Die SCHLEHE – eine noch unbekannte Heilpflanze

PRUNUS SPINOSA L.
Familie der Rosengewächse (Rosaceae)
Gattung Steinobstgewächse (Amygdaleae)

Autor: O. W. Thomé (1885), gemeinfrei von commons.wikimedia.org. und https://www.bewie.de/eukaryoten/flora/schlehe/

Wie von tausend weißen Schneeflocken übersät, strotzt die Schlehenhecke voller Kraft dem Licht des Frühlings entgegen. Nun im Vorfrühling, Anfang März, ist es wieder so weit, der dornige Strauch am Wegesrand zeigt sich voller kleiner weißer Blüten. Was ein Duft! Zart wie seine feinen Blüten strömt er uns schon von weitem entgegen. Alle Bienen in der Umgebung haben ihn schon entdeckt. Ein „Gesummse und Gebrummse“ tönt aus dem Strauch. Noch vor den Blättern zeigen sich die weißen, kleinen, nach süßherber zarter Bittermandel duftenden Blüten, die so dicht über die ganze Zweiglänge an kurzen Trieben stehen, dass der ganze Strauch weiß übersät ist. „Der durch diese Blütenpracht vom Geist berührte Strauch wirkt wie kleine weiße Wolken in der Landschaft“ schreibt alpmed in seinem Kräuterbüchlein.

Ganz unromantisch und dennoch heute immer noch zutreffend beschreibt Hildegard von Bingen den Schlehdorn in ihrer ‚Physica‘ so: „Und die Frucht des Schlehdorns, nämlich die Schlehen, süße mit Honig und iss sie oft auf diese Weise, dann wird die Gicht in dir weichen. Aber wer im Magen schwach ist, brate Schlehen […] oder koche sie in Wasser und esse sie oft, dies führt den Unrat und den Schleim vom Magen ab. Und wenn er ihre Kerne mitisst, wird es ihm nicht schaden.“

In den Deutschen Pflanzensagen aus dem Jahr 1864 schreibt Anton Franz Ritter von Perger  „Die Blüthe des Schehenstrauchs (Prunus spinosa) wird von den Landleuten als ein blutreinigendes Frühlingsmittel betrachtet. Die ersten drei Schlehenblüten, die man antrifft, helfen gegen das Fieber. Der Schlehenstrauch heißt wegen seiner dunklen Zweige auch Schwarzdorn und hegt eine so große Feindschaft gegen den Weißdorn (Crataegus), daß er in dessen Nähe verdorrt; wenn also Schlehenholz zu bösen Zauber benützt wurde, konnte dieser leicht durch Weißdornzweige gehoben werden.“

Die Schlehe als Heilpflanze – Historisches

Die Schlehe ist eine alte Heilpflanze, zwar war sie den griechischen oder arabischen Ärzten nicht bekannt. Vielleicht, da sie ein typisch mitteleuropäisches Gewächs ist und eher kühlere Lagen liebt. So spielte die Schlehe in den Mythen der Germanen und Kelten eine große Rolle. Ihre Blüten und Früchte waren jahrhundertelang Bestandteil der Volksmedizin. In den mittelalterlichen Kräuterbüchern bei Hildegard von Bingen oder auch Konrad von Megenberg wird sie als ein Mittel gegen Durchfall beschrieben. Die Blüten wurden auch bei Herz- und Magendrücken, der Saft der Beeren bei Zahnfleischentzündungen verwendet. In der Erfahrungsheilkunde waren die Blüten innerlich bei Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Beschwerden empfohlen.  In der modernen Kräutermedizin sind die Früchte der Schlehe bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund und Rachenraum wissenschaftlich anerkannt, auch wenn sie als Heilpflanze leider in Vergessenheit geraten ist. Heute noch verwendet werden vor allem die Früchte des Schlehdorns als Tee oder auch als Schlehensaft oder -gelee. Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Doch durch ihren hohen Gerbstoffgehalt und Gehalt an Amygdalin können Überdosierungen zu Reizungen der Magenschleimhaut führen.

Die Schlehe ein Rosengewächs – Botanisches

Die Gewöhnliche Schlehe (Prunus spinosa) gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae) und innerhalb dieser großen Pflanzenfamilie zu den Amygdaleae, den Steinobstgewächsen. Die Gattung Prunus umfasst über 200 Arten. Von der Kirschpflaume über die Zwetschge, Aprikose, Pfirsich bis hin zur Mandel, es gibt unter den botanisch verwandten der Schlehe viele wichtige Obstbäume und Zuchtformen. Wild ist noch die Schlehe, wegen ihrer Dornen und dunklen Rinde auch als Schlehdorn oder Schwarzdorn bezeichnet. Zusammen mit der ihr zum Verwechseln ähnelnden Kirschpflaume (Prunus cerasifera) gilt sie als Elternteil der Kulturpflaume (Prunus domestica). Diese sind jedoch nicht so stachelbewehrt wie der wilde Schlehdorn.

Der Schlehdorn (Prunus spinosa), auch Schlehendorn(Gemeine) SchleheSauerpflaumeHeckendornSchwarzdorn oder Deutsche Akazie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Prunus, die zur Tribus der Steinobstgewächse (Amygdaleae) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört (wikipedia).

Der Schlehdorn ist ein Frühlingsbote und blüht noch bevor sich seine Blätter zeigen je nach Region schon im März oder im April. Seine leicht nach Bittermandel duftenden, kleinen, fünfzähligen Blüten erinnern an die Blüten des Apfels, der Birne oder auch der Kirschblüten, die derselben Pflanzenfamilie angehören.  Erst nach dem Blühen entwickeln sich die eiförmig, ovalen und am Rand gesägten Blätter. Im Spätsommer wachsen die an kleine Pflaumen erinnernden schwarzbläulichen Früchte mit grünem und herb-saurem Fleisch. Sie sind roh kaum genießbar, da sie so gerbstoffreich sind, dass sich im Mund alles zusammenzieht.

Es heißt, dass die Schlehenfrüchte erst nach dem ersten Frost im Oktober/November geerntet werden, da sie durch die Kälteeinwirkung süßer werden. Doch dies stimmt nur bedingt. Das Durchfrieren zerstört die Zellwände, womit der Fruchtsaft leichter austreten kann. Schlehenfrüchte enthalten genauso viel Zucker wie ein Apfel, die Süße wird jedoch überlagert von den Gerbstoffen (Tanninen), die unsere Geschmackszellen blockieren. Bei frostfreier und kühler Lagerung werden die Tannine langsam abgebaut (ähnlich wie beim Wein). Dieser Prozess des Nachreifens lässt die Schlehenfrüchte von Tag zu Tag milder und süßer werden. Die bitteren Gerbstoffe sind jedoch auch für ihre Heilwirkung verantwortlich, dazu später mehr.

Die Schlehe – Ökologische Bedeutung

Die Schlehe liebt sonnige Hügel und trockene, lichte Laubwälder mit kalkhaltigem, tiefgründigem Boden. Man trifft sie häufig an Waldrändern, in Gebüschen und Hecken an. Der dunkle Strauch kann bis zu drei Meter hoch werden. Seine Zweige sind dornenbesetzt. Dabei handelt es sich um kleine Seitentriebe, die zu Dornen umgewandelt wurden. Im zeitigen Frühjahr kann die Schlehe leicht mit den Kirschpflaumen (Prunus cerasifera) oder wilden Zwetschgen verwechselt werden. Sie blühen noch vor der Schlehe (hier in Südbaden schon Anfang März). Diese Sträucher bzw. niedrige Bäume, die bis zu fünf bis acht Meter hoch werden können, sind wie die Schlehe ebenfalls über und über mit kleinen weißen Blüten übersät – sie haben jedoch keine Dornen. 

Die Heimat des Schlehdorns erstreckt sich über EuropaVorderasien bis zum Kaukasus und Nordafrika. In Nordamerika und Neuseeland gilt er als eingebürgert. Im hohen Norden und auf Island sind keine Bestände belegt. Er vermehrt sich durch Aussaat und durch Wurzelausschläge (wikipedia).

Die Schlehen sind in der Kulturlandschaft von wichtiger ökologischer Bedeutung, denn im dornigen dichten Schlehengebüsch können sich zahlreiche Tiere verstecken und zahlreiche Vögel finden hier ihre Nistmöglichkeiten. Die Dornen dienen dem Neuntöter zum Aufspießen von Insekten.

Blühender Schlehenbusch.
Von Neptuul – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, wikimedia commons

Die Schlehe – in der Erfahrungsheilkunde

In der Volksmedizin werden die Blüten bei Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Beschwerden empfohlen. Als wirksame Bestandteile gelten die in ihnen enthaltenen Flavonoide, die auch als Radikalfänger gelten. Dazu sind diese gefäßwirksam sind und sorgen für fiebersenkendes Schwitzen bei grippalen Infekten. Ein Tee aus den frischen Blüten im März bis April gilt als Frühjahrskur und willkommenes Blutreinigungsmittel. Er gilt als magenstärkend und entschlackend über Darm und Niere. „Schlehenblüten sind das schuldloseste (=harmloseste) Abführmittel, das es gibt“ – so schrieb schon der Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp.

„Die Blüten, Rinde und Früchte wirken adstringierend (zusammenziehend), harntreibend, schwach abführend, fiebersenkend, magenstärkend und entzündungshemmend. Ein Blütenaufguss wird besonders bei Kindern bei Durchfallerkrankungen, bei Blasen- und Nierenproblemen und Magenbeschwerden eingesetzt.[17] Schlehenelixier gilt als geeignetes Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten.[18] Als besonders wirksam galt Schlehdorn früher, wenn er etwa zwischen dem 15. August und 15. September (im Frauendreißiger) gesammelt wurde.[19]“ (Quelle: wikipedia – Schlehdorn).

Die Schlehe – Inhaltsstoffe & Wirkungen

Die Schlehe ist wie Eiche, Walnuss und viele Rosengewächse bekannt für ihren Gerbstoffgehalt. Die Gerbstoffe in der Schlehe haben adstringierende Eigenschaften, was bedeutet, dass sie dazu neigen, Körpergewebe zu straffen oder zu festigen. Wie schon erwähnt, werden in der traditionellen Medizin adstringierende Substanzen oft zur Behandlung von Durchfall, Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie zur Unterstützung der Wundheilung eingesetzt.

Insgesamt enthalten Schlehenfrüchte einen hohen Anteil an Polyphenolen, diese sind für ihre antioxidative Wirkung bekannt. Polyphenole werden auch als bioaktive Substanzen in Pflanzen bezeichnet, sie kommen in Form von Farbstoffen, als Flavonoide und Anthocyane vor und als Geschmacksstoffe und Gerbsäuren. Dazu enthalten Schlehenfrüchte Fruchtsäuren, Vitamin C und Pektin.

Die in den Schlehenfrüchte enthaltenen großen Gerbstoffmengen (Tannine) wirken adstringierend. Ähnlich wie bei der Ledergerbung sorgen sie dafür, dass sich die Haut zusammenzieht – in dem Fall empfindlichen Schleimhäute im Mund und Magen-Darm-Trakt – und dadurch unempfindlicher wird für das Eindringen schädlicher Stoffe. Durch die Koagulation von Eiweißstoffen können sie auch Bakterien und Viren in ihrer Aktivität bremsen.

Die Blüten enthalten ebenfalls Polyphenole, in Form von Flavonoiden und Flavonglykosiden (Quercitrin, Rutin, Hyperosid) dazu Proanthocyanide, Triterpene und Sterole sowie Spuren von Amygdalin (dem Stoff der Bittermandel).

Die Samen des Schlehdorns enthalten das Blausäure-Glykosid Amygdalin.

Die Schlehe – Verwendung in der Phytotherapie

Leider gibt es bisher keine anerkannte Verwendung in der Phytotherapie. Die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums arbeitende Kommission E, die wissenschaftlichen Erkenntnisse von über 380 pflanzliche Arzneidrogen (Der Begriff „Droge“ kommt hier von bezeichnet in der Apothekersprache getrocknete Pflanzenteile) zusammentrug, gab den Blüten der Schlehen eine Negativ- bzw. Nullmonografie, da es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über ihre Heilwirkung gibt. Jedoch sind auch keine Risiken zu erwarten. Wissenschaftlich anerkannt ist (bisher) nur die äußerliche Anwendung der Früchte bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum. Sie helfen bei leichten Entzündungen des Zahnfleisches und bei Zahnfleischbluten. Hierzu können getrocknete Schlehenfrüchte wie Kaugummi gekaut werden.


Quellen & Links zur Schlehe

Ein Kommentar

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