Stern und Helga Ell-Beiser in ihrem 680 Seiten dicken Wälzer über Phytotherapie. Wie bei vielen pflanzlichen Mitteln tritt seine Schlafförderung allmählich ein und kommt erst nach fünf bis 14 Tagen zum Tragen. Dann aber sanft und nachhaltig.

Abends eingenommen kann er bei Schlafproblemen unterstützen. Schon in mittelalterlichen Kräuterbüchern ist er als Kräftigungsmittel zu finden, z. B. gegen Erschöpfung durch geistiges Arbeiten: Die Wirkstoffe beeinflussen u. a. die Verstoffwechslung zahlreicher Botenstoffe des Gehirns – darunter auch Dopamin, das u. a. beim Lernen, Denken und Verstehen eine wichtige Rolle spielt.

Baldrian bei Prüfungsangst

Studien legen zudem nahe, dass Baldrian beruhigende und angstlösende Effekte hat. Wer beispielsweise Angst vor einer Prüfung hat oder in Stresssituationen nervös und unruhig ist, kann ein Baldrianpräparat nehmen (Immer in Absprache mit dem Arzt). Interessant ist, dass Baldrian tagsüber zwar beruhigt, aber man sich keine Sorgen machen muss, dass man einschläft, auch wenn der Beipackzettel zur Vorsicht mahnt. Baldrian kann tagsüber sogar aufmunternd wirken.

Was viele nicht wissen und Baldrian deshalb enttäuscht wieder weglegen, da es „nicht gewirkt hat“. Wie schon erwähnt verbessert er den Schlaf meist nicht nach der ersten Einnahme. Oft sind mindestens zwei Wochen nötig, bis sich die Effekte bemerkbar machen. Dafür hat er wie viele pflanzliche Mittel keine Nebenwirkungen – und vor allem: im Gegensatz zu vielen chemischen Schlafmitteln ist man tagsüber nicht müde!

Ein einzelner Wirkstoff, der schlaffördernd wirkt, wurde bei Baldrian nicht gefunden. Man geht davon aus, dass das Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe synergistisch wirkt.

Valeriana officinalis, Historische Bildtafel Lindman

Kulturgeschichte des Baldrians

Baldrian taucht auch zusammen mit Bibernelle als geweissagtes Heilmittel in vielen Pestsagen auf: „Esst Bibernellen und Baldrian so geht euch die Pest nicht an“.

Der botanische Gattungsname Valeriana stammt vom lateinischen Wort valens für kräftig. Sein deutscher Name ‚Baldrian‘ ist eventuell volksetymologisch angelehnt an den Namen des nordischen Lichtgottes Balder. Im Volksmund heißt der Gemeine Baldrian auch Katzenkraut, Katzenwurzel,  Stinkwurz, Dammarg, Dreifuß, Mondwurzel, Bullerjan, Tolljan Theriakswurz, Denmark, Dennenmark, Dammark und natürlich auch Hexenkraut, so wie viele zauberhafte Heilpflanzen.

Die Ärzte der europäischen Antike – DioskuridesPlinius und Galen – berichteten über vier Pflanzen mit dem Namen nardus („Indische Narde“ – „Syrische Narde“ – „Keltische Narde“ – „Berg-Narde“) und über eine ähnlich wie diese „Narden“ wirkende Pflanze mit dem Namen „phu“. Wegen ihres Wohlgeruchs waren sie insbesondere als Zutaten zu Salben und als Teil der Theriak-Zubereitungen in Gebrauch. Auch wurde ihnen zugeschrieben, dass sie erwärmend und urintreibend wirken, die Monatsblutung befördern und Seitenstechen beseitigen. Über die Medizin im arabischen und lateinischen Mittelalter erreichte diese Tradition die Ärzte des europäischen Nordens. Pflanzen mit den Namen „Narde“ und „phu“ wurden von den Vätern der Botanik als Echter Baldrian („phu“) oder als zur Gattung Valeriana gehörig („Narde“) gedeutet. Das „phu“ deuteten sie als den gemeinen Baldrian, wobei Hieronymus Bock (1539) zwischen einem großen Baldrian (Valeriana phu L.) und einem gemeinen, kleinen Baldrian (Valeriana officinalis L.) unterschied. Bock erwähnte auch noch Valeriana dioica L. als kleinste Baldrian-Art. Quelle: wikipedia.

Botanisches

Echter Baldrian, auch Arzneibaldrian oder Großer Baldrian (Valeriana officinalis), oft auch nur Baldrian genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Baldriane (Valeriana) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Nahe Verwandte vom Echten Baldrian sind der Echte Speik und der Weidenblättrige Baldrian.

Er wächst bei uns nahezu überall, häufig an Gewässern oder auf feuchten Böden, und es gibt unzählige Arten dieses Helfers. Der Echte Baldrian kommt in weiten Teilen Europas (außer Portugal) und Westasien vor. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich weiter ostwärts bis Sibirien und Russlands Fernem Osten, Korea, China, Taiwan und Japan.

Baldrian ist frostbeständig und gedeiht in Sonne oder Halbschatten in fast jedem Boden. Als Feuchtbodenpflanze verträgt er auch gelegentliche Überschwemmungen und kommt daher in der freien Natur häufig auf Wiesen entlang von Gewässerläufen vor.

Baldrian und Feldsalat – eng verwandt und doch ganz anders Interessant ist, dass der Baldrian, diese allseits als Schlafmittel bekannte, Katzen ins Delirium sendende Heilpflanze mit dem Feldsalat verwandt ist. Sie gehört wie dieser zur Familie der Valerianaceaen, der Baldriangewächse. Ich musste gleich mal nachschauen, ob der Feldsalat vielleicht auch beruhigende Eigenschaften hat? Schließlich ist es nicht so ungewöhnlich, dass unsere Nahrungspflanzen auch Heilpflanzen sein können - man denke nur an Tomaten, Chili, Karotten, Kraut und Kohl, sowie viele Kräuter und Gewürze. Im Feldsalat sind zwar viele bioaktive Stoffe enthalten, wie Vitamin C, Carotinoide, Phenole, Folsäure, Sterine und Omega-3-Fettsäuren. Doch von den berühmten Inhaltsstoffen, u.a. den Valepotriaten oder Lignanen des Baldrians sind bei ihm keine erwähnt. Im Baldrian befinden sich diese ja vornehmlich in der Wurzel. Doch das frische Grün des Baldrians, die gefiederten und gezähnten Blättchen, erinnern an Feldsalat und können so wie sein Verwandter der Feldsalat (Valerianella spec. – Kleiner Baldrian) in Salaten mitgegessen werden. In den Blättchen befinden sich jedoch kaum „beruhigende“ Inhaltsstoffe, die sind hauptsächlich in der Baldrianwurzel zu finden. Die Blüten sollen ebenfalls genießbar sein, habe ich jedoch noch nicht probiert. Manche mögen den süßlichen anemonenartigen Duft, ich finde ihn seltsam.

Die Wurzel des Baldrian

Unterirdisch verfügt der Baldrian über ein weit verzweigtes Rhizom, über das er sich vegetativ über Ausläufer vermehren kann. Wenn man die Wurzel trocknet, strömt der typische Baldriangeruch aus. Ein balsamisch, feucht-erdiger Geruch, den vor allem Katzen anziehend finden. Manche Menschen empfinden ihn als ranzigen Geruch wie alter Käse. Andere dagegen empfinden ihn nicht als abstoßend. Er ist so durchdringend, dass die Legende überliefert, der Rattenfänger von Hameln habe Baldrian bei sich getragen, um die Ratten anzulocken. Und doch wird Baldrian auch in der Parfümindustrie eingesetzt – es können damit moschusähnlich-holzige, balsamische Gerüche erzielt werden.

In der Phytotherapie

VALERIANAE RADIX (Ph. Eur.)

Als pharmazeutische Droge dienen die getrockneten unterirdischen Pflanzenteile. Die Baldrianwurzel (Valerianae radix oder Radix Valerianae) ist eines der bekanntesten pflanzlichen Beruhigungsmittel. Nachgesagt wird ihr unter anderem eine Wirksamkeit bei Unruhe- und Angstzuständen, Schlafstörungen, nervös bedingten Herzbeschwerden und krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Am häufigsten kommt der Arznei-Baldrian als Trockenextrakt zum Einsatz. 

INHALTS- und WIRKSTOFFE

Baldrian enthält unter anderem ätherisches Öl (neben Valerensäure unter anderem auch die Isovaleriansäure, die für den charakteristischen Geruch des Wurzelstocks verantwortlich ist), Valepotriate und Alkaloide. Das Flavonoid Linarin hat sedierende Wirkung und ist mit für die Hauptwirkung auf den Menschen verantwortlich. Das Alkaloid Actinidin ist der Grund, weshalb Baldrian ein Lockstoff für Katzen ist, ähnlich wie Katzenminze. 

Die Wirkstoffe sind je nach Herkunft unterschiedlich zusammengesetzte ätherische Öle mit Bornylacetat und Bornylisovalerianat als Hauptkomponenten. Diese sind auch verantwortlich für den typischen Baldriangeruch, der beim Trocknen der Droge auftritt. Weil dieser Geruch dem Lockduft läufiger Katzen ähnelt, werden Kater davon angelockt. 

Weitere Inhaltsstoffe sind Valeranon, Caryophyllen, Camphen und weitere Mono- und Sesquiterpene, Sesquiterpencarbonsäuren wie die Valerensäuren, Valepotriate (Iridoide) mit Valtrat und Isovaltrat. Wegen der Instabilität dieser Verbindungen sind in Extrakten und Tinkturen z. T. nur deren Abbauprodukte, die sogenannten Baldrinale, nachweisbar. Auch Aminosäuren und in geringer Menge Lignane und Pyridinalkaloide wurden als Inhaltsstoffe gefunden. (wikipedia)

Bestandteile des Arzneimittels

Als Arznei wirksam sind die Baldrian-Wurzeln. Sie bestehen unter anderem aus ätherischem Öl, das sich aus Monoterpenen wie Borneol und Kampfer, sowie Sesquiterpenen wie ß-Bisabolen zusammensetzt. Daneben sind Iridoide enthalten, die sogenannten Valepotriate, vor allem der Inhaltsstoff Valtrat und dessen Abbauprodukt Baldrinal. Isovaleriansäure ist für den charakteristischen Geruch verantwortlich. In geringen Mengen finden sich auch Lignane in den Wurzeln. (Quelle: Apotheken.Umschau)

Wirkungen der Inhaltsstoffe

Das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe ist für die bekannten Effekte des Baldrians verantwortlich. Laborexperimente zeigen, dass die wirksamen Substanzen mit speziellen Botenstoffen und schlaffördernden Substanzen im Gehirn interagieren. Baldrian scheint sich auf diese Weise positiv auf den Schlaf auszuwirken. Auszüge aus der Pflanze erleichtern das Einschlafen und verbessern wohl auch das Durchschlafvermögen. Besonders bei leichten Schlafstörungen gehört Baldrian zu den beliebtesten pflanzlichen Mitteln. Häufig wird er mit ähnlich wirkenden Heilkräutern kombiniert, etwa Melisse, Passionsblume oder Hopfen. (Apotheken Umschau)

Aus der Forschung: Vergleichbar wie Adenosin fördern die Lignane den Schlaf, sie wirken wie ein pflanzliches Adenosin.

Die geschilderten Heilwirkungen konnten bisher keiner Einzelsubstanz zugeordnet werden, so dass für die Heilwirkung das Zusammenspiel mehrerer Wirkstoffgruppen angenommen werden muss. Sie wirken synergistisch. Hinweise deuten darauf hin, dass die Lignane für die schlaffördernde Wirkung des Baldrians mitverantwortlich sind. Diese auch als Schlaflignane bezeichneten biochemischen Olivilverbindungen setzen an den gleichen Rezeptoren im Gehirn (Adenosin-A1-Rezeptoren) an wie das körpereigene Adenosin.

In vielen Fertigarzneimitteln wird die Baldrianwurzel auch mit anderen getrockneten Pflanzeneilen (in der Fachsprache „Drogen“ genannt) kombiniert, für die eine beruhigende Wirkung vermutet wird z. B. mit HopfenMelissePassionsblume (offizinell ist Passiflora incarnata), Frauenmantel und Wacholderbeere. Bei der Kombination von Baldrian mit Hopfen ergänzen sich die schlaffördernden Wirkungen ähnlich der körpereigenen Schlafregulatoren Adenosin und Melatonin, denn Hopfen zeigt eine ähnliche Wirkung wie das körpereigene schlafinduzierende Melatonin.

LITERATURVERZEICHNIS & QUELLEN

(auf den Link klicken, dann kommst du zu meinem Literaturverzeichnis)

(c) Ute Mangold / wiesengenuss 2023. Alle Bilder und Texte sind urheberrechtlich geschützt.

QUENDEL – WILDER THYMIAN – er trägt die Sommerwärme in die Atmungsorgane

THYMUS SERPYLLUM

Der Quendel (Thymus serpyllum) ist der kleine heimische Verwandte des Echten Thymians (Thymus vulgaris) aus dem Mittelmeerraum. Er wird auch Sand- oder Feld-Thymian oder einfach nur Wilder Thymian genannt. Weitere Namen sind Feldkümmel und Rainkümmel obwohl er wie der Echte Kümmel nicht zu den Doldenblütlern gehört. Der Wilde Thymian gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae, früher Labiatae) und ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Thymiane . Es sind zwei Unterarten bekannt.

Zeichnung: Quendel – Köhler, F.E., Medizinal Pflanzen, Vol. 1, (1887)

Der wilde Thymian (Thymus serphyllum)

 Als Hustensaft trägt er „die Sommerwärme in die Atmungsorgane“. Niedrig und ausdauernd wachsend, bildet er in Bodennähe flache Teppiche mit ausladenden Stängeln. Zerreibt man seine Blättchen zwischen den Fingern, verströmen die entweichenden ätherischen Öle einen würzigen Geruch. Heimisch nicht ganz so aromatisch wie sein mediterraner Verwandter der Echte Thymian (Thymus vulgaris), doch je sonniger und wärmer seine Standorte sind, desto stärker ist auch sein Duft. Als Heil- und Gewürzpflanze wurde er schon im 15. Jahrhundert in Klostergärten angebaut.

Zum Räuchern eignet sich Thymian und seine Wildform der Quendel als wohlduftendes Kraut. Schon im Altertum wurde er gezielt zur Desinfektion der Raumluft verräuchert. Was aufgrund seines Gehaltes an ätherischen Ölen auch Sinn macht.  Im Volksglauben wurde er zur Abwehr „böser Geister“ verwendet. Weshalb er ein Räucherkraut zum Ahnenfest „Samhain“ (auch Halloween genannt) ist. Ihm werden schützende Aspekte zugeschrieben. 

Niedrig und ausdauernd wachsend, bildet er in Bodennähe flache Teppiche mit ausladenden Stängeln. Zerreibt man seine Blättchen zwischen den Fingern, verströmen die entweichenden ätherischen Öle einen würzigen Geruch. Hier ist er nicht ganz so aromatisch wie sein mediterraner Verwandter der Echte Thymian (Thymus vulgaris), doch je sonniger und wärmer seine Standorte sind, desto stärker ist auch sein Duft. Als Heil- und Gewürzpflanze wurde er schon im 15. Jahrhundert in Klostergärten angebaut.

Quendel, wilder Thymian, Schweizer Bergwiese. Foto (c) Ute Mangold

Verwendung des Quendels

Blättchen und Blüten des Thymians/Quendels können gleichermaßen verwendet werden. Sie können während der ganzen Lebensdauer der Pflanze geerntet werden. Am besten zieht man dazu den holzigen Stängel entgegen der Wuchsrichtung durch die Finger.

Die oberirdischen Teile werden getrocknet als Pflanzenheilmittel verwendet (Quendelkraut, Serpylli herba) und aus dem blühenden Kraut wird auch ein ätherisches Quendelöl (Oleum Serpylli) gewonnen. Wissenschaftlich anerkannt ist die Anwendung von Quendel bei Katharren der oberen Atemwege.

Wirkstoffe und Pharmakologie

Der Quendel enthält ätherische Öle und die Wirkstoffe TerpeneCarvacrol und Thymol. An sonnigen Standorten wird besonders viel davon ausgebildet. Weiterhin enthält er Gerbstoffe, Bitterstoffe und Flavonoide.

Seine Inhaltsstoffe wirken verdauungsfördernd, krampflösend und antiseptisch. Als Hustensaft wirkt der Thymian befreiend auf die Atemwege; Kräutertees regen den Organismus an. In der Erfahrungsheilkunde wird er innerlich bei Harnwegs- und Darmentzündungen sowie zur Anregung der Verdauung eingesetzt. Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

„So sind die Thymiane hilfreich wenn die Wärmeorganisation – und damit das Ich – Magen und Lunge nicht genügend durchdringt und Anfälligkeit gegenüber Erkältung vorhanden ist oder ein Organgebiet zu stark durchwässert, zu wenig durchwärmt ist. Bei Erkältungen im Nasen-, Hals- und Lungenbereich, bei Sinusitis, Pharyngitis, Mangelentzündungen, Bronchitis, Lungenentzündungen und Zahnfleischentzündung wirkt er wärmend und entzündungshemmend. Bei Asthma, falls eine infektiöse Komponenten mitspielt. Auch bei Blähungen, Mundgeruch, Leberschwäche, Rheuma, Gicht, Nieren- und Blasenentzündung ist Thymian hilfreich. Er ist menstruationsfördernd und hilft auch bei Blasenschwäche. Durch seine ätherischen Öle wirkt er austrocknend und antibakteriell.“ Auszug aus Alpmed Ratgeber „Frischpflanzenkraft und Gold“

Zum Räuchern

eignet sich Thymian und seine Wildform der Quendel als wohlduftendes Kraut. Schon im Altertum wurde er gezielt zur Desinfektion der Raumluft verräuchert. Was aufgrund seines Gehaltes an ätherischen Ölen auch Sinn macht. 
Im Volksglauben wurde er zur Abwehr „böser Geister“ verwendet. Weshalb er sich als Räucherkraut zum Ahnenfest „Samhain“ eignet. Ihm werden auch hier schützende Aspekte zugeschrieben. 

In der Küche: Der Quendel kann frisch oder getrocknet mitgekocht werden. Er eignet sich als Gewürz für Fisch, Fleisch, Wurst, Pasteten, Gemüse, Kartoffeln, Käse, Soßen und Pizza.

Rezept - Hustensaft mit Quendel 

40 g getrocknetes Kraut
100 ml 70% Ethanol
250 ml Wasser in ein Gefäß geben und gut durchrühren.

Nach 2-3 Tagen durch ein feines Sieb abgießen und die restliche Flüssigkeit im Kräuterkuchen mit einem Löffel abpressen. Ergibt etwa 200 ml Extrakt. Diesen mit 250 g Zucker und 50 g Honig aufkochen und heiß in sterilisierte Flaschen oder andere Gefäße füllen. Ergibt etwa 300 ml Hustensirup, der übrigens auch gut für die Verdauung ist.
Fundort des wilden Thymians bei Gstaad, Schweiz. Foto (c) Ute Mangold

Botanisches

Der Quendel oder wilde Thymian liebt trockene, sonnige Standorte. Besonders gerne kommt er auf trocken-warmen Böschungen, an Wegrändern und auf felsigem Untergrund vor. Er ist kalkmeidend und bevorzugt sandige Böden, daher auch Sand-Thymian genannt, da er gerne auf Sandtrockenrasen, in trockenen Kiefernwäldern und auf sogenannten Silikatfelsfluren. In Mitteleuropa besiedelt er sogar auch Dünen.
Die Thymiane sind eine Familie mit kleinen mehrjährigen Halbsträuchern, deren Stängel im Laufe der Jahre verholzen. Sie wachsen aufrecht bis niederliegend und sind gelegentlich rasenbildend. An ihnen wachsen kleine ovale, dunkelgrüne Blätter, die stark duften. Die Blüten sind klein, hellrosa bis weiß, manchmal auch bläulich. Sie wachsen in Kugeln oder Ähren an den Spitzen der Stängel. Der größere der beiden bekanntesten Thymianarten wird botanisch auch als der Echte Thymian (Thymus vulgaris) bezeichnet. Den kleineren Thymian, auch Quendel oder Sand-, bzw. Wilder Thymian (Thymus serpyllum) genannt, finden wir oft wild in hohen Höhen auf Felsen in den Alpen wachsend.

Teilweise wird der Sand-Thymian auch als Zierpflanze in Steingärten, Einfassungen und Naturgärten, in Sandgebieten auch in Heidegärten genutzt. Sand-Thymian ist eine verhältnismäßig gute Bienenweide. Auf einer mit ihm bestandenen Fläche von 1 Hektar kann sich pro Blühsaison ein Honigertrag von bis zu 149 kg ergeben.

„Der Lebensbereich des Quendels ist in der vollen Sonnenglut auf fast versengter verbrannter Erde.
Dort, wo die Alpweiden durch Steine und Felsen durchbrochen werden, wo Weide zur Felswüste wird, wo sich die Hitze an den Gesteinen reflektiert, dort entwickelt er sein zähes Leben. Er vermag jedoch auch extreme Kältesituationen der Berge zu ertragen. Vom Boden beansprucht er wenig, Wasser benötigt er kaum. Umso mehr das Kosmische: Licht und Wärme. So trägt er die Wärmekräfte in die Atmungsorgane hinein. Trockene, feurige Hitze wird dem Körper durch diesen der Wärme zugewandten Lippenblütler vermittelt. Der wilde Thymian befeuert die Atmung. Er ist pflanzliches Glutprinzip.“
Auszug aus: Alpmed Ratgeber „Frischpflanzenkraft und Gold“

Quellen & Links: