#GESCHICHTE der HEILPFLANZEN (1) – Von der STEINZEIT bis zu den KELTEN

Kräuter und Heilpflanzen schon im Tierreich

„Die Pflanzenheilkunde ist so alt wie die Menschheit selbst.“

Pharmakognostiker Alexander Tschirch 1856 – 1939

Kräuter werden seit Menschengedenken genutzt. Als Heilpflanzen und als Würzkräuter. Sie geben den Speisen Würze und ganz nebenbei sind sie auch noch gesund für uns. Gerade die Stoffe, die man sieht, riecht und schmeckt, also für Aroma und Duft sorgen, sind diejenigen, die zu unserer Gesundheit beitragen. Doch nicht nur zu unserer – auch Tiere wissen instinktiv welche Kräuter für sie gut sind und welche nicht. So kurieren sich kranke Schimpansen gezielt mit bestimmten Pflanzen und auch bei Gorillas und Orang Utans wurde beobachtet, dass eine Pflanze, die sonst zum Fressen links liegen gelassen wird, von kranken Tieren gefressen wird (Spektrum: Heilkundige im Tierreich).

Pflanzen helfen Pflanzen und sich selbst

Und auch Pflanzen profitieren von der Heilkraft anderer. Man denke nur an die stärkenden Pflanzenjauchen mit Rainfarn, Brennnessel oder Schachtelhalm. Und dann gibt es auch Kräuter und Heilpflanzen, von deren schädlingsabwehrenden Nachbarschaft andere Pflanzen ihren Nutzen haben (Stichwort: Ätherische Öle) oder selbst abgewehrt werden (Stichwort Allelopathie).

Vor 60.000 Jahren

Pollenfunde von Heilpflanzen aus der Steinzeit

Natur- und Kulturvölker sammelten seit der Steinzeit (und wahrscheinlich schon früher) die in der Umgebung wachsenden Arten. Auf allen Kontinenten ist dies nachgewiesen. Vermutlich war zunächst die Ernährung das Ziel, doch entdeckten die Menschen auch die Würz- und Heilkraft der Pflanzen und fingen an, sie rund um ihre Wohnhöhlen, später Dörfer und Siedlungen anzubauen. Dies zeigten Pollenfunde aus steinzeitlichen Höhlen und auch an den berühmten jungsteinzeitlichen Pfahlbauten am Bodensee. Nachgewiesen sind Anpflanzungen von Kräutern wie KamilleBaldrianHolunderWegerichSchafgarbe, Lein, Hanf und Mohn. Auch Kümmel und der Urahn unserer heutigen Petersilie wurden nachgewiesen. Alles Pflanzen, die heute noch fast jeder kennt. Noch älter sind die mindestens 60.000 Jahre alten Funde von Heilpflanzen Überresten an Gräbern im Zweistromland Mesopotamien und in Ägypten. Darunter die Samen von Schafgarbe und Eibisch.

Auf die Idee, bestimmte Kräuter und Heilpflanzen für die eigene Gesundheit einzusetzen, kamen Menschen vermutlich auch durch die Beobachtung von Tieren, die bei Beschwerden instinktiv spezielle Pflanzen fraßen. Bestes Beispiel sind Schafe und Schafgarbe. Hirten beobachteten, dass ihre Tiere bei Magenentzündungen vermehrt dieses, doch eigentlich so bittere, Kräutlein fraßen.

Von den Jägern und Sammlern zu den ersten Ackerbauern

In den früheren Kulturepochen, der Steinzeit vor 45.000 Jahren bis hin zum Ende der Eiszeit und der beginnenden Wiederbewaldung ab ca. 9600 v. Chr. (dem Holozän oder der Mittelsteinzeit) lebte der Mensch als Jäger und Sammler. Er ernährte sich von dem, was ihm die Natur bot. Diese über Jahrtausende hin gelebte Ernährungsweise hatte keine negativen Auswirkungen auf die natürliche Vegetation – der Mensch war selbst ein Teil der Natur.

Doch schon vor rund 11 000 Jahren, während Homo sapiens in Mitteleuropa noch als Jäger und Sammler durch Mitteleuropa streift – setzt Tausende Kilometer entfernt schon eine folgenschwere Entwicklung ein: Die Menschen lassen sich dauerhaft nieder. In einer Region, die sich vom Jordantal über den Südosten der Türkei bis in den Westen Irans erstreckt – dem Fruchtbaren Halbmond – experimentieren sie vermutlich schon an mehreren Orten und unabhängig voneinander mit den dort damals reichlich vorhandenen Wildgräsern, den Vorläufern von Emmer und Einkorn. So die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft. Im Laufe der Zeit wählten sie Pflanzen aus, deren Körner immer größer und leichter zu ernten sind. Diese werden von ihnen wieder ausgesät. So steigert sich langsam der Ertrag und sichert ihre Ernährung. Parallel dazu werden auch Ziegen, Schafe und später Rinder domestiziert. Ein langer mühsamer Prozess.

In Jahreszahlen nimmt man an, dass seit der Zeit von 6000 bis 5000 v. Chr. der Mensch mit dem gezielten Wildgetreideanbau in der Nähe der Siedlungsplätze begann. Im fruchtbaren Halbmond wohl schon früher. Da die Bevölkerung zunahm und möglicherweise auch aufgrund von Schlechtwetterperioden breitete sich der Mensch innerhalb von etwa 3 Jahrtausenden nach Westen aus und erreichte Südosteuropa etwa um 6000 v. Chr. wie Relikte von Siedlungen, Werkzeugen und Pflanzen im Gebiet des heutigen Bulgarien und Ungarn belegen. Entlang der Donau verbreitete sich der Ackerbau bis nach Mitteleuropa. Und auf einer Route an der Mittelmeerküste bis Frankreich und Spanien. Die Zeit des Ackerbaus, die etwa 5.500 bis 4.500 v. Chr. Begann, nennt man Jungsteinzeit.

Vor 5000 Jahren

Keilschrift Portraits von Kräutern und Heilpflanzen

Vor etwa 5000 Jahren lieferten uns Sumerische Tontafeln aus Mesopotamien erste schriftliche Nachweise über medizinische Rezepturen. In der altbabylonischen Kultur finden sich erste Portraits von Kräutern und Heilpflanzen. Und in Keilschrift berichteten sie auch schon über Importe von Kräutern.

Im 3. Jahrtausend vor Christus entstand in Ägypten eine der ältesten schriftlichen Sammlung über die Heilwirkung von Kräutern und etwa 1500 vor Christus der Papyrus Ebers‘. Eine über 18 m lange Papyrusrolle mit Kräuterrezepturen aus der ägyptischen Heilkunde. Weit über 80 Pflanzen, ihre Anwendung und Dosierung sowie über 700 Heilmittelrezepturen sind darin beschrieben. Sowie Zaubersprüche und Beschwörungen. Pflanzen wie Anis, Cassia, Bockshornklee, Fenchel, Kalmus, Kardamom, Koriander, Knoblauch, Kümmel, Minze, Mohn, Safran, Senf, Sesam, Thymian und Wermut werden erwähnt, die wir heute noch als Gewürze verwenden.

Auch später im assyrischen Reich (1900 bis 400 v.Chr.) waren auf 600 Tontäfelchen etwa 1000 Heilpflanzen erfasst. Und auch in der Bibel gibt es vereinzelt Erwähnungen von heilkräftigen Pflanzen wie Weihrauch, Myrrhe und Ysop.

Jungsteinzeit, ca. 4500 bis 1800 v. Chr. – die ersten Ackerbauern in Mitteleuropa

Die Anfänge des Ackerbaus in Mitteleuropa bewirkten einen entscheidenden Wandel in der Lebens- und Wirtschaftsweise des Menschen: Der Mensch wurde sesshaft und griff nun aktiv in die ihn umgebende Natur ein, indem er begann Wildpflanzen zu züchten. Die ersten Kulturpflanzen wie das Getreide entstanden. In dieser Zeit wurde auch aus der Wilden Möhre eine Pflanze mit fleischigerer Wurzel, heute Karotte, gelbe Rübe oder Möhre genannt.

Der Kaiser von China und 365 Heilpflanzen

Zur gleichen Zeit wie bei den Babylonieren – also vor rund 5.000 Jahren – entsteht unter Kaiser Shennong („Göttlicher Bauer“) in China eine handschriftliche Zusammenstellung von 365 Pflanzen mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. Es wird angenommen, dass Shennong den alten Chinesen nicht nur ihre landwirtschaftlichen Praktiken beigebracht hat, sondern auch den Gebrauch von pflanzlichen Arzneimitteln. Kaiser Shennong Yan (炎帝) ist bekannt als der erste Kaiser des alten China, der nicht nur die landwirtschaftlichen Werkzeuge, sondern auch Kräuter zur Behandlung von Krankheiten für sein Volk erfand.

Indien und die alte Lehre des Ayurveda

Dieses geschlossene Heilsystem des Kaisers Shennong ist auch Grundlage der tibetanisch-chinesischen Heilkunde, welche neben dem Ayurveda, dem indischen Wissen vom Leben, als eines der ältesten Heilsysteme gilt. Zumindest als schriftliche Überlieferung. Denn in Indien entstanden ungefähr zur gleichen Zeit Aufzeichnungen über den Gebrauch von Naturarzneien in den Veden, dem Heiligen Wissen. Etwa 1500 Heilpflanzen wurden um 700 v. Chr. von einem Indischen Arzt in der ‚Charaka Samhita‘, einer Zusammenfassung medizinischer Abhandlungen festgehalten. Dem Kernstück des Ayurveda.

Der Mann vom Tisenjoch, auch Ötzi genannt

Der Mann vom Tisenjoch, allgemein bekannt als „Ötzi„, eine etwa 5300 Jahre alte Gletschermumie aus der ausgehenden Jungsteinzeit (Neolithikum) bzw. der Kupferzeit, führte Birkenporlinge vermutlich als Heilmittel mit sich. Heilpflanzen und therapeutische Tätowierungen zeugen von medizinischer Versorgung des 5.000 Jahre alten Eismannes. Schon zu Ötzis Lebzeiten gab es eine „hochentwickelte Kultur der Krankenfürsorge“, berichten Forscher im „International Journal of Paleopathology“. Davon würden die medizinisch wirksamen Pilze und Pflanzen sowie die möglicherweise therapeutischen Tätowierungen zeugen, die die 1991 entdeckte, 5.000 Jahre alte Gletschermumie mit sich bzw. am Körper trug. (Quelle: Der Standard AT)

Volksheilkundliches Wissen

Schriftliche Belege der Nutzung von Kräutern und Heilpflanzen gibt es also seit rund 5000 Jahren. Ärchäologische Belege schon seit über 60.000 Jahren. Doch über Generationen wurde das Wissen über den Anbau und Wirkung der Heilkräuter mündlich weitergegeben. Heute nennt man dies Volksheilkundliches Wissen oder Erfahrungswissen.
Vieles was über Jahrhunderte oder Jahrtausende an Wissen weitergegeben wurde, ist mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen. Doch nicht alles, so weit reicht die Wissenschaftliche Forschung noch nicht, was nicht bedeutet, dass das alte Wissen falsch sei. Im Gegenteil, die moderne Pharmakologie kommt immer wieder zum Ergebnis, wie sicher die „Alten“ mit der Pflanzenheilkunde umzugehen wussten.

Vor 3000 Jahren

Keltische Druiden und die Heilkraft der Mistel

Bei den Kelten waren es die Druiden, die als Heilkundige galten. Bei ihnen war es besonders der Kult um die Mistel, die von ihnen angewendet wurde. Mistelpräparate werden heute in der Krebsbehandlung eingesetzt.

„Bemerkenswert ist der Hinweis auf die Heiligkeit der Mistel. Man kennt schon seit langem frühkeltische Skulpturen von Herrschern oder Heroen, deren Kopfbedeckung, die sogenannte Blattkrone, stark an ein stilisiertes Mistelblatt erinnert. In einem der frühkeltischen Gräber, die auf dem Glauberg bei Büdingen gefunden wurden, entdeckte man tatsächlich die Überreste einer solchen, aus Draht und Leder gefertigten Kopfbedeckung – die Vermutung liegt nahe, dass der hier Begrabene auch religiöse Funktionen hatte.“ So steht es im SPIEGEL – Das Geheimnis der keltischen Druiden, 2017

Bronzezeit & die Kelten

Dinkel und Hülsenfrüchte

Von den ersten Getreidesorten hatte sich besonders der Dinkel durchgesetzt. Er wurde von der Bronzezeit (1800 bis 800 v.Chr.) bis ins Mittelalter in klimatisch günstigen Gebieten reichlich angebaut. Vor allem in Bereichen, die sich für den Weizen nicht eigneten.

Zuerst wohl als Beikräuter auf den Feldern, traten Hafer, Roggen und Emmer erstmals auf und zu der Rispenhirse gesellte sich noch die Kolbenhirse. Als erste Hülsenfrucht kam die Puffbohne wohl über Südeuropa über die Alpen nach Norden.

Im Hohenheimer Versuchsfeld ist eine Rodungsinsel der Bronzezeit dargestellt. Der Dinkel (Triticum spelta) macht hier den Hauptteil aus, da er bei Ausgrabungen bronzezeitlicher Siedlungsplätze besonders in Süddeutschland häufig gefunden wurde. Sein Ursprung liegt laut den Forschenden bis heute im Dunkeln, er ist nicht so alt wie Einkorn, Emmer und Gerste und besitzt auch keine wilden Vorfahren in der Wildgräserflora des Vorderen Orients. Die ältesten Dinkelfunde gibt es südlich vom Kaspischen Meer und es wird angenommen, dass der aus einer Kreuzung von Wildemmer mit einer Aegilops Art hervorgeht.

Aegilops, auch Ziegengras genannt, ist eine Wildgras Art, die von der Mittelsteinzeit bis zu den Kelten bekannt war. Aegilops speltoides und Aegilops squarrosa spielen eine wichtige Rolle in der Herkunft und Zucht des heutigen Weizens. (Quelle: Spektrum, Lexikon Biologie)

Landwirtschaft und Ernährung der Kelten

Die Kelten betrieben Ackerbau mit stählernen Pflügen, bauten Getreide wie Dinkel und Emmer an und hielten sich Haustiere zur Arbeit und Ernährung. Die keltische Landwirtschaft basierte auf Ackerbau und Viehzucht. Auf kleinen umzäunten Äckern wurden Getreide (Emmer, Dinkel, Gerste, Hirse) und Leguminosen (Saubohnen, Erbsen, Linsen) angebaut. Die Hülsenfrüchte waren wichtige pflanzliche Eiweißlieferanten. Hinzu kamen Zwiebeln, Lauch, Kohl und Rüben. Als wilde Gemüse wurden dazu noch Löwenzahn, Brennnessel, Rettich, Sellerie verzehrt.

Lein, auch Flachs genannt, wurde als Faser- und Ölpflanze angebaut. Sogar Berauschendes hatte die keltische Landwirtschaft im Angebot: Schlafmohn. Bereits seit der Bronzezeit war die stimulierende Wirkung der Milch der Samenkapseln bekannt. Mohn schätzten die Kelten auch als Gewürz- und Ölpflanze. (Quelle: Kelten.de – keltische-landwirtschaft).

Die keltische Landwirtschaft war anderen antiken Kulturen in vielerlei Hinsicht überlegen. So entwickelten die Kelten eine einfache Erntemaschine für Getreide; sie erfanden eine Reihe von Eisenwerkzeugen, betrieben Feldrotation und bewässerten ihre Felder höchst effektiv. Auch die Verwendung von künstlichem Dünger war der keltischen Landwirtschaft bekannt. Um den Ertrag ihrer Felder zu erhöhen, vermischten die Bauern den Dung ihrer Tiere mit Mergel oder Kalk. Küstenbewohner düngten ihre Felder mit Vogelkot und verwendeten Seegras zur Bodenverbesserung. Auch bei der Lagerhaltung erwiesen sich die Kelten als erfinderische Zeitgenossen. Für Getreide nutzten sie unterirdische Lager, Fleisch konservierten sie mit Salz. Nach der Erfindung der Töpferscheibe standen den Bauern und Händlern zudem praktische und leicht herzustellende Tongefäße zur Aufbewahrung und zum Transport ihrer Waren zur Verfügung.“ https://www.kelten.de/keltische-landwirtschaft

Feldversuch Universität Hohenheim

Urgetreide – Feldversuch an der Universität Hohenheim

An der Universität Hohenheim werden auf Versuchsfeldern Wilde Vorfahren von Getreidearten gezeigt, die heute noch im Nahen Osten in der Wildflora vorkommen. Dazu gehören Wild-Emmer (Triticum dicoccoides), Wild-Einkorn (Triticum boeoticum) und Wild-Gerste (Hordeum spontaneum). Aus diesen und anderen großfrüchtigen Wildgrasarten sind die Getreidearten Emmer, Einkorn und Gerste sowie der Zwergweizen (Primitivform unseres Saat-Weizens) im Nahen Osten entstanden.  

Den größten Flächenanteil auf dem Feldstück nehmen Emmer (Triticum dicoccon) und Einkorn (Triticum monococcum) ein, daneben wird noch Saat-Gerste (Hordeum vulgare) in der Form der Nackt- und Spelzgerste, etwas Saat-Weizen (Triticum aestivum) sowie wenig Flughafer (Avena fatua) und Roggen-Trespe (Bromus secalinus) angebaut. Die beiden letztgenannten sind möglicherweise nur als Unkraut in den Getreidefeldern vorgekommen.  

Die aus der Jungsteinzeit in Süddeutschland sicher nachgewiesenen Nutzpflanzen wurden hier ebenfalls auf kleinen Beeten ausgepflanzt bzw. ausgesät. Einige dieser Pflanzen sind auch heute aus unserer Küche nicht wegzudenken, beispielsweise Kümmel (Carum carvi) und Petersilie (Petroselinum crispum).  

Alle hier gezeigten Arten hat der prähistorische Mensch in der Jungsteinzeit jedoch sicher als Nahrungspflanzen verwendet und größtenteils gezielt angebaut. Einige Gewürz- und Salatpflanzen sind vielleicht auch nur in der Wildflora gesammelt worden, so wie es bei vielen Waldfrüchten und beim Wildobst schon immer üblich war. 

Die meisten unserer heimischen Obst- und Beerenarten haben ihre Vorfahren in der heimischen Waldvegetation und waren an ganz besonderen Standorten am Aufbau der Laubwälder beteiligt. Etliche dieser Wildobstarten wurden auch hier mit in die umgebenden Waldstücke gepflanzt oder an deren Rändern angesiedelt, so z.B. der Wildapfel (Malus sylvestris), die Wildbirne (Pyrus communis), die Vogelkirsche (Prunus avium), die Haselnuß (Corylus avellana), die Schlehe (Prunus spinosa) usw. So sind wohl auch Himbeere, Brombeere, Erdbeere usw. einheimische Pflanzen, die sich an einigen Stellen in den Waldstücken von selbst angesiedelt haben.

Quelle: Geschichte der Nutzpflanzen, Universität Hohenheim und https://www.presseportal.de/pm/118695/4633780

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Wie es nach den KELTEN weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Artikel

WALD – ‚Shinrin Yoku‘ auch Waldbaden genannt

Kennst du das? Hektischer Alltag. Verzettelung. Überstunden. Die Familie versorgen. Stress überall – und dann war da auch noch Corona. Abgrenzung war kaum mehr möglich. Auch, wenn du weißt wie es geht. Eigentlich. Die Türe schließen. Meditation, Yoga, Achtsamkeitsübungen…. doch das Gehirn gibt keine Ruhe. Ein Hamsterrad, das nicht mehr aufhört. In der Stille wird es immer lauter. Dunkle Gedanken kreisen. Stopp!

Ruhe. Denk an den Wald. Stille. Blätterrauschen. Das Grün der Blätter. Stell es dir vor. Allein die Farbe Grün kann schon etwas bei dir auslösen. Spürst du was?

Wenn möglich, geh in den Wald oder in einen Park. Heute noch. Dieser Duft! Die Farben des Herbstes. Der Geruch des modrigen Waldbodens. Feuchtes Moos. Die Rinde der Bäume. Ätherische Öle, Tannengeruch, Fichtennadelduft. Aromen überall. Duftstoffe. Schon mal von den heilsamen Terpenen gehört? Sie wirken positiv auf den Parasympathikus und beruhigen. Und als Nebeneffekt stimulieren sie das Immunsystem.

Sehen, Riechen, Hören, Fühlen – und auch Schmecken. Wecke all deine Sinne. Komm mit mir in den Wald.  Du wirst sehen es wirkt Wunder und das geht sogar virtuell. Allein der Anblick eines Waldes oder dieses Baumes löst etwas bei dir aus

Waldbaden – Shinrin yoku

Shinrin Yoku – so heißt die Naturheilmethode aus Japan, die nun auch immer mehr in Europa praktiziert wird. Beim „Waldbaden“ geht es darum, Stress abzubauen, die Gedanken abzuschalten und völlig in die einzigartige Atmosphäre des Waldes einzutauchen. Folge mir in den Wald. Atme seinen wunderbaren Duft und entspanne dich im Grün der Bäume und Kräuter. Ein Genuss mit allen Sinnen.

Wenn du Zeit hast, gehe eine halbe Stunde in den Wald. Wenn du keine Zeit hast, gehe eine Stunde in den Wald.

Der Wald macht den Menschen gesund und das ganz von allein. Das Rauschen der Blätter, die Duftstoffe der Bäume, Vogelgesang und Bachgeplätscher heilen den Menschen und stärken seine Gesundheit. Schon ein paar Minuten im Wald sind so gesund, dass sich der Blutdruck senkt, die Muskeln entspannen. Stress und Erschöpfung fallen von uns ab und die positiven Gefühle rücken in den Vordergrund. Und wer sich dreimal pro Woche im Wald oder Park entspannt, reduziert messbar seinen Stress. Und das ist auch noch wissenschaftlich erwiesen.

Waldbaden – Terpene, der Duft des Waldes

Waldluft ist gut für das Immunsystem, das haben japanische Forscher herausgefunden. Waldluft enthält Stoffe, die wir als typischen Duft des Waldes wahrnehmen. Wir verbinden ihn mit Moos, Fichtennadeln, Pilze, Waldboden – mit Ruhe, Spaziergang und frische Luft. Die Duftstoffe werden auch ‚Terpene‘ genannt. Leicht flüchtige ätherische Öle, wie man sie aus Fichten- und Tannennadeln kennt. Das Einatmen der Waldluft wirkt wie ein Heiltrunk. Das durfte ich in der Schwarzwaldklinik bei einer mehrwöchigen Körper-Seele-Kur selbst erfahren und intensiv spüren. Das war gut so – denn als Biologin glaube ich nicht immer alles, was ich so lese. Ich muss es für mich selber erforschen. Und so machte ich mich auf die Suche nach den Wunderstoffen, die den Waldaufenthalt so wirksam machen.

Waldbaden – Das Immunsystem und die Killerzellen

Neuerdings werden sie sogar als „Anti-Krebs-Terpene“ bezeichnet, denn bei Testpersonen hatten sie eine immunstimulierende Wirkung. Läuft das Immunsystem auf Hochtouren können die Killerzellen auch Krebszellen abtöten. Bereits ein einziger Tag in einem Waldgebiet steigert die Zahl der natürlichen Killerzellen im Blut um fast 40 Prozent. Wer zwei Tage hintereinander im Wald verbringt, steigert die Anzahl seiner natürlichen Killerzellen im Blut durchschnittlich um mehr als fünfzig Prozent. Wer nur einen Tag im Wald verbringt, hat für sieben Tage mehr natürliche Killerzellen im Blut als sonst.

Es lebe der Sonntagsspaziergang! Im Wald, wo sonst. Und wer einen kleinen Waldurlaub von zwei bis drei Tagen verbringt, dessen Anteil der Killerzellen bleibt sogar für einen ganzen Monat erhöht. Dazu steigt deren Leistung noch durch die Waldtherapie! Das haben die japanischen Forscher herausgefunden.

Waldbaden – Der Waldspaziergang

Bei einem Waldspaziergang atmen wir Stoffe ein, mit denen Pflanzen untereinander Botschaften austauschen – sogenannte Terpene. Sie stärken unser Immunsystem. Für eine Studie der Nippon Medical School in Tokio quartierten die Forscher zwölf Testpersonen in einem Hotel ein. Bei der einen Hälfte wurde die Atemluft in der Nacht mit einem Mix aus Waldluft angereichert. Am nächsten Tag wiesen die Blutproben genau dieser Teilnehmer eine deutlich höhere Zahl und Aktivität der körpereigenen Killerzellen auf. Für Studienleiter Professor Qing Li eine bahnbrechende Erkenntnis. „Mein Experiment hat gezeigt, dass die Terpene Immunzellen wie die natürlichen Killerzellen stimulieren, und das verstärkt die Wirkung der Immunfunktion“, sagt er. Der Pionier der Waldmedizin hofft, dass sich mit der Kraft der Bäume vielleicht sogar Krebserkrankungen verhindern lassen. „Vielleicht können Ärzte in Zukunft den Wald als Medizin verschreiben“, sagt er.

Schon der Anblick des Waldes genügt, damit der Puls sich verlangsamt und die Konzentration des Stresshormons Cortisol abnimmt, haben die Mediziner J. Lee und Bum-Yin Park bei Probanden in mehreren Feldstudien in japanischen Wäldern gemessen. „In unseren Feldstudien haben wir bewiesen, dass die Cortisol-Konzentration deutlich niedriger ist bei den Probanden, die einer Waldumgebung ausgesetzt sind als bei denen in einer städtischen Umgebung“, schreibt Bum-Yin Park, Wissenschaftler am Center for Environment, Health and Field Sciences der Universität Chiba in Japan. 

„Die Wirkung des Shinrin-yoku ist komplex und besteht aus allen Elementen, die mit den Sinnen erfasst werden können“, schreibt Park

Park hat Probanden in unterschiedlichen Regionen Japans in Laub- und Nadelwälder geschickt, darunter auch in Naturwälder und einen alten Buchenwald. Die Testteilnehmer sind spazieren gegangen, haben im Wald gesessen, in den Wald geschaut und gehorcht. Shinrin-yoku, Waldbaden, nennen die Japaner das tiefe Eintauchen in den Wald, das eine der beliebtesten Therapieformen in Japan ist. „Die Wirkung des Shinrin-yoku ist komplex und besteht aus allen Elementen, die mit den Sinnen erfasst werden können“, schreibt Park.

Zurück zu den Terpenen

Zu den Sinneseindrücken zählen Park und seine Kollegen auch die pflanzlichen Duftstoffe, mit denen Pflanzen untereinander und mit Tieren kommunizieren. Zu den Duftstoffen gehören mehrere Tausend Stoffe, so auch die schon erwähnten Terpene

Terpene sind flüchtige organische Substanzen, die seit dem Altertum aus zahlreichen Pflanzen, wie z.B. Eukalyptus, Pfefferminz, Lemongras, Zitronenbaum, Thymian, gewonnen werden. Bekannte Terpene sind z.B. Menthol oder Limonen, das z.B. auch in den Schalen von Zitronen vorkommt.

Bäume verströmen Terpene, um nützliche Insekten auf Schädlingsbefall aufmerksam zu machen. Oder um andere Bäume zu warnen, ihre chemischen Schutzmechanismen hochzufahren, wenn Fressfeinde in ihrer Umgebung sind. [mehr dazu…]

Die Farbe Grün und ihre Wirkung auf uns

„Wir verbinden mit Grün häufig Glück, Hoffnung und Zufriedenheit. Auf die Psyche wirkt Grün erholsam und ausgleichend und es soll Körper und Geist in Einklang bringen. Da Grün die Farbe der Natur ist, wirkt es auf das menschliche Auge besonders entspannend.“

Für uns Menschen ist es wichtig, dass unsere Sinne umfassend angesprochen werden. Genau das bietet der Wald: Riechen, Fühlen, Hören, Sehen und Schmecken. Wir riechen die Tannennadeln, das Holz, die Erde. Wir spüren die wohltemperierte Luftfeuchtigkeit. Wir lauschen dem Vogelgesang, dem Rascheln der Blätter und dem Rauschen des Windes. Wir sehen viel Grün, das Licht ist angenehm gedämmt und blendet nicht. Wer will, kann die Baumrinde und die frische Erde ertasten und von Waldbeeren naschen. Der Wald ist eine urvertraute Umgebung. Das entspannt und aktiviert den Teil des Nervensystems, der für Erholung zuständig ist: den Parasympathikus.

„Die vielfältigen Sinneseindrücke, wie das Zwitschern der Vögel und der Geruch von Tannennadeln, stimulieren die Aktivität des Parasympatikus“, so der Biologe Clemens Arvay. „Das ist ein wichtiger Teil unseres Nervensystems, der für Erholung und Regeneration bis auf Zellebene verantwortlich ist.“ Es sei bekannt, dass im hektischen Stadtleben der Gegenspieler des Parasympathikus, der Sympathikus, sehr aktiv ist. „Und deswegen brauchen gerade wir modernen Menschen diesen Wald als Ausgleich.“

Am stärksten wirkt sich der Wald auf die Psyche aus. Das seelische Wohlbefinden, die Stimmung und die Schlafqualität steigen, Angstgefühle werden weniger. Diese Wirkung ist umso stärker, je größer die seelische Belastung ist. Eine Rolle spielt dabei auch die Farbe Grün, die eine beruhigende Wirkung hat.

Eine der frühesten Studien zur gesundheitlichen Wirkung des Waldes erschien schon 1984 im Wissenschaftsmagazin „Science“. Demnach wirkt allein der Anblick von Bäumen messbar positiv. Patienten, die nach einer OP aus dem Krankenhausfenster ins Grüne schauten, wurden schneller gesund als die, die nur auf eine Hausmauer sahen. Die Patienten mit Baumblick benötigten auch weniger Schmerzmittel. 

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine große Studie des Umweltpsychologen Marc Berman 2015 an der Universität Chicago: Je weniger Bäume in einer Wohngegend stehen, desto höher das Risiko für typische Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Schwäche, Bluthochdruck oder Diabetes. Ein Waldspaziergang wirkt beruhigend. Britische Forscher wiesen zudem nach, dass Bewegung im Wald auch die Stimmung hebt und Stress abbaut.

Innere Ruhe, die vom Himmel fällt 

„Regen produziert ein Geräusch, das dem weißen Rauschen gleicht – Frequenzen, die unsere Sinneswahrnehmungen herunterfahren, uns entspannen und sogar Schlaf- und Erinnerungsvermögen verbessern können (hilft auch, Babys zu beruhigen). Die Gleichmäßigkeit der Regentropfen vermittelt unserem Körper ein Gefühl der Sicherheit.“ Quelle: carpe diem.

„Nichts kann einem die Tür zu sich selber besser öffnen als ein Spaziergang durch schlechtes Wetter“

Mark Twain

Wasser, Kräuter, Bewegung und innnere Balance

Die Lehre des Sebastian Kneipp vereint die fünf Säulen Innere Balance, Genuss, Kräuter, Bewegung, und Wasser zu einem ganzheitlichen Ansatz für gesundes Leben. Die Rückbesinnung auf die Kraft der Natur, auf die Wirksamkeit von Wasser und Heilpflanzen und Bewusste Lebensführung ist heute so aktuell wie nie. Quelle: Kneipp.com / Wissen

“Alles, was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reichlich geschenkt.“ Sebastian Kneipp

Kneippkuren gehören zu den wohl bekanntesten Wasseranwendungen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kneipp-Kur nach Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) salonfähig. Kneipp fand heraus, dass das Gehen in eiskaltem Wasser die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert und dadurch das Immunsystem gestärkt wird. Hierfür verfügen die staatlich anerkannten Kneippkurorte über Einrichtungen für Anwendungen wie kalte und heiße Güsse, Wechselbäder, Waschungen, Taulaufen oder Wassertreten. Außerdem liegen Schwerpunkte auf dem seelischen Ausgleich, Kräuteranwendungen, Bewegungsanreize und einer optimierten Ernährung. (Quelle: Heilbäder-BW.de)

In diesem Sinne, wünsche ich euch eine wundervolle Erholung beim Spaziergang in der frischen Luft. Bei Regen, Schnee und Schietwetter. Egal, es ist immer schön im Wald.

Quellen & Links


Terra X „Unsere Wälder“

ZDF DOKU Terra X – UNSERE WÄLDER (1/3) DIE SPRACHE DER BÄUME

Geschichte der Heilpflanzen (4) – Hildegard von Bingen, Alchemisten und Paracelsus

Hildegard von Bingen und die Volksheilkunde

Die Rupertsberger Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb zwischen 1150 und 1160 ihre medizinischen Werke „Physica„(Arzneilehre) und „Causae et curae“ (Krankheitslehre). Sie finden bis in unsere heutigen Tage in der Naturheilkunde Verwendung!

Bekannt geworden ist sie für ihre visionären Kräfte, die sie in der Behandlung einsetzte. Sie verwendete neben orientalischen Pflanzen wie Bertram und Galgant viele heimische Pflanze und nutzte deutsche Pflanzennamen.

Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179 und gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Ihre Werke befassen sich unter anderem mit ReligionMedizinMusikEthik und Kosmologie. Sie war auch Beraterin vieler Persönlichkeiten. Mit ihren beiden natur- und heilkundlichen Werken gilt sie als „Deutschlands erste schriftstellernde Ärztin“.

Hildegard von Bingen empfängt eine göttliche Inspiration und gibt sie an ihren Schreiber, den Mönch Vollmar, weiter, Frontispiz des Liber Scivias aus dem Rupertsberger Codex (um 1180), Tafel 1 – Quelle wikipedia

Die Leistung Hildegards liegt unter anderem darin, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin zusammenbrachte. Sie entwickelte eigene Ansichten über die Entstehung von Krankheiten, Körperlichkeit und Sexualität. Eigene medizinische Verfahren entwickelte sie nicht, sondern trug lediglich bereits bekannte Behandlungsmethoden aus verschiedenen Quellen zusammen. Hildegards Krankheitstheorie ist der antiken Viersäftelehre sehr ähnlich, nur mit abweichenden Bezeichnungen. Causae et Curae beinhaltet viele sehr direkte Anweisungen, die jeweils nach Symptomen geordnet sind. Sie sind daher auch für medizinische Laien gut zu gebrauchen.

Aus eigenen Beobachtungen beschrieb sie in der „Physica“ 230 Kräuter und deren Wirkung. Auch 63 Bäume sowie Reptilien, Vögel, Fische, Steine und Heilerden hat sie beschrieben.

Alchemisten, Ärzte und Apotheker

Neben den Klöstern waren es vor allem Alchemisten und Ärzte, die sich um die medizinische Versorgung der Menschen kümmerten. Eher Heil „praktisch“ arbeiteten die sogenannten Bader, sie waren zum Beispiel für das Zähne ziehen, das meist auf Märkten oder Jahrmärkten öffentlich veranstaltet wurde, zuständig. Die ersten Apotheker, so wie man sie heute kennt, traten erstmals vor ungefähr 800 Jahren auf. Um 1240 erließ der Stauferkaiser Friedrich II die sogenannte ‚Constitutiones‘, eine Medizinalverordnung, die eine tiefgreifende Reformation des damaligen Gesundheitswesens zur Folge hatte. Hier wurde zwischen den Ärzten, die Behandlungsvorbehalt hatten und Apothekern unterschieden, die die Erlaubnis zur Herstellung und Abgabe von Arzneimitteln hatten. Viele Pflanzen führen ein „officinalis“ in ihren Namen, was darauf hindeutet, dass sie seit Jahrhunderten im „Offizium“, dem Labor des Apothekers verarbeitet wurden.

Heilerinnen und Hexen

Auch aus dem Volk gab es viele heilkundige Menschen, die das Erfahrungswissen weiter trugen. Sie galten als medizinische Laien, die sich jedoch mit Erfolg um die Gesundheit der Bevölkerung kümmerten. Die weisen Frauen waren der Kirche jedoch suspekt, da sie als Hebammen und Kurpfuscherinnen über Leben und Tod entscheiden konnten, sprich über Empfängnis, Verhütung und Abtreibung. Während der Inquisition kam es zu einer gnadenlosen Verfolgung der Kräuterhexen. Als Folge davon ging jahrhundertealtes Wissen aus der Volksheilkunde verloren. Auch der Verlust an direkter intuitiver Wahrnehmung ohne den Umweg über den Verstand. Beispielsweise auch das magische Wissen der Signaturenlehre.

Buchbeschreibung: „Seit Menschengedenken hüten Frauen die Geheimnisse um das Wohl des Menschen: Sie waren Pflegerinnen, Ratgeberinnen, Hebammen und Heilkundige in einer Person und genossen hohes Ansehen. Sie kannten sich mit Heilkräutern aus, wussten die besten Standort seltener und begehrter Exemplare und waren damit vertraut, wann gepflückt werden musste, damit diese ihre magische Kraft am besten entfalten konnten. Als Hebammen beherrschten sie die Möglichkeiten der Geburtenkontrolle und wussten um die natürlichen Mittel zur Abtreibung oder Schwangerschaftsverhütung. Weise Frauen hießen sie im Volksmund.

Die „Ärztinnen des Volkes“ waren im Mittelalter die wichtigsten Ansprechpartner, wenn es um Krankheit, Liebeskummer oder ums Kinderkriegen ging. Ihnen vertraute man viel mehr als den männlichen Ärzten, meist Kleriker, denen es untersagt war, sich mit dem Frauenkörper intensiv zu beschäftigen. Der Glaube an die Kraft der Natur und das Vertrauen in die heilende Wirkung der Kräuter – und nicht in den christlichen Gott – wurden vielen Frauen zum Verhängnis. Sie wurden der Ketzerei verdächtigt, und ihre Heilkunst galt, weil sie zu undurchsichtig war, als Hexenwerk. Im Zuge der Hexenverfolgungen gerieten sie, wie viele andere, in Misskredit und waren zum Teil grausamen Verfolgungen ausgesetzt.“
(Das Buch stammt aus meinem Archiv: Leider ist es nur noch gebraucht zu kaufen)

Hexenverfolgungen – eine unbelegte These?

Mit den Hexenverfolgungen hätten Kirche und Obrigkeit das Wissen der Bevölkerung über Geburtenkontrolle und damit die weisen Frauen und ­Hebammen vernichten wollen, um die Bevölkerungszahlen ansteigen zu lassen – so die These der beiden Wissenschaftler Gunnar Heinsohn und Otto Steiger. Allein durch die Pest von 1348 bis 1352 starben rund 25 Millionen Menschen – ein Viertel der Bevölkerung Europas. Wo die Pest gewütet hatte, waren ganze Landstriche menschenleer. Doch schon in den Jahren 1315 bis 1318 führten kalte und regnerische Jahre zu Missernten und damit zu Hungersnöten. Außerdem wirkten sich Kriege, wie der furchtbare 30-jährige Krieg von 1618 bis 1648, negativ auf das Bevölkerungswachstum aus. Konkret gesagt: Überall fehlten Arbeitskräfte, vor allem auf dem Lande, das sich zum größten Teil im Besitz des Adels und der Kirche befand. Für die These der beiden Wissenschaftler fehlen konkrete Beweise, eindeutige Dokumente oder Aussagen von historischen Persönlichkeiten. Viele Wissenschaftler widersprechen ihr. Auch der Begriff der »weisen Frau« ist fragwürdig und in der frühneuzeitlichen Literatur nicht zu finden. Vielmehr wird dort von der »Hebamme« und der »ehrbaren Frau« gesprochen. Quelle: PTA Forum – Die Geschichte der weisen Frauen

Renaissance und Humanismus

Mit dem Aufkommen des Renaissance-Humanismus wurde der theologische Einfluss auf die Medizin schwächer, lebte aber zum Beispiel in Form der Pestblätter bis in die Inkunabelzeit und danach weiter. Die therapeutische oder prophylaktische Anwendung von Magie, etwa in Form von Zaubersprüchen, und Gebeten oder Segen, war bis in die Renaissance (in Volksmedizin) verbreitet. Das Wissen über die Pflanzenheilkunde wurde im ersten gedruckten Kräuterbuch in deutscher Sprache, dem Gart der Gesundheit (1485) weitergegeben. Die Väter der Botanik korrigierten und erweiterten dieses Wissen ab dem 16. Jahrhundert. Zu den ersten deutschsprachigen Medizinwerken gehören unter anderem[71] das Arzenîbuoch Ipocratis (um 1200), das Innsbrucker (Prüller) Kräuterbuch (12. Jahrhundert), eine Übersetzung der Capsula eburnea vom Anfang des 14. Jahrhunderts, das Arzneibuch des Ortolf von Baierland und für den mittelniederdeutschen Bereich die Düdesche Arstedie (enthalten im Gothaer Arzneibuch[72]) aus dem 14. Jahrhundert.[73] Mit der langsamen Abkehr von der dogmatischen Humoralpathologie entwickelte sich nach und nach die moderne Medizin. Galens Auffassungen vom Fluss des Blutes wurden jedoch erst im 17. Jahrhundert durch William Harvey und Marcello Malpighi und teils gegen erhebliche Widerstände revidiert. Das öffentliche Verbrennen der Bücher von Galen und Avicenna durch Paracelsus hatte unmittelbar keine Auswirkungen. Komplett abgelöst wurde die Humoralpathologie schließlich im 19. Jahrhundert durch die Zellularpathologie. (Quelle: wikipedia)

Die Lehre von der Signatur und die spätere Spagyrik

Paracelsus führte zur Signatur an:
„Die Natur zeichnet jedes Gewächs, das von ihr ausgeht zu dem, dazu es gut ist. Darum, wenn man erfahren will, was die Natur gezeichnet hat, so muss man es an dem Zeichen erkennen, was Tugenden in ihm sind. „

In Europa geht die Signaturenlehre auf Paracelsus und den neapolitanischen Arzt und Alchemisten Giambattista della Porta (1538–1615) zurück. Dieser hat in seinem Buch Phytognomonica (eine „Physiognomik der Pflanzen“) anhand von Signaturen ein System von Zusammenhängen zwischen Pflanzen, Tieren und Gestirnen aufzeigt.

Er beschrieb die Pflanzen und ordnete ihnen aufgrund ihrer “Signi” imaginäre Ursprünge und einen medizinischen Wert zu.
„Er stellte eine Verbindung her zwischen Farben und Formen von Blüten, Blättern, Rinden, Wurzeln und Früchten und ihren Ähnlichkeiten mit Organen und Körpersäften. Auch Bodenbeschaffenheit, Geruch, Geschmack, Wachstumsphase, Lebensdauer oder schlicht die Gestalt der Pflanze beachtete er. Hierbei hatte er stets das Universum im Blick – und die Entsprechungen zwischen oben und unten, zwischen Himmel und Erde, zwischen den Planeten und den Menschen. (Quelle: Spagyrische Baumessenzen, Martina Schneider, Natur & Heilen 8/2023)

Man dachte damals also, dass die Erscheinung einer Pflanze, ihre Farbe, ihr Geruch und ihr Standort anzeigen müssten, welche Krankheit mit ihrer Hilfe zu heilen sei. Hier einige Beispiele: Kräuter gegen Gelbsucht haben gelbe Blüten wie die Ringelblume, der Löwenzahn und das Leinkraut. Schöllkraut enthält in den Stängeln einen rotbraunen ätzenden Saft, was auf die Farbe der Galle hindeutet. Daher kam es bei Beschwerden der Galle, wie z.B. Koliken in Frage. In der Tat ist eine krampflösende Wirkung auf die Gallenwege wissenschaftlich erwiesen. [mehr dazu….]

Die Theorie ließ sich nicht (ganz) aufrechterhalten, weil sie so viele Ausnahmen zuließ. Die kurze Herrschaft der Signaturenlehre dauerte 100 Jahre. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 17. und 18. Jahrhundert, bevor sie durch die Systematik Carl von Linnés und die Erkenntnisse der modernen Chemie abgesetzt wurde.

Doch später im 19. Jahrhundert wurde die Lehre von der Signatur zum einen von Hahnemann in der Homöopathie im Sinne von „Ähnliches mit ähnlichem heilen“ und in der Spagyrik nach Carl Friedrich Zimpel (1801 bis 1879) wieder aufgegriffen. Zimpels spagyrisches Heilsystem fußte auf den Thesen Paracelsus‘. Auch heute findet sie in der Komplementär Medizin noch Anwendung. Der Begriff ‚Spagyrik‘ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Trennen und Zusammensetzen. Pflanzen, die zu spagyrischen Produkten verarbeitet werden, werden vergärt, destilliert, verascht und extrahiert und dann als Essenzen angesetzt. Ein äußerst zeitaufwändiger Prozess.

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Fortsetzung folgt in Teil 4 (noch in Arbeit…)

Lese auch Teil 1 – Geschichte der Heilpflanzen (1) – Von der Steinzeit bis zur Antike

und Teil 2 Geschichte der Heilpflanzen (2) – Avicenna, Mittelalter und Klostermedizin


#GESCHICHTE der HEILPFLANZEN (3) – Avicenna, Mittelalter und Klostermedizin

Das Antike Wissen ging beinahe verloren

Die Schriften Hippokrates, Dioskurides und Galens waren mehr oder weniger unverändert durch die Jahrhunderte beibehalten und weitergereicht worden. Sie waren die Grundlagen des gesamten damaligen medizinischen Wissens des Abendlandes.

Doch es stand vor dem Untergang. Das weströmische Reich wurde von unterschiedlichen Germanenstämmen eingenommen, denen die antike Geisteswelt fremd war. Und schließlich wurde auch noch im Zuge der Christianisierung der oströmischen Kaiser 529 n.Chr. durch Justinian I. das gesamte antike Wissen für heidnisch erklärt! Eine Katastrophe, denn alle Bibliotheken – wie die berühmteste und umfangreichste in Alexandria – gingen in Flammen auf und die Philosophieschulen geschlossen.

Philosophen, Wissenschaftler und Ärzte gingen ins Exil und fanden mit ihren geretteten Resten der antiken Literatur in Syrien und Persien eine neue Wirkstätte. So konnten sie in der islamischen Welt das Erbe des klassischen europäischen Geistes weiter pflegen. Um 800 n.Chr. verfasste Mesuë der Ältere (✝ 857) ein Traktat über einfache und zusammengesetzte Arzneien, das bis ins 17. Jahrhundert die Medizin und Pharmazie beeinflusst hat. Er gehört damit zu den Vertretern der ersten Periode der arabischen Medizin.

‚Ex oriente Lux‘ – Von Avicenna bis zu den Mauren

Sowohl der Perser Rhazes (865-925), der unter anderem das riesige Werk Galens strukturierte und übersetzte, als auch der berühmte islamische Arzt Avicenna (Ibn Sīnā 980-1037) erweiterten das medizinische Wissen des europäischen Altertums. Avicenna zählt zu den berühmtesten Persönlichkeiten seiner Zeit er tauschte sich philosophisch mit dem berühmten Gelehrten al-Bīrūnī aus und galt bis weit ins 16. Jahrhundert als medizinisch-philosophische Autorität. Er hat insbesondere die Geschichte und Entwicklung der Medizin maßgeblich mitgeprägt. SeinCanon medicinaeblieb bis ins 17. Jahrhundert eins der wichtigsten Lehrbücher.

Von Autor/-in unbekannt – http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Avicenna-Miniatur.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4925110

Während der Zeitspanne von 500 bis 1000 n.Chr. wurde so die islamische Medizin von der Antiken Geisteswelt inspiriert und kehrte von dort wieder zurück nach Europa. Den Anfang machte Constantinus Africanus (ca. 1020-1087), ein nordafrikanischer medizinischer Forscher aus Karthago. Er war Fachautor, Übersetzer und Laienbruder des Benediktinerordens. Ihm fiel bei einem Besuch des Klosters Salerno mangelnde medizinische Kenntnisse und Fähigkeiten der dort wirkenden Mönchsärzte auf. Daraufhin sammelte er in seiner arabischen Heimat alle ihm erreichbare medizinische Literatur, kehrte mit dieser nach Salerno zurück und gründete um 1058 die berühmte Ärzteschule von Salerno. Ihre Blütezeit hatte die Medizinschule von Salerno und damit die Salernische Heilkunde etwa von 1100 bis 1180. Im 13. Jahrhundert war sie als einzige Medizinschule im Königreich durch Friedrich II. offiziell anerkannt. Aus der Schule von Salerno ging die von etwa 1150 bis 1300 bestehende scholastische Medizin hervor.

Weitere Beispiele für das ‚ex oirente lux‘ (lat.: „Aus dem Osten kommt das Licht“) sind die Gründungen der ersten europäischen Universitäten in Portugal und Spanien durch die Mauren im 12. Jahrhundert.

Klöster die Hüter des medizinischen Wissens

In Mitteleuropa erwiesen sich die Klöster als die Hüter von Kunst und Wissenschaft. Nahezu 500 Jahre lang war das Studium, die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben, nur in Klöstern erlernbar. Bald entstanden in den Klosterschulen und Bibliotheken von unschätzbarem Wert. Durch das benediktinische Gebot der Arbeit ‚ora et labora‚ mehrten die Klöster ihr Wissen und setzen es gleichzeitig für ihren Erhalt ein.

Die Klöster wurden mächtig und reich. Auch durch die sie umgebende Landwirtschaft. Die Bauern lieferten einen Teil ihrer Ernte bei den Klöstern ab. Mönche rodeten Wälder, machten die Flächen urbar und erfanden neue Methoden des Ackerbaus. Zudem legten sie in ihren Mauern spezielle Gärten für Gewürze und Heilkräuter an – Klostergärten der Grundstock für die Klostermedizin.

Mönche und Nonnen schufen so die Grundlagen der modernen Medizin. Sie verbanden die Lehre von Heilkräutern, Arzneipflanzen, der Ernährung und des christlichen Glaubens zu einer ganzheitlichen Medizin. In den Klostergärten wurden nicht nur Kräuter für den Eigenbedarf angebaut, sondern auch zur Behandlung von Kranken aus der Umgebung. Viele Klöster betrieben auch schon spezielle Hospitäler und Siechenheime.

Benedikt von Nursia und Karl der Große

Die Ursprünge der Klostermedizin beginnen in den frühesten Zeiten der Klostergeschichte. Das Mönchstum erlangte durch Benedikt von Nursia und seine Klostergründung von Monte Cassino um etwa 529 weltgeschichtliche Bedeutung. Der Gründervater des Benediktinerordens verpflichtete die bisher wandernden Mönche zur Beständigkeit (stabilitas). Seine Ordensregel („Regula Benedicti„) durchdrang alle Bereiche des klösterlichen Lebens und wurde Vorbild für die abendländischen Klöster.

Von den Kräuterkenntnissen auf dem Monte Cassino gegründeten Benediktinerordens lernten viele andere Orden sowie kein geringerer als Karl der Große (748 – 814 n. Chr.).

Seine Landgüterverordnung, die „Capitulare de villis“ ist eine detaillierte Vorschrift über die Verwaltung der Krongüter. Der Zeitraum der Entstehung ist umstritten, die Datierung reicht von 770–813. Das Capitulare de villis schreibt die Dreifelderwirtschaft, den Weinbau, die Obstpflege, die Zucht von Hausvieh und Herdenvieh, Pferden, Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen, Bienen, Fischen bis ins einzelne als Bestandteile vorbildlicher Musterwirtschaften vor. Auch sorgte Karl der Große für einen verstärkten Anbau von Würzkräutern und Heilpflanzen als er eben diese Pflanzen in die Verordnung aufnahm. Im 70. Kapitel sind 73 Nutzpflanzen (einschließlich (Heil)kräutern) und 16 verschiedene Obstbäume genannt. Diese sollen die Verwalter in allen kaiserlichen Gütern anpflanzen, wenn es die klimatischen Gegebenheiten zu ließen.

Die Verordnung greift auch auf noch vorhandenes Wissen über die römische Landwirtschaft zurück. Der Erlass über die Krongüter sollte die Versorgung Karls des Großen und seines großen Hofes sichern, der sich laufend auf Reisen befand. Es galt, die königlichen Pfalzen mit entsprechenden Vorräten auszustatten.

Von Autor/-in unbekannt – http://www.denkmalpflege-bw.de/fileadmin/media/publikationen_und_service/nachrichtenblaetter/2004-03.pdf#page=32, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41939983

Der ideale Klostergarten und die Klostermedizin

Walafried Strabo, ab 838 Abt des Klosters Reichenau, nennt in seinem Lehrgedicht über den Gartenbau (‚Hortulus‚ von 1510 ) 23 Gartenpflanzen der Reichenauer Beetanlage und bringt sie mit der christlichen Heilslehre in Verbindung. Das 724 von Pirminius gegründete Kloster war eines der bedeutendsten Klöster der karolingischen Zeit.

Die Mönche vertieften in klostereigenen Gärten ihre Studien in Medizin und Kräuterheilkunde und gaben ihr Wissen innerhalb des Klosters weiter. In der Stiftsbibliothek St. Gallen sind fünf zusammengenähte, handbeschriebene Pergamentstücke aufbewahrt. Auf ihnen ist der Plan einer idealen Klosteranlage verzeichnet ist, der Sankt Gallener Klosterplan. Die Aufzeichnung diente fortan vielen Klöstern als Modell für die Anlage der Kräutergärten. In den länglichen rechteckig angelegten Beeten haben die Mönche jeweils nur eine Pflanze kultiviert. Damit konnte die Reinheit des Krauts gewährleistet und Verwechslungsgefahr vermieden werden.

Lorscher Arzneibuch und Macer floridus – erste handgeschriebene Werke der Mönche

Ihr Wissen über die Heilpflanzen schrieben die Mönche nieder. Umfangreiche klostermedizinische Werke entstanden. Zur Zeit Karl des Großen, im 8.Jahrhundert wurde im Kloster Lorsch das medizinische Wissen im „Lorscher Arzneibuch“ niedergeschrieben.

Das Lorscher Arzneibuch ist eine umfangreiche, in Lorsch verfasste medizinische Handschrift aus der Zeit Karls des Großen, entstanden wahrscheinlich um 785. Es ist das älteste erhaltene Buch zur Klostermedizin aus dem abendländischenFrühmittelalter bzw. das älteste erhaltene medizinische Buch Deutschlands.[1] Geschrieben wurde das 482 Rezepturen enthaltende Arzneibuch unter benediktinischerÄgide in lateinischer Sprache im Kloster Lorsch (heute Kreis BergstraßeHessen), wohl unter Richbod, dem Abt der Reichsabtei.[2] Seit ca. 1000 Jahren befindet es sich in Bamberg und wird heute in der Staatsbibliothek Bamberg (Signatur des Bamberger Kodex: Msc.Med.1; alte Signatur: L.III.8) verwahrt. Am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg wurde von Ulrich Stoll und Gundolf Keil die Handschrift in einem dreijährigen Projekt bis 1989 faksimiliert, ediert und ins Deutsche übersetzt. Seit Juni 2013 gehört das Lorscher Arzneibuch zum UNESCOWeltdokumentenerbe.[3][4] Das Lorscher Arzneibuch ist als planmäßig angelegtes heilkundliches Kompendium das älteste deutsche Arzneibuch.[5] (Quelle: wikipedia – Lorscher Arzneibuch)

Später im 11. Jahrhundert verfasste der Mönch Odo de Meung den „Macer floridus„, ein Standardwerk der Kräuterheilkunde. Es fand überall in Europa Verbreitung.

Macer floridus, auch De viribus herbarum, ist ein von Odo Magdunensis (= Odo von Meung)[1] verfasstes, früher Aemilius Macer namensgebend zugeschriebenes, Lehrgedicht über die gebräuchlichsten Heilkräuter in der Form der lateinischen Hexameter. Es entstand um 1065[2][3] in Westfrankreich, wurde in viele Sprachen übersetzt und galt im Mittelalter im mitteleuropäischen Raum als Standardwerk der Kräuterheilkunde. (Quelle: wikipedia)

Vom Klostergarten zum Bauerngarten

Die Klostermedizin befand sich vom 10. bis zum 13. Jahrhundert auf ihrem Höhepunkt. Jahrhundertelang hüteten und vertieften Mönche das medizinische Wissen und die Geheimnisse der Heilpflanzen in ihren Bibliotheken. Erst die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert ebnete den Weg für die weitere Verbreitung ihrer Kenntnisse. Fortanlegten Adel und Ritter nach dem Beispiel der Klostergärten ihre Burggärten an.

Auf dem Lande entstanden Bauerngärten, in den Städten verbreiteten sich die Pfarr- und Apothekergärten. Das Wissen der Mönche über Arzneipflanzen und deren Wirkungen ebnete den Weg von der medizinischen Grundversorgung zur Entwicklung der heutigen Schulmedizin.

Bild eines Klostergartens. Oberrheinischer Meister: Das Paradiesgärtlein, um 1420 Link zu wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Klostergarten

Forschergruppe Klostermedizin

In Deutschland hat sich eine kleine Schar von Wissenschaftlern zum Ziel gesetzt, die Schätze der klösterlichen Heilkunde zu heben. Ihren Sitz hat die Forschergruppe „Klostermedizin am Institut für Geschichte der Medizin in Würzburg. An dem Projekt arbeiten Mediziner, Botaniker, Chemiker, Pharmazeuten und Historiker. Zum ersten Mal wurden die alten Erkenntnisse der Mönche und Heilkundler systematisch erfasst und wissenschaftlich aufbereitet.

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Lies auch: Geschichte der Heilpflanzen (1) – Von der Steinzeit bis zur Antike

Und: Geschichte der Heilpflanzen (4) – Hildegard von Bingen, die Alchimisten und die Signaturenlehre Paracelsus‘

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