#GESCHICHTE der HEILPFLANZEN (2) – Die ANTIKE – Griechen und Römer

In der Antike löste sich die Heilkunde und das Wissen über Heilpflanzen immer mehr von der Magie und Geisterwelt der alten Hochkulturen. Griechische und römische Gelehrte wie Hippokrates, Aristoteles, Dioskurides und Galenus legten mit ihren medizinischen Schriften, in denen sie auch Heilpflanzen erwähnten, den Grundstein für die abendländische Medizin.

Griechische Quellen

Hippokrates von Kos und die Säftelehre

Einer der bekanntesten Begründer der abendländischen wissenschaftlichen Medizin und ihrer Ethik war der griechische Arzt Hippokrates von Kos (um 460 bis 370 v. Chr.). Auf ihn geht auch der Hippokratische Eid zurück, den alle Ärzte leisten. Ein ursprünglich in griechischer Sprache verfasstes Arztgelöbnis, das als erste grundlegende Formulierung einer ärztlichen Ethik gilt. In den medizinischen Schriften, die auf ihn zurück gehen, der Corpus hippocraticum finden sich neben Anleitungen für die Verwendung pflanzlicher Arzneimittel auch die Grundlagen der Humoralpathologie, die Viersäftelehre. Er stellte ärztliches Handeln über die Wirkungskraft priesterlicher Worte und ordnete sie einem hohen ethischen Verantwortungsbewusstsein unter. Er gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft, insbesondere als auf umfangreichen Beobachtungen und Beschreibung von Krankheitssymptomen fußende Erfahrungswissenschaft. Von den ihm zugeschriebenen Schriften sind vor allem die Aphorismen verbreitet.

Hippokrates erkannte schon

“ Krankheiten befallen uns nicht aus heiterem Himmel, sondern entwickeln sich aus den täglichen kleinen Sünden wieder die Natur. Wenn diese sich gehäuft haben, brechen sie scheinbar auf einmal hervor.“

Ein Schüler Aristoteles – Theophrastus von Eresos

Nicht zu verwechseln mit Theophrastus Bombastus von Hohenheim, auch Paracelsus genannt. Der wirkte erst viele Jahrhunderte später. Theophrastus von Eresos auch Theophrast genannt, war ein Mitglied von Platons Akademie und folgte dann Aristoteles. Neben über 200 Schriften mit dialektischen, metaphysischen, moralischen und physikalischen Inhalts verfasste er um etwa 300 v. Chr. herum ein Werk über Pflanzen, die „De historia plantarum“ (Naturgeschichte der Pflanzen) und die „De causis plantarum“ (Vom Ursprung der Pflanzen). Über 500 Pflanzen stellte er zusammen mit ihren botanischen Charakteristiken, doch ohne therapeutische Inhalte. Für die Behandlung kranker Menschen galt damals: Zuerst das Wort (verbis), dann die Pflanze (herbis) und zuletzt das Skalpell (lapis). „Wenn jemand Gesundheit sucht, frage erst, ob er bereit sei, künftig die Ursachen der Krankheit zu meiden, erst dann darfst du ihm helfen„.

Plinius (links) überreicht Kaiser Titus ein Schriftband mit der Widmung seines Werks. Buchmalerei in einer Handschrift der Naturalis historia. Florenz, Biblioteca Medicea Laurenziana, Plut. 82.1, fol. 2v (Anfang des 13. Jahrhunderts)

Römische Quellen

Plinius der Ältere

In seinen Werk Naturalis Historia schreibt Gaius Plinius der Ältere (ca. 23-79 n.Chr.) über die Freigiebigkeit der Natur und erwähnt circa 1000 Pflanzen, davon unzählige mit ihren therapeutische Eigenschaften. In sein Werk flossen die Schriften von mehreren hundert antiken Autoren ein, darunter auch zahlreiche Berichte über den Gebrauch von Heilpflanzen. Er starb während des historischen großen Vesuvausbruch (Stichwort Pompeij) im Alter von 55 Jahren. Plinius der Ältere sollte nicht mit seinem Neffen Plinius dem Jüngeren verwechselt werden. Dieser überlieferte biografische Informationen über seinen Onkel und auch Angaben über dessen schriftstellerische Tätigkeit. In einem Brief an Baebius Macer zählt er dessen Schriften in chronologischer Reihenfolge auf. Darunter auch die Naturae historiarum libri triginta septem (Naturgeschichte, 37 Bücher), die auf ca. 77 n. Chr. datiert wurde.

Der römische Arzt Dioskurides

Zur gleichen Zeit verfasste der römische Arzt Dioskurides, der in der Epoche Neros lebte, um 60 nach Christus erstmals die Grundzüge der pflanzlichen Arzneimittellehre in seinem Werk “De Materia medica” zusammen. Etwa 1000 Heilmittel sind darin beschrieben, davon etwa 800 Heilkräuter. Dazu noch Arzneimittel tierischen Ursprungs, sowie Schwämme, Pilze, Mineralien und Weinsorten (!) Das Werk behielt seine Bedeutung bis ins 17. Jahrhundert, auch weil es für jede Pflanze eine Abbildung gab und neben den Anwendungen die Synonyme der Pflanzennamen in Griechisch, Latein und Ägyptisch beigefügt waren.

Galen und die Vier-Säfte-Lehre

Von großer Bedeutung war auch der Leibarzt des römischen Kaisers Marc Aurel, Claudius Galenus von Pergamon – auch Galen genannt. Er prägte mehr als alle anderen die Geschichte der Medizin der nächsten 1400 Jahre. Er war von griechischer Herkunft und lebte von 129 bis 199 n. Chr. Er verfasste hunderte medizinische Abhandlungen. Sein medizinisches Hauptwerk ist der ab etwa 175 entstandene Methodus medendi („Die therapeutische Methode“), es besteht aus 14 Büchern. Der Leitgedanke darin ist, dass alle Erscheinungen in der Natur und beim Menschen einen bestimmten Zweck erfüllen. Galen begriff den Menschen als eine Leib-Seele-Einheit, die von zwei Seiten beeinflusst wird, vom Spirituellen und von der Materie. Er nahm die in der Philosophie bzw. Naturphilosophie entwickelte Vier-Elemente-Lehre auf, wonach (das warme und trockene) Feuer, (die kalte und trockene) Erde, (die warme und feuchte) Luft und (das kalte und feuchte) Wasser in unterschiedlicher Zusammensetzung die Grundelemente allen Seins darstellen. Ebenso knüpfte er an die in der hippokratischen Medizin bereits in Ansätzen entwickelte Säftelehre an, welche den aus den vier Elementen entwickelten vier Körperssäften Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle jeweils die vier Qualitäten (Primärqualitäten) warm und feucht, kalt und feucht, warm und trocken und kalt und trocken zuordnete. Galen beschrieb damit die “Humoralpathologie” (lat. humor = Saft und pathologia = Lehre der Krankheiten). Das Verhältnis der Vier Säfte zueinander war von zentraler Bedeutung, eine Störung des Gleichgewichts führte zu Unwohlsein und Krankheit. Aufgabe des Arztes war das Gleichgewichst wieder herzustellen. Ein ähnliches Prinzip gibt es auch in der chinesischen Medizin von Yin und Yang, wie auch in der uralten indischen Heilslehre des Ayurveda.

Kräuter im Marschgepäck der Römer

Die Römer profitierten vom Kräuterwissen der Ägypter und Griechen sowie der unterworfenen Völker und schätzen die Heilpflanzen und Würzkräuter so sehr, dass sie sie im Marschgepäck mitführten und so zu ihrer Verbreitung in ganz Europa beitrugen. In Großbritannien schätzt man die Anzahl der von den Römern eingeführten Kräuter auf etwa zweihundert.

Auf ihren Eroberungszügen nördlich der Alpen brachten sie ihre Kräuter, Gemüse, Wein, Feldfrüchte – und vor allem ihr Wissen über den Anbau dieser mit und führten es in Süddeutschland und in den sogenannten germanischen Gebieten bis zum Limes hin ein. Die Alamannen übernahmen die Kunst des Gartenbaus von den Römern und führten sie nachweislich weiter, wie archäobotanische Funde zeigten – bis Karl der Große schließlich in seiner Landverordung ‚Capitulare de Villis‘ den Landbau und die Gartenkultur nicht nur schriftlich festhielt, sondern auch dafür sorgte, dass sich eine umfangreiche Klosterkultur mit Heilkräuter-, Obst und Nutzpflanzengärten entwickelte.

Kloster Reichenau. Bild: (c) Ute Mangold / wiesengenuss

Die Heilpflanzen und Gärten der Römer nördlich der Alpen

Kräuter, Gewürze und Heilkräuter der Römer

Als reine Wildpflanzen kamen bei den Römern Brennnessel, Löwenzahn, Gänsedistel und Ringelkraut auf den Tisch. (Die Quelle ‚Roemershop‘ gibt leider nicht an, ob es sich um Ringelblume, Wegwarte oder Bingelkraut (Mercurialis perennis) handelt. Da letzterer giftig ist, schließe ich ihn aus). Wie die unzähligen Kräuter aus der Dinglinger Ausgrabung (siehe nächstes Kapitel), waren die Römer auch bekannt für den Anbau von Kräutern wie Petersilie, Minze, Thymian, Dill und viele Heilkräuter.

Ein antiker Garten in Südbaden mit römischen Gemüsen und Heilkräutern

Am Beispiel einer Fundstätte im südbadischen Lahr-Dinglingen, einem gallo-römischen Vicus entlang einer Heer- und Handelsstraße des Imperium Romanum, konnte aufgezeigt werden, welche Kräuter, Pflanzen und Gemüsearten jenseits der Alpen angebaut wurden. Sie lassen Rückschlüsse auf das Leben der Römer im 1. Bis 3. Jahrhundert nach Christus zu. Ein vicus (Plural: vici) war eine Siedlung mit kleinstädtischem Charakter in den nördlichen Provinzen des Römischen Reichs.

Es wurden Hinweise auf Sellerie als weit verbreitete Gemüseart gefunden, weniger häufig die Runkelrübe und Gemüsekohl. Und hier zeigt sich, schon die Römer liebten Hülsenfrüchte wie Erbse, Ackerbohne, Salat-Platterbse und die uralte Linse, denn die wichtigen Eiweißquellen, wenn es zu wenig Fleisch gab, waren häufiger zu finden. Feldkohl, Leindotter, Lein, Hanf und Schlafmohn zählten zu den Öl- und Faserlieferanten. Als Blattgemüse kamen Mangold, Schildampfer und eventuell auch Giersch auf den Tisch. Obstarten waren Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche, Pfirsich und auch Maulbeere, Mandel, Walnuss, Esskastanie, Feige und natürlich die Weintraube. Auch viele heute noch heimische Sträucher wie Haselnuss, Schlehe, Hagebutte, Holunder, Brombeere, Himbeere und Heidelbeere konnten nachgewiesen werden.

Die Lahrer Liste

In der sogenannten „Lahrer Liste“ finden sich auch unzählige Gewürz- und Heilpflanzen wie Fenchel, Koriander, Kümmel, Wachholder, Hopfen und die heute eher unbekannte Gartenraute, auch Weinraute (Ruta graveolens) genannt. Und sogar Pfeffer wurde gefunden! Die Liste mit etwa 370 Pflanzen wurde von Apothekern untersucht, die einige heute noch in der Pharmazie bedeutende Heilpflanzen fanden. Darunter Schafgarbe, Hirtentäschel, Thymian, Brennnessel, Schöllkraut, Wilde Malve, Spitzwegerich und die herzwirksame Waldpflanze Roter Fingerhut (Digitalis). Und viele viele mehr fanden die Archäologen oder besser Archäobotaniker im Lahrer vicus. Insgesamt wurden in 59 Proben und über 8.975 Pflanzenreste isoliert und bestimmt.  

Außer diesen hier gefundenen Pflanzen kultivierten die Römer noch eine breite Palette von weiteren Gemüsesorten, darunter Allium die Laucharten, Wurzelgemüse wie Rettich, Karotten, Pastinaken und köstliche Blüten wie die Artischocken und dazu noch Gurken und den uralten Flaschenkürbis, der so tolle Gefäße lieferte.

Wiener Dioskurides Prason. Bild: Autor/-in unbekannt.Unknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

FRANZOSENKRAUT – unscheinbar am Wegesrand

Franzosenkarut (Galinsoga parviflora). Kleines Knopfkraut. Bild von Ute Mangold

Galinsoga parviflora CAV.
Familie der ASTERACEAE (Korblütler)

Unscheinbar und unerforscht. Kleine Schönheit am Wegesrand – das Knopfkraut. Es wird auch kleinblütiges Franzosenkraut genannt, da man dachte, Napoleons Truppen hätten es eingeschleppt. Und vielleicht auch, weil die kleine Blüte an die Knöpfe der Uniformen der französischen Truppen erinnert?

Ein typisches Unkraut, ein kleiner Neophyt. Heute ist es überall verbreitet, wo andere Pflanzen nicht wachsen mögen, oder wo es einfach Platz findet. Es ist klein, gesund und stört nicht. Es wächst im Garten, an sogenannten „Ruderalstellen“ – hier im Schwarzwald in der Nähe eines Kompost. Oder neulich zwischen den Häuserzeilen in Wuppertal-Vohwinkel. Interessant, das musste ich dann doch mal genauer untersuchen, wie es da hin kam. Und vor allem, so weit nördlich. Denn nicht aus Frankreich kommt das kleine Kraut, sondern ursprünglich aus einem hochgelegenen Dort in Kolumbien, will man Wikipedia glauben. Andere Quellen sprechen von Peru oder von Mexiko als Ursprungsland. So richtig erforscht ist das nicht. Und in meinen Heilkräuterbüchern finde ich es leider ebenfalls nicht. Keine Forschergruppe hat sich bisher diesem unscheinbaren Kräutlein gewidmet, doch wie viele Heilkräuter enthält es eine dichte Konzentration an Eisen, Vitaminen und Mineralstoffen, wie sie in einem Kopfsalat – mit dem es übrigens verwandt ist – nicht (mehr) zu finden sind. Und genau dafür ist es da: einen frischen Salatteller zu würzen und mit gesunden Inhaltsstoffen anreichern. Auch ein Wildspinat oder ein Smoothie kann damit zubereitet werden. Mehr dazu in meinem Blog zu KRÄUTER & GEMÜSE.

SCHAFGARBE – eine alte Würz- und Heilpflanze

Historische Zeichnung Schafgarbe

Achillea millefolium L.
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Arzneidroge: Millefolii herba

Die Bezeichnung Schafgarbe geht auf die Beobachtung von Hirten zurück, die sahen, dass ihre Schafe die Schafgarbe bei Magenentzündungen bevorzugt fraßen, ein bitteres Pflänzchen, das sie sonst mieden. Die Schafgarbe ist eine große alte Heilpflanze, die schon in der Steinzeit den Menschen bekannt war und auch von den berühmten Ärzten der Antike beschrieben und empfohlen wurde. Sie wirkt unter anderem leicht krampflösend und antientzündlich. Auch als appetitanregendes Mittel, bei Frauenleiden und allgemein bei Verdauungsbeschwerden wird sie eingesetzt. Ihre Wirkungen werden mit denen der Kamille verglichen.

Zu Maria Himmelfahrt binden Gläubige die Schafgarbe in das Kräuterbüschel, dass in der Kirche geweiht wird. Anschließend hängt das Sträußchen an Haustüren, damit es Glück und Gesundheit bringt. Daneben dient Schafgarbe seit der Antike als Mittel zur Wundheilung und bei MagenDarm-Problemen.

Kulturgeschichte

Natur- und Kulturvölker sammelten seit der Steinzeit die in der Umgebung wachsenden Arten. Auf allen Kontinenten ist dies nachgewiesen. Vermutlich war zunächst die Ernährung das Ziel, doch entdeckten die Menschen auch die Würz- und Heilkraft der Pflanzen und fingen an, sie rund um ihre Wohnhöhlen, später Dörfer und Siedlungen anzubauen. Dies zeigten Pollenfunde aus steinzeitlichen Höhlen und auch an den berühmten jungsteinzeitlichen Pfahlbauten am Bodensee. Nachgewiesen sind Anpflanzungen von Kräutern wie KamilleBaldrianHolunderWegerichSchafgarbe, Lein, Hanf und Mohn. Auch Kümmel und der Urahn unserer heutigen Petersilie wurden nachgewiesen. Alles Pflanzen, die heute noch fast jeder kennt.

Noch älter sind die mindestens 60.000 Jahre alten Funde von Heilpflanzen Überresten an Gräbern im Zweistromland Mesopotamien und in Ägypten. Darunter die Samen von Schafgarbe und Eibisch. Auf die Idee, bestimmte Kräuter und Heilpflanzen für die eigene Gesundheit einzusetzen, kamen Menschen vermutlich auch durch die Beobachtung von Tieren, die bei Beschwerden instinktiv spezielle Pflanzen fraßen. Bestes Beispiel sind Schafe und die Schafgarbe.

Bereits bei dem griechisch-römischen Arzt Dioskurides, der im 1. Jahrhundert lebte, tauchte die Schafgarbe als „Tausendblättriges Soldatenkraut“ auf. Wohl, weil sie wegen ihrer blutstillenden Wirkung zur Wundheilung eingesetzt wurde. Hildegard von Bingen führt die Pflanze ebenfalls zur Heilung von äußeren und inneren Verletzungen an. In mittelalterlichen Kräuterbüchern wird sie außerdem als heilsam gegen Koliken, Zahnschmerzen, Frauenleiden und Verdauungsproblemen beschrieben. Indikationen, die später wissenschaftlich bestätigt wurden.

Ihr lateinischer Gattungsname „Achillea“ beruht nach Plinius auf der alten Sage, dass der thesaulische Centaur Cheiron Achilles, den Helden des Trojanischen Krieges, in der Heilkunde unterwiesen habe. Und zwar darin, die Pflanzen zur Heilung der blutenden Wunden seiner Krieger anzuwenden. 

Millefolium ist eine Lehnübersetzung vom griechischen myrióphyllon, was «mit unzähligen Blättern» bedeutet. Schaut man sich die Blättchen dieser schönen Wiesenpflanze genauer an, sieht man sie die vielen kleinen Blättchen, zart gefiedert wie Federn. Fast tausendblättrig, sind sie filigran unterteilt. 

Botanisches

Das Wort Garbe ist aus der althochdeutschen Garwa oder Garwe entstanden, was mit «die Bereitgestellte» oder «die Gesundmacherin» interpretiert wird. Andere volkstümliche Namen wie Bauchwehkraut, Blutstillkraut, Wundkraut, Frauendank oder Soldatenkraut geben einen Hinweis auf die Eigenschaften dieser alten Heilpflanze. 

Die Schafgarbe wächst häufig auf Wiesen, an Wegrändern, auf Ruderalflächen, Halbtrockenrasen und natürlich auf (Schaf-)Weiden. Sie mag eher trockene, warme und helle Standorte. In den Alpen steigt sie bis fast 2000 Meter hoch. Die Schafgarbe ist sehr weit verbreitet und gehört zu den Pionierpflanzen, die schnell Schutt- und Rohböden besiedeln. Hier festigt sie mit ihren Wurzelausläufern den Boden für andere Pflanzen.

Bei den Achillea-Arten handelt es sich um ausdauernde krautige Pflanzen, selten Halbsträucher, die Wuchshöhen von 6 bis zu 80 Zentimetern erreichen. Meist duftet die ganze Pflanze aromatisch. Im Frühling treibt das Rhizom eine Blattrosette aus. Später wächst ein Stängel, auf dem sich die Blüten bilden. Der glatte bis behaarte Stängel ist zäh und innen markhaltig. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt bis sitzend. Die Blattspreiten sind schmal und gefiedert. Die Schafgarbe blüht weiß bis rosa, ihre kleinen Blütenköpfchen sehen in dichten Scheindolden zusammen. Doch nicht nur als Heilpflanze, auch als Gewürz in einem Wildkräutermenü oder als Dekoration für einen Wildkräutersalat, ist die Schafgarbe zu schätzen.

Und mit ihren umfassenden heilenden Eigenschaften ist die Schafgarbe mit der Kamille vergleichbar.

Schafgarbe (Achilea millefolium) Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Inhalts- und Wirkstoffe

ACHILLEAE MILLEFOLII HERBA 

Bestandteil des Arzneimittels: Ist das Schafgarbenkraut, bestehend aus den frischen oder getrockneten und zur Blütezeit geernteten oberirdischen Teilen von Achillea millefolium L. sowie deren Zubereitung in wirksamer Dosierung. Sowie Schafgarbenblüten (Doldenrispen), ebenfalls getrocknet, sowie deren Zubereitungen in wirksamer Dosierung. Enthalten ist ätherisches Öl und andere Stoffe, siehe oben.  In der internationalen Apothekersprache wird die Schafgarbe als Achilleae millefolii herba / Schafgarbenkraut bezeichnet. (herba steht für Kraut). 

Inhalts- und Wirkstoffe

Die Gemeine Schafgarbe ist eine wertvolle und altbekannte Heilpflanze. Das Kraut enthält bis zu 0,2% ätherische Öle. Je nach Standort oder Herkunft der Pflanze setzen sie sich unterschiedlich zusammen. Neben den ätherische Ölen wie Azulen, Chamazulen, Kampfer und 1,8 Cineol kommen noch Gerbstoffe und andere Stoffe vor. Das Chamazulen, ein entzündungshemmender Stoff, der auch in der Kamille enthalten ist. Er verleiht dem Öl eine tiefblaue Farbe. Insgesamt beruht die Wirkung der Schafgarbe auf einem Stoffgemisch verschiedenster Stoffe. Wobei die  Flavonoide die krampflösenden Eigenschaften hervorrufen und die  Dicaffeoylchininsäuren die choleretische Wirkung hervorrufen (Benedek et al. 2007)

Wie bei vielen Heilpflanzen so gilt auch hier: Nicht ein Inhaltsstoff alleine, sondern alle Inhaltsstoffe wirken in Kombination antibiotisch, krampflösend und entzündungswidrig. 

Anwendung & Wirkung

Bei Einnahme: Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden wie leichte, krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Der Schafgarbe werden choleretische (Gallenabsonderung fördernde), antibakterielle, adstringierende (zusammenziehende), antiphlogistische (entzündungshemmende) und spasmolytisch, sprich krampflösende Eigenschaften zugeschrieben.

lt. Pharmawiki sind ihre Anwendungsgebiete

In der Küche

Schon im Vorfrühling lassen sich die fein zerteilten Blättchen ernten. Auf gemähten Wiesen ist die Ernte frischer grüner Blättchen bis in den späten Herbst möglich. Ihre Blütezeit reicht von Juni bis Oktober.

Die Schafgarbe ist eine essbare Heilpflanze. Ihre Blättchen schmecken zartbitter, kampferartig und aromatisch. Roh sollten sie wegen ihrer Bitterstoffe sparsam wie ein Gewürz eingesetzt werden. Doch es sind eben auch diese Bitterstoffe, die für die Heilwirkung dieser Pflanze verantwortlich sind. In Speisen sorgen sie durch ihre gallensekretionsfördernde Wirkung für eine leichtere Verdauung und wirken magenberuhigend. Am Tellerrand ausgelegt oder in einer Wildkräutersuppe wirken ihre Fiederblättchen sehr dekorativ. Aus der Schafgarbe lassen sich in Kombination mit anderen Wildkräutern wie Brennnessel, Gundermann und Taubnessel „wilde“ Gewürzmischungen herstellen. Für Farbe und Duft sorgen Veilchen oder Kornblumenblättchen.

In der Hausapotheke – Schafgarbe als Tee

Gegen Magenschmerzen hilft ein Schafgarbentee aus 2 gehäuften TL Kraut, die mit ¼ L kochendem Wasser überbrüht werden. Etwa 15 min ziehen lassen und dann abseihen. Der bittere Geschmack der Schafgarbe wird gemildert, wenn man die Blätter mit heißem Wasser überbrüht und den Tee mit etwas Honig süßt.

"Die Schafgarbe ist eine beliebte, klassische Heilpflanze. Schon im Altertum soll die Schafgarbe zur Wundheilung und zur Stillung von Blutungen verwendet worden sein.  Als Arzneidroge werden oberirdische Teile der Heimischen Schafgarbe (Achillea millefolium) wie Stängel, Blätter und die Blüten genutzt. Schafgarbenblüten sind als Offenware oder in Form von Teemischungen in Apotheken und Drogerien erhältlich. Aus den Blüten werden auch Extrakte hergestellt, die in Fertigarzneimitteln, zum Beispiel als Tropfen und Tabletten, erhältlich sind. "Schafgarbe im Leib, tut gut jedem Weib" heisst ein altes Sprichwort. Die Heilpflanze wirkt hauptsächlich auf die Unterleibsorgane, bei Krämpfen und schmerzhaften Monatsregeln, gegen Verdauungsstörungen, bei Blähungen, Appetitlosigkeit und chronischer Verstopfung. Sie regt den Stoffwechsel an und damit die Blutbildung, steigert den Appetit und die Lebertätigkeit. Für einen heilenden Schafgarbentee braucht es einen Teelöffel geschnittenes Kraut, der mit einer Tasse kochendem Wasser angerührt wird. Der Tee soll 10 Minuten zugedeckt ziehen. Eine viertel Stunde vor den Mahlzeiten soll eine halbe Tasse Schafgarbentee getrunken werden. Gegen Unterleibskrämpfe wirken warme Wickel mit Schafgarbenabsud sehr gut. Die Blüten der Schafgarbe werden auch zur Pflege der Gesichtshaut in Dampfbädern eingesetzt. Ätherische Öle der Schafgarbe sind sehr kostspielig, aber eine wertvolle Rarität. Verdünnt kann man das Öl einsetzen für Massagen, Kompressen, Sitzbäder, Fussbäder und in der Duftlampe. Verdünnt auf Stirn und Nacken gerieben hilft es beispielsweise gegen Kopfschmerzen. Sammeltipps: In der Blütezeit schneidet man das ganze blühende Kraut etwa eine Handbreit über dem Boden ab. Dann bindet man kleine Bündel aus den Pflanzen und hängt sie mit den Blüten nach unten an einen trockenen, schattigen Ort. Sobald die Pflanzen trocken sind, zerkleinert man sie und bewahrt sie kühl, trocken und lichtgeschützt auf." Quelle: Hauenstein 

Quellen & Literatur

  • Apotheken-Rundschau
  • Benedek B., Kopp B. Achillea millefolium L. s.l. revisited: recent findings confirm the traditional use. Wien Med Wochenschr, 2007, 157(13-14), 312-4 Pubmed
  • Deutsche Apothekerzeitung: Schafgarbe und Kamille in der Wundheilung
  • Digitales Herbarium, die Schafgarbe (Quelle: Herbal Hunter)
  • Mayer, Johannes Gottfried ; Uehleke, Bernhard ; Saum, Kilian: Handbuch der Klosterheilkunde. München: Zabert Sandmann, 2002.
  • https://www.pflanzen-deutschland.de/Achillea_millefolium.html
  • PharmaWiki.ch
  • Schafgarbe.org
  • Stern, Cornelia; Ell-Beiser, Helga: Phytotherapie in Theorie und Praxis (ISBN 978-3-03800-870), at Verlag, 2022
  • Willige, Alexander: Studienbriefe Phytotherapie 1-9, Impulse e.V.
  • wikipedia

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#GESCHICHTE der HEILPFLANZEN (1) – Von der STEINZEIT bis zu den KELTEN

Kräuter und Heilpflanzen schon im Tierreich

„Die Pflanzenheilkunde ist so alt wie die Menschheit selbst.“

Pharmakognostiker Alexander Tschirch 1856 – 1939

Kräuter werden seit Menschengedenken genutzt. Als Heilpflanzen und als Würzkräuter. Sie geben den Speisen Würze und ganz nebenbei sind sie auch noch gesund für uns. Gerade die Stoffe, die man sieht, riecht und schmeckt, also für Aroma und Duft sorgen, sind diejenigen, die zu unserer Gesundheit beitragen. Doch nicht nur zu unserer – auch Tiere wissen instinktiv welche Kräuter für sie gut sind und welche nicht. So kurieren sich kranke Schimpansen gezielt mit bestimmten Pflanzen und auch bei Gorillas und Orang Utans wurde beobachtet, dass eine Pflanze, die sonst zum Fressen links liegen gelassen wird, von kranken Tieren gefressen wird (Spektrum: Heilkundige im Tierreich).

Pflanzen helfen Pflanzen und sich selbst

Und auch Pflanzen profitieren von der Heilkraft anderer. Man denke nur an die stärkenden Pflanzenjauchen mit Rainfarn, Brennnessel oder Schachtelhalm. Und dann gibt es auch Kräuter und Heilpflanzen, von deren schädlingsabwehrenden Nachbarschaft andere Pflanzen ihren Nutzen haben (Stichwort: Ätherische Öle) oder selbst abgewehrt werden (Stichwort Allelopathie).

Vor 60.000 Jahren

Pollenfunde von Heilpflanzen aus der Steinzeit

Natur- und Kulturvölker sammelten seit der Steinzeit (und wahrscheinlich schon früher) die in der Umgebung wachsenden Arten. Auf allen Kontinenten ist dies nachgewiesen. Vermutlich war zunächst die Ernährung das Ziel, doch entdeckten die Menschen auch die Würz- und Heilkraft der Pflanzen und fingen an, sie rund um ihre Wohnhöhlen, später Dörfer und Siedlungen anzubauen. Dies zeigten Pollenfunde aus steinzeitlichen Höhlen und auch an den berühmten jungsteinzeitlichen Pfahlbauten am Bodensee. Nachgewiesen sind Anpflanzungen von Kräutern wie KamilleBaldrianHolunderWegerichSchafgarbe, Lein, Hanf und Mohn. Auch Kümmel und der Urahn unserer heutigen Petersilie wurden nachgewiesen. Alles Pflanzen, die heute noch fast jeder kennt. Noch älter sind die mindestens 60.000 Jahre alten Funde von Heilpflanzen Überresten an Gräbern im Zweistromland Mesopotamien und in Ägypten. Darunter die Samen von Schafgarbe und Eibisch.

Auf die Idee, bestimmte Kräuter und Heilpflanzen für die eigene Gesundheit einzusetzen, kamen Menschen vermutlich auch durch die Beobachtung von Tieren, die bei Beschwerden instinktiv spezielle Pflanzen fraßen. Bestes Beispiel sind Schafe und Schafgarbe. Hirten beobachteten, dass ihre Tiere bei Magenentzündungen vermehrt dieses, doch eigentlich so bittere, Kräutlein fraßen.

Von den Jägern und Sammlern zu den ersten Ackerbauern

In den früheren Kulturepochen, der Steinzeit vor 45.000 Jahren bis hin zum Ende der Eiszeit und der beginnenden Wiederbewaldung ab ca. 9600 v. Chr. (dem Holozän oder der Mittelsteinzeit) lebte der Mensch als Jäger und Sammler. Er ernährte sich von dem, was ihm die Natur bot. Diese über Jahrtausende hin gelebte Ernährungsweise hatte keine negativen Auswirkungen auf die natürliche Vegetation – der Mensch war selbst ein Teil der Natur.

Doch schon vor rund 11 000 Jahren, während Homo sapiens in Mitteleuropa noch als Jäger und Sammler durch Mitteleuropa streift – setzt Tausende Kilometer entfernt schon eine folgenschwere Entwicklung ein: Die Menschen lassen sich dauerhaft nieder. In einer Region, die sich vom Jordantal über den Südosten der Türkei bis in den Westen Irans erstreckt – dem Fruchtbaren Halbmond – experimentieren sie vermutlich schon an mehreren Orten und unabhängig voneinander mit den dort damals reichlich vorhandenen Wildgräsern, den Vorläufern von Emmer und Einkorn. So die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft. Im Laufe der Zeit wählten sie Pflanzen aus, deren Körner immer größer und leichter zu ernten sind. Diese werden von ihnen wieder ausgesät. So steigert sich langsam der Ertrag und sichert ihre Ernährung. Parallel dazu werden auch Ziegen, Schafe und später Rinder domestiziert. Ein langer mühsamer Prozess.

In Jahreszahlen nimmt man an, dass seit der Zeit von 6000 bis 5000 v. Chr. der Mensch mit dem gezielten Wildgetreideanbau in der Nähe der Siedlungsplätze begann. Im fruchtbaren Halbmond wohl schon früher. Da die Bevölkerung zunahm und möglicherweise auch aufgrund von Schlechtwetterperioden breitete sich der Mensch innerhalb von etwa 3 Jahrtausenden nach Westen aus und erreichte Südosteuropa etwa um 6000 v. Chr. wie Relikte von Siedlungen, Werkzeugen und Pflanzen im Gebiet des heutigen Bulgarien und Ungarn belegen. Entlang der Donau verbreitete sich der Ackerbau bis nach Mitteleuropa. Und auf einer Route an der Mittelmeerküste bis Frankreich und Spanien. Die Zeit des Ackerbaus, die etwa 5.500 bis 4.500 v. Chr. Begann, nennt man Jungsteinzeit.

Vor 5000 Jahren

Keilschrift Portraits von Kräutern und Heilpflanzen

Vor etwa 5000 Jahren lieferten uns Sumerische Tontafeln aus Mesopotamien erste schriftliche Nachweise über medizinische Rezepturen. In der altbabylonischen Kultur finden sich erste Portraits von Kräutern und Heilpflanzen. Und in Keilschrift berichteten sie auch schon über Importe von Kräutern.

Im 3. Jahrtausend vor Christus entstand in Ägypten eine der ältesten schriftlichen Sammlung über die Heilwirkung von Kräutern und etwa 1500 vor Christus der Papyrus Ebers‘. Eine über 18 m lange Papyrusrolle mit Kräuterrezepturen aus der ägyptischen Heilkunde. Weit über 80 Pflanzen, ihre Anwendung und Dosierung sowie über 700 Heilmittelrezepturen sind darin beschrieben. Sowie Zaubersprüche und Beschwörungen. Pflanzen wie Anis, Cassia, Bockshornklee, Fenchel, Kalmus, Kardamom, Koriander, Knoblauch, Kümmel, Minze, Mohn, Safran, Senf, Sesam, Thymian und Wermut werden erwähnt, die wir heute noch als Gewürze verwenden.

Auch später im assyrischen Reich (1900 bis 400 v.Chr.) waren auf 600 Tontäfelchen etwa 1000 Heilpflanzen erfasst. Und auch in der Bibel gibt es vereinzelt Erwähnungen von heilkräftigen Pflanzen wie Weihrauch, Myrrhe und Ysop.

Jungsteinzeit, ca. 4500 bis 1800 v. Chr. – die ersten Ackerbauern in Mitteleuropa

Die Anfänge des Ackerbaus in Mitteleuropa bewirkten einen entscheidenden Wandel in der Lebens- und Wirtschaftsweise des Menschen: Der Mensch wurde sesshaft und griff nun aktiv in die ihn umgebende Natur ein, indem er begann Wildpflanzen zu züchten. Die ersten Kulturpflanzen wie das Getreide entstanden. In dieser Zeit wurde auch aus der Wilden Möhre eine Pflanze mit fleischigerer Wurzel, heute Karotte, gelbe Rübe oder Möhre genannt.

Der Kaiser von China und 365 Heilpflanzen

Zur gleichen Zeit wie bei den Babylonieren – also vor rund 5.000 Jahren – entsteht unter Kaiser Shennong („Göttlicher Bauer“) in China eine handschriftliche Zusammenstellung von 365 Pflanzen mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. Es wird angenommen, dass Shennong den alten Chinesen nicht nur ihre landwirtschaftlichen Praktiken beigebracht hat, sondern auch den Gebrauch von pflanzlichen Arzneimitteln. Kaiser Shennong Yan (炎帝) ist bekannt als der erste Kaiser des alten China, der nicht nur die landwirtschaftlichen Werkzeuge, sondern auch Kräuter zur Behandlung von Krankheiten für sein Volk erfand.

Indien und die alte Lehre des Ayurveda

Dieses geschlossene Heilsystem des Kaisers Shennong ist auch Grundlage der tibetanisch-chinesischen Heilkunde, welche neben dem Ayurveda, dem indischen Wissen vom Leben, als eines der ältesten Heilsysteme gilt. Zumindest als schriftliche Überlieferung. Denn in Indien entstanden ungefähr zur gleichen Zeit Aufzeichnungen über den Gebrauch von Naturarzneien in den Veden, dem Heiligen Wissen. Etwa 1500 Heilpflanzen wurden um 700 v. Chr. von einem Indischen Arzt in der ‚Charaka Samhita‘, einer Zusammenfassung medizinischer Abhandlungen festgehalten. Dem Kernstück des Ayurveda.

Der Mann vom Tisenjoch, auch Ötzi genannt

Der Mann vom Tisenjoch, allgemein bekannt als „Ötzi„, eine etwa 5300 Jahre alte Gletschermumie aus der ausgehenden Jungsteinzeit (Neolithikum) bzw. der Kupferzeit, führte Birkenporlinge vermutlich als Heilmittel mit sich. Heilpflanzen und therapeutische Tätowierungen zeugen von medizinischer Versorgung des 5.000 Jahre alten Eismannes. Schon zu Ötzis Lebzeiten gab es eine „hochentwickelte Kultur der Krankenfürsorge“, berichten Forscher im „International Journal of Paleopathology“. Davon würden die medizinisch wirksamen Pilze und Pflanzen sowie die möglicherweise therapeutischen Tätowierungen zeugen, die die 1991 entdeckte, 5.000 Jahre alte Gletschermumie mit sich bzw. am Körper trug. (Quelle: Der Standard AT)

Volksheilkundliches Wissen

Schriftliche Belege der Nutzung von Kräutern und Heilpflanzen gibt es also seit rund 5000 Jahren. Ärchäologische Belege schon seit über 60.000 Jahren. Doch über Generationen wurde das Wissen über den Anbau und Wirkung der Heilkräuter mündlich weitergegeben. Heute nennt man dies Volksheilkundliches Wissen oder Erfahrungswissen.
Vieles was über Jahrhunderte oder Jahrtausende an Wissen weitergegeben wurde, ist mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen. Doch nicht alles, so weit reicht die Wissenschaftliche Forschung noch nicht, was nicht bedeutet, dass das alte Wissen falsch sei. Im Gegenteil, die moderne Pharmakologie kommt immer wieder zum Ergebnis, wie sicher die „Alten“ mit der Pflanzenheilkunde umzugehen wussten.

Vor 3000 Jahren

Keltische Druiden und die Heilkraft der Mistel

Bei den Kelten waren es die Druiden, die als Heilkundige galten. Bei ihnen war es besonders der Kult um die Mistel, die von ihnen angewendet wurde. Mistelpräparate werden heute in der Krebsbehandlung eingesetzt.

„Bemerkenswert ist der Hinweis auf die Heiligkeit der Mistel. Man kennt schon seit langem frühkeltische Skulpturen von Herrschern oder Heroen, deren Kopfbedeckung, die sogenannte Blattkrone, stark an ein stilisiertes Mistelblatt erinnert. In einem der frühkeltischen Gräber, die auf dem Glauberg bei Büdingen gefunden wurden, entdeckte man tatsächlich die Überreste einer solchen, aus Draht und Leder gefertigten Kopfbedeckung – die Vermutung liegt nahe, dass der hier Begrabene auch religiöse Funktionen hatte.“ So steht es im SPIEGEL – Das Geheimnis der keltischen Druiden, 2017

Bronzezeit & die Kelten

Dinkel und Hülsenfrüchte

Von den ersten Getreidesorten hatte sich besonders der Dinkel durchgesetzt. Er wurde von der Bronzezeit (1800 bis 800 v.Chr.) bis ins Mittelalter in klimatisch günstigen Gebieten reichlich angebaut. Vor allem in Bereichen, die sich für den Weizen nicht eigneten.

Zuerst wohl als Beikräuter auf den Feldern, traten Hafer, Roggen und Emmer erstmals auf und zu der Rispenhirse gesellte sich noch die Kolbenhirse. Als erste Hülsenfrucht kam die Puffbohne wohl über Südeuropa über die Alpen nach Norden.

Im Hohenheimer Versuchsfeld ist eine Rodungsinsel der Bronzezeit dargestellt. Der Dinkel (Triticum spelta) macht hier den Hauptteil aus, da er bei Ausgrabungen bronzezeitlicher Siedlungsplätze besonders in Süddeutschland häufig gefunden wurde. Sein Ursprung liegt laut den Forschenden bis heute im Dunkeln, er ist nicht so alt wie Einkorn, Emmer und Gerste und besitzt auch keine wilden Vorfahren in der Wildgräserflora des Vorderen Orients. Die ältesten Dinkelfunde gibt es südlich vom Kaspischen Meer und es wird angenommen, dass der aus einer Kreuzung von Wildemmer mit einer Aegilops Art hervorgeht.

Aegilops, auch Ziegengras genannt, ist eine Wildgras Art, die von der Mittelsteinzeit bis zu den Kelten bekannt war. Aegilops speltoides und Aegilops squarrosa spielen eine wichtige Rolle in der Herkunft und Zucht des heutigen Weizens. (Quelle: Spektrum, Lexikon Biologie)

Landwirtschaft und Ernährung der Kelten

Die Kelten betrieben Ackerbau mit stählernen Pflügen, bauten Getreide wie Dinkel und Emmer an und hielten sich Haustiere zur Arbeit und Ernährung. Die keltische Landwirtschaft basierte auf Ackerbau und Viehzucht. Auf kleinen umzäunten Äckern wurden Getreide (Emmer, Dinkel, Gerste, Hirse) und Leguminosen (Saubohnen, Erbsen, Linsen) angebaut. Die Hülsenfrüchte waren wichtige pflanzliche Eiweißlieferanten. Hinzu kamen Zwiebeln, Lauch, Kohl und Rüben. Als wilde Gemüse wurden dazu noch Löwenzahn, Brennnessel, Rettich, Sellerie verzehrt.

Lein, auch Flachs genannt, wurde als Faser- und Ölpflanze angebaut. Sogar Berauschendes hatte die keltische Landwirtschaft im Angebot: Schlafmohn. Bereits seit der Bronzezeit war die stimulierende Wirkung der Milch der Samenkapseln bekannt. Mohn schätzten die Kelten auch als Gewürz- und Ölpflanze. (Quelle: Kelten.de – keltische-landwirtschaft).

Die keltische Landwirtschaft war anderen antiken Kulturen in vielerlei Hinsicht überlegen. So entwickelten die Kelten eine einfache Erntemaschine für Getreide; sie erfanden eine Reihe von Eisenwerkzeugen, betrieben Feldrotation und bewässerten ihre Felder höchst effektiv. Auch die Verwendung von künstlichem Dünger war der keltischen Landwirtschaft bekannt. Um den Ertrag ihrer Felder zu erhöhen, vermischten die Bauern den Dung ihrer Tiere mit Mergel oder Kalk. Küstenbewohner düngten ihre Felder mit Vogelkot und verwendeten Seegras zur Bodenverbesserung. Auch bei der Lagerhaltung erwiesen sich die Kelten als erfinderische Zeitgenossen. Für Getreide nutzten sie unterirdische Lager, Fleisch konservierten sie mit Salz. Nach der Erfindung der Töpferscheibe standen den Bauern und Händlern zudem praktische und leicht herzustellende Tongefäße zur Aufbewahrung und zum Transport ihrer Waren zur Verfügung.“ https://www.kelten.de/keltische-landwirtschaft

Feldversuch Universität Hohenheim

Urgetreide – Feldversuch an der Universität Hohenheim

An der Universität Hohenheim werden auf Versuchsfeldern Wilde Vorfahren von Getreidearten gezeigt, die heute noch im Nahen Osten in der Wildflora vorkommen. Dazu gehören Wild-Emmer (Triticum dicoccoides), Wild-Einkorn (Triticum boeoticum) und Wild-Gerste (Hordeum spontaneum). Aus diesen und anderen großfrüchtigen Wildgrasarten sind die Getreidearten Emmer, Einkorn und Gerste sowie der Zwergweizen (Primitivform unseres Saat-Weizens) im Nahen Osten entstanden.  

Den größten Flächenanteil auf dem Feldstück nehmen Emmer (Triticum dicoccon) und Einkorn (Triticum monococcum) ein, daneben wird noch Saat-Gerste (Hordeum vulgare) in der Form der Nackt- und Spelzgerste, etwas Saat-Weizen (Triticum aestivum) sowie wenig Flughafer (Avena fatua) und Roggen-Trespe (Bromus secalinus) angebaut. Die beiden letztgenannten sind möglicherweise nur als Unkraut in den Getreidefeldern vorgekommen.  

Die aus der Jungsteinzeit in Süddeutschland sicher nachgewiesenen Nutzpflanzen wurden hier ebenfalls auf kleinen Beeten ausgepflanzt bzw. ausgesät. Einige dieser Pflanzen sind auch heute aus unserer Küche nicht wegzudenken, beispielsweise Kümmel (Carum carvi) und Petersilie (Petroselinum crispum).  

Alle hier gezeigten Arten hat der prähistorische Mensch in der Jungsteinzeit jedoch sicher als Nahrungspflanzen verwendet und größtenteils gezielt angebaut. Einige Gewürz- und Salatpflanzen sind vielleicht auch nur in der Wildflora gesammelt worden, so wie es bei vielen Waldfrüchten und beim Wildobst schon immer üblich war. 

Die meisten unserer heimischen Obst- und Beerenarten haben ihre Vorfahren in der heimischen Waldvegetation und waren an ganz besonderen Standorten am Aufbau der Laubwälder beteiligt. Etliche dieser Wildobstarten wurden auch hier mit in die umgebenden Waldstücke gepflanzt oder an deren Rändern angesiedelt, so z.B. der Wildapfel (Malus sylvestris), die Wildbirne (Pyrus communis), die Vogelkirsche (Prunus avium), die Haselnuß (Corylus avellana), die Schlehe (Prunus spinosa) usw. So sind wohl auch Himbeere, Brombeere, Erdbeere usw. einheimische Pflanzen, die sich an einigen Stellen in den Waldstücken von selbst angesiedelt haben.

Quelle: Geschichte der Nutzpflanzen, Universität Hohenheim und https://www.presseportal.de/pm/118695/4633780

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Wie es nach den KELTEN weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Artikel

#WALD – ‚Shinrin Yoku‘ Waldbaden

ACHTSAMKEIT & STRESSABBAU

Kennst du das? Hektischer Alltag. Verzettelung. Überstunden. Die Familie versorgen. Stress überall – und dann war da auch noch Corona. Abgrenzung war kaum mehr möglich. Auch, wenn du weißt wie es geht. Eigentlich. Die Türe schließen. Meditation, Yoga, Achtsamkeitsübungen…. doch das Gehirn gibt keine Ruhe. Ein Hamsterrad, das nicht mehr aufhört. In der Stille wird es immer lauter. Dunkle Gedanken kreisen. Stopp!

Ruhe. Denk an den Wald. Stille. Blätterrauschen. Das Grün der Blätter. Stell es dir vor. Allein die Farbe Grün kann schon etwas bei dir auslösen. Spürst du was?

Wenn möglich, geh in den Wald oder in einen Park. Heute noch. Dieser Duft! Die Farben des Herbstes. Der Geruch des modrigen Waldbodens. Feuchtes Moos. Die Rinde der Bäume. Ätherische Öle, Tannengeruch, Fichtennadelduft. Aromen überall. Duftstoffe. Schon mal von den heilsamen Terpenen gehört? Sie wirken positiv auf den Parasympathikus und beruhigen. Und als Nebeneffekt stimulieren sie das Immunsystem.

Sehen, Riechen, Hören, Fühlen – und auch Schmecken. Wecke all deine Sinne. Komm mit mir in den Wald.  Du wirst sehen es wirkt Wunder und das geht sogar virtuell. Allein der Anblick eines Waldes oder dieses Baumes löst etwas bei dir aus – deshalb hast du ihn angeklickt.

Waldbaden – Shinrin yoku

Shinrin Yoku – so heißt die Naturheilmethode aus Japan, die nun auch immer mehr in Europa praktiziert wird. Beim „Waldbaden“ geht es darum, Stress abzubauen, die Gedanken abzuschalten und völlig in die einzigartige Atmosphäre des Waldes einzutauchen. Folge mir in den Wald. Atme seinen wunderbaren Duft und entspanne dich im Grün der Bäume und Kräuter. Ein Genuss mit allen Sinnen.

Wenn du Zeit hast, gehe eine halbe Stunde in den Wald. Wenn du keine Zeit hast, gehe eine Stunde in den Wald.

Der Wald macht den Menschen gesund und das ganz von allein. Das Rauschen der Blätter, die Duftstoffe der Bäume, Vogelgesang und Bachgeplätscher heilen den Menschen und stärken seine Gesundheit. Schon ein paar Minuten im Wald sind so gesund, dass sich der Blutdruck senkt, die Muskeln entspannen. Stress und Erschöpfung fallen von uns ab und die positiven Gefühle rücken in den Vordergrund. Und wer sich dreimal pro Woche im Wald oder Park entspannt, reduziert messbar seinen Stress. Und das ist auch noch wissenschaftlich erwiesen.

Terpene und der Duft des Waldes

Waldluft ist gut für das Immunsystem, das haben japanische Forscher herausgefunden. Waldluft enthält Stoffe, die wir als typischen Duft des Waldes wahrnehmen. Wir verbinden ihn mit Moos, Fichtennadeln, Pilze, Waldboden – mit Ruhe, Spaziergang und frische Luft. Die Duftstoffe werden auch ‚Terpene‘ genannt. Leicht flüchtige ätherische Öle, wie man sie aus Fichten- und Tannennadeln kennt. Das Einatmen der Waldluft wirkt wie ein Heiltrunk. Das durfte ich in der Schwarzwaldklinik bei einer mehrwöchigen Körper-Seele-Kur selbst erfahren und intensiv spüren. Das war gut so – denn als Biologin glaube ich nicht immer alles, was ich so lese. Ich muss es für mich selber erforschen. Und so machte ich mich auf die Suche nach den Wunderstoffen, die den Waldaufenthalt so wirksam machen.

Der Sonntagsspaziergang im Wald, das Immunsystem und die Killerzellen

Neuerdings werden sie sogar als „Anti-Krebs-Terpene“ bezeichnet, denn bei Testpersonen hatten sie eine immunstimulierende Wirkung. Läuft das Immunsystem auf Hochtouren können die Killerzellen auch Krebszellen abtöten. Bereits ein einziger Tag in einem Waldgebiet steigert die Zahl der natürlichen Killerzellen im Blut um fast 40 Prozent. Wer zwei Tage hintereinander im Wald verbringt, steigert die Anzahl seiner natürlichen Killerzellen im Blut durchschnittlich um mehr als fünfzig Prozent. Wer nur einen Tag im Wald verbringt, hat für sieben Tage mehr natürliche Killerzellen im Blut als sonst.

Wald und Kräuter bei Siefersheim in Rheinhessen. Siefersheimer Kräuterhexen. Bild von Rachel Wirt, Fotografie

Es lebe der Sonntagsspaziergang! Im Wald, wo sonst. Und wer einen kleinen Waldurlaub von zwei bis drei Tagen verbringt, dessen Anteil der Killerzellen bleibt sogar für einen ganzen Monat erhöht. Dazu steigt deren Leistung noch durch die Waldtherapie! Das haben die japanischen Forscher herausgefunden.

Der Waldspaziergang und die Terpene

Bei einem Waldspaziergang atmen wir Stoffe ein, mit denen Pflanzen untereinander Botschaften austauschen – sogenannte Terpene. Sie stärken unser Immunsystem. Für eine Studie der Nippon Medical School in Tokio quartierten die Forscher zwölf Testpersonen in einem Hotel ein. Bei der einen Hälfte wurde die Atemluft in der Nacht mit einem Mix aus Waldluft angereichert. Am nächsten Tag wiesen die Blutproben genau dieser Teilnehmer eine deutlich höhere Zahl und Aktivität der körpereigenen Killerzellen auf. Für Studienleiter Professor Qing Li eine bahnbrechende Erkenntnis. „Mein Experiment hat gezeigt, dass die Terpene Immunzellen wie die natürlichen Killerzellen stimulieren, und das verstärkt die Wirkung der Immunfunktion“, sagt er. Der Pionier der Waldmedizin hofft, dass sich mit der Kraft der Bäume vielleicht sogar Krebserkrankungen verhindern lassen. „Vielleicht können Ärzte in Zukunft den Wald als Medizin verschreiben“, sagt er.

Schon der Anblick des Waldes genügt, damit der Puls sich verlangsamt und die Konzentration des Stresshormons Cortisol abnimmt, haben die Mediziner J. Lee und Bum-Yin Park bei Probanden in mehreren Feldstudien in japanischen Wäldern gemessen. „In unseren Feldstudien haben wir bewiesen, dass die Cortisol-Konzentration deutlich niedriger ist bei den Probanden, die einer Waldumgebung ausgesetzt sind als bei denen in einer städtischen Umgebung“, schreibt Bum-Yin Park, Wissenschaftler am Center for Environment, Health and Field Sciences der Universität Chiba in Japan. 

„Die Wirkung des Shinrin-yoku ist komplex und besteht aus allen Elementen, die mit den Sinnen erfasst werden können“, schreibt Park

Park hat Probanden in unterschiedlichen Regionen Japans in Laub- und Nadelwälder geschickt, darunter auch in Naturwälder und einen alten Buchenwald. Die Testteilnehmer sind spazieren gegangen, haben im Wald gesessen, in den Wald geschaut und gehorcht. Shinrin-yoku, Waldbaden, nennen die Japaner das tiefe Eintauchen in den Wald, das eine der beliebtesten Therapieformen in Japan ist. „Die Wirkung des Shinrin-yoku ist komplex und besteht aus allen Elementen, die mit den Sinnen erfasst werden können“, schreibt Park.

Zurück zu den Terpenen

Zu den Sinneseindrücken zählen Park und seine Kollegen auch die pflanzlichen Duftstoffe, mit denen Pflanzen untereinander und mit Tieren kommunizieren. Zu den Duftstoffen gehören mehrere Tausend Stoffe, so auch die schon erwähnten Terpene

Terpene sind flüchtige organische Substanzen, die seit dem Altertum aus zahlreichen Pflanzen, wie z.B. Eukalyptus, Pfefferminz, Lemongras, Zitronenbaum, Thymian, gewonnen werden. Bekannte Terpene sind z.B. Menthol oder Limonen, das z.B. auch in den Schalen von Zitronen vorkommt.

Bäume verströmen Terpene, um nützliche Insekten auf Schädlingsbefall aufmerksam zu machen. Oder um andere Bäume zu warnen, ihre chemischen Schutzmechanismen hochzufahren, wenn Fressfeinde in ihrer Umgebung sind. [mehr dazu…]

Die Farbe Grün und ihre Wirkung auf uns

„Wir verbinden mit Grün häufig Glück, Hoffnung und Zufriedenheit. Auf die Psyche wirkt Grün erholsam und ausgleichend und es soll Körper und Geist in Einklang bringen. Da Grün die Farbe der Natur ist, wirkt es auf das menschliche Auge besonders entspannend.“

Für uns Menschen ist es wichtig, dass unsere Sinne umfassend angesprochen werden. Genau das bietet der Wald: Riechen, Fühlen, Hören, Sehen und Schmecken. Wir riechen die Tannennadeln, das Holz, die Erde. Wir spüren die wohltemperierte Luftfeuchtigkeit. Wir lauschen dem Vogelgesang, dem Rascheln der Blätter und dem Rauschen des Windes. Wir sehen viel Grün, das Licht ist angenehm gedämmt und blendet nicht. Wer will, kann die Baumrinde und die frische Erde ertasten und von Waldbeeren naschen. Der Wald ist eine urvertraute Umgebung. Das entspannt und aktiviert den Teil des Nervensystems, der für Erholung zuständig ist: den Parasympathikus.

„Die vielfältigen Sinneseindrücke, wie das Zwitschern der Vögel und der Geruch von Tannennadeln, stimulieren die Aktivität des Parasympatikus“, so der Biologe Clemens Arvay. „Das ist ein wichtiger Teil unseres Nervensystems, der für Erholung und Regeneration bis auf Zellebene verantwortlich ist.“ Es sei bekannt, dass im hektischen Stadtleben der Gegenspieler des Parasympathikus, der Sympathikus, sehr aktiv ist. „Und deswegen brauchen gerade wir modernen Menschen diesen Wald als Ausgleich.“

Am stärksten wirkt sich der Wald auf die Psyche aus. Das seelische Wohlbefinden, die Stimmung und die Schlafqualität steigen, Angstgefühle werden weniger. Diese Wirkung ist umso stärker, je größer die seelische Belastung ist. Eine Rolle spielt dabei auch die Farbe Grün, die eine beruhigende Wirkung hat.

Eine der frühesten Studien zur gesundheitlichen Wirkung des Waldes erschien schon 1984 im Wissenschaftsmagazin „Science“. Demnach wirkt allein der Anblick von Bäumen messbar positiv. Patienten, die nach einer OP aus dem Krankenhausfenster ins Grüne schauten, wurden schneller gesund als die, die nur auf eine Hausmauer sahen. Die Patienten mit Baumblick benötigten auch weniger Schmerzmittel. 

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine große Studie des Umweltpsychologen Marc Berman 2015 an der Universität Chicago: Je weniger Bäume in einer Wohngegend stehen, desto höher das Risiko für typische Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Schwäche, Bluthochdruck oder Diabetes. Ein Waldspaziergang wirkt beruhigend. Britische Forscher wiesen zudem nach, dass Bewegung im Wald auch die Stimmung hebt und Stress abbaut.

Innere Ruhe, die vom Himmel fällt 

„Regen produziert ein Geräusch, das dem weißen Rauschen gleicht – Frequenzen, die unsere Sinneswahrnehmungen herunterfahren, uns entspannen und sogar Schlaf- und Erinnerungsvermögen verbessern können (hilft auch, Babys zu beruhigen). Die Gleichmäßigkeit der Regentropfen vermittelt unserem Körper ein Gefühl der Sicherheit.“ Quelle: carpe diem.

„Nichts kann einem die Tür zu sich selber besser öffnen als ein Spaziergang durch schlechtes Wetter“

Mark Twain

Wasser, Kräuter, Bewegung und innnere Balance

Die Lehre des Sebastian Kneipp vereint die fünf Säulen Innere Balance, Genuss, Kräuter, Bewegung, und Wasser zu einem ganzheitlichen Ansatz für gesundes Leben. Die Rückbesinnung auf die Kraft der Natur, auf die Wirksamkeit von Wasser und Heilpflanzen und Bewusste Lebensführung ist heute so aktuell wie nie. Quelle: Kneipp.com / Wissen

“Alles, was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reichlich geschenkt.“ Sebastian Kneipp

Kneippkuren gehören zu den wohl bekanntesten Wasseranwendungen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kneipp-Kur nach Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) salonfähig. Kneipp fand heraus, dass das Gehen in eiskaltem Wasser die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert und dadurch das Immunsystem gestärkt wird. Hierfür verfügen die staatlich anerkannten Kneippkurorte über Einrichtungen für Anwendungen wie kalte und heiße Güsse, Wechselbäder, Waschungen, Taulaufen oder Wassertreten. Außerdem liegen Schwerpunkte auf dem seelischen Ausgleich, Kräuteranwendungen, Bewegungsanreize und einer optimierten Ernährung. (Quelle: Heilbäder-BW.de)

In diesem Sinne, wünsche ich euch eine wundervolle Erholung beim Spaziergang in der frischen Luft. Bei Regen, Schnee und Schietwetter. Egal, es ist immer schön im Wald.

Quellen & Links


Terra X „Unsere Wälder“

ZDF DOKU Terra X – UNSERE WÄLDER (1/3) DIE SPRACHE DER BÄUME