Der LÖWENZAHN – essbar und heilend

Der Löwenzahn trägt viele Namen: Pusteblume, Butterblume, Kuhblume und wegen ihrer harntreibenden Wirkung wird er in manchen Gegenden auch Pissblume, Seichkraut, Bettsoicher oder Bettsäächer genannt. Am Kaiserstuhl wird er Bieselin genannt, wie ich kürzlich erfahren habe. In Frankreich nennt man ihn „pis en lit“.

Die „Pusteblume“, wie sie von Kindern genannt wird, wächst praktisch überall und ist nahezu unausrottbar. Was allerdings auch auf seine Vitalität und Kraft auch als Heilpflanze hinweist.

Er ist eine alte Kulturpflanze und sein lateinischer Namenszusatz officinale deutet schon auf eine Nutzung in Klostergärten hin. Die Blätter, Blüten und Wurzeln werden in der Kräutermedizin oder als Lebensmittel verwendet. Auch in traditionellen chinesischen Medizin  (TCM) wurden seine diuretischen, sprich harnfördernden Eigenschaften seit über 2.000 Jahren verwendet.

„Reichlich Bitterstoffe verdanken wir dieser Pflanze, sie können die Tätigkeit der Leberzellen fördern und diese schützen. Unsere Leber speichert Energiereserven und setzt sie frei, wenn sie benötigt werden. „Schon bevor die moderne Medizin diese Zusammenhänge erkannte, galt die Leber als Energiezentrum des Körpers“, schreiben Anne Wanitschek und Sebastian Vigl in ihrem Buch und ergänzen: „Daher empfahlen Pflanzenheilkundler unterschiedlicher Epochen Leberheilpflanzen bei Energielosigkeit.“

Die moderne Medizin bezeichnet Müdigkeit auch als den Schmerz der Leber. Wenn die Leber schwächelt, ist der ganze Organismus kraftlos. Der Löwenzahn bietet hier eine gute Unterstützung – auch dann, wenn wir die Folgen unseres oft ungesunden Lebensstils spüren und einen Helfer benötigen, um z. B. bewusster und weniger zu essen. (Quelle: Natur & Heilen – Stimulanzien aus der Natur, Februar 2023)

Botanisches

Löwenzahn (Taraxacum) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihre bekannteste Art ist der auch in Mitteleuropa sehr häufig vorkommende Gewöhnliche Löwenzahn, die „Pusteblume“, „Butter-“ oder „Kuhblume“. Die Gattung Taraxacum ist nicht zu verwechseln mit der in deutscher Sprache meist gleich benannten und sehr ähnlichen Gattung Leontodon innerhalb derselben Familie. (Quelle: wikipedia)

Vorkommen

Ursprünglich in den gemäßigten Zonen Europas und Asiens vorkommend, ist er mittlerweile weltweit verbreitet. Vom Flachland bis ins Gebirge wächst der Löwenzahn auf Fettwiesen, Weiden, Äckern, Schutt, Wegränder, Parkanlagen und in Gärten – sogar zwischen Pflastersteinen setzt er sich durch! Als sogenannte „Rosettenpflanze“ wächst er immer wieder aus seiner bis zu zwei Meter (!) langen Pfahlwurzel nach. Dadurch setzt sich der Löwenzahn besonders an Stellen durch, wo andere Pflanzen durch Tritt oder durch Mahd zerstört werden.

Anmerkung: Der Gewöhnliche Löwenzahn ist sehr leicht mit anderen Pflanzen seiner Gattung zu verwechseln, die manchmal nur durch die Form der Samen unterschieden werden können.

Geschichtliches

Bei den antiken hellenistischen Ärzten wird der Löwenzahn nicht explizit erwähnt. (siehe auch Geschichte der Heilpflanzen hier im Blog). Erst bei Avicenna und den Arabischen Ärzten des 11. Jahrhundert und später in den Kräuterbüchern fand er Aufmerksamkeit. Seit dem 16. Jahrhundert ist er als Heilmittel anerkannt. Vermutlich hatte er in der Volksheilkunde wohl schon länger Bedeutung, obwohl Hildegard von Bingen – eigentlich gut bewandert in der Naturküche – ihn als Heilpflanze nicht erwähnt hat. Auch dass er essbar ist, muss ihr völlig unbekannt gewesen sein.

Später bei den früheren Apothekern des Spätmittelalters, fand er dann Eingang in das Officium fand (daher auch sein Name „officinale“). Die entwässernde und diuretische Wirkung liest man aus seiner Bezeichnung als „Herba urinaria“ bei den galenischen Pillen- und Zäpfchendrehern heraus. Er galt als Mittel gegen Durchfall, Wasserretention, Gicht, Gelbsucht und damit vor allem Galle- und Leberleiden.

Als Taraxum mongolicum wird er in der chinesischen Pharmakologie schon seit Jahrtausenden verwendet: zur Beseitigung von Hitze- und Giftstoffen aus der Leber und zur Behandlung von Furunkeln (sie können auf der Haut als das Entgiftungsorgan bei Leberschwäche entstehen).

Inhaltsstoffe

Der hohe Anteil an Bitterstoffen (Taraxacinen) soll die Gallensekretion erhöhen und die Magensaftproduktion steigern. Die Bitterstoffe sind Lactucopikrin (auch Taraxacin genannt), Triterpenoide und Phytosterine.

Der Löwenzahn gehört zu den schon in der Volksmedizin bekannten Naturheilkräutern. Er enthält etwa zehnmal so viel Vitamin C wie Kopfsalat. Neben dem Bitterstoff Taraxacin, enthält der Löwenzahn auch den für Diabetiker geeigneten Zuckerersatzstoff Inulin, dazu Cholin, Vitamin B2, Harze, Triterpene und verschiedene Carotinoide. Sein Provitamin A Gehalt ist höher als der von Karotten. Bemerkenswert ist sein hoher Kaliumgehalt.

Pharmakologie

Die Apothekerdroge aus Löwenzahn wird Taraxaci radix cum herba genannt, da man Löwenzahnwurzel (radix) und -kraut (herba) verwendet.

Die Bitterstoffe des Löwenzahns haben eine appetitanregende Wirkung und fördern die Magensaftsekretion. Zudem regen sie die Leberzellen zur vermehrten Sekretion von Gallensäuren an, sind also choleretisch und auch cholagog. In den Nieren stimuliert vor allem der hohe Gehalt an Kalium eine Steigerung der Diurese.

Außerdem werden ihm auch krampflösende (spasmolytische) und entzündungshemmende (antiphlogistische) Eigenschaften zugeschrieben.

Anwendungsgebiete

Störungen des Gallenflusses. Zur Anregung der Diurese (Harnausscheidung über die Nieren). Bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl und dyspeptischen Beschwerden mit Meteorismus.

Mit seiner harntreibenden Wirkung wurde er auch zur sogenannten „Blutreinigung“ eingesetzt: Als Teil einer Frühjahrskur mit Kräutern hilft er dem Körper zu „entschlacken“, wie man früher gesagt hat, da er sämtliche Verdauungsorgane, Niere und Blase anregt. Dies wirkt sich laut Studien auch positiv auf Rheumatismus oder Gicht aus.

Heute ist er gerne Bestandteil sogenannter Detox-Tees, die ebenfalls als Frühjahrskur zum Beispiel in der Integrativen Ernährung von Claudia Nichtlerl eingesetzt werden.

Nebenwirkungen: Es können vereinzelt Magenbeschwerden auftreten. Keine Wechselwirkungen bekannt. Nur bei Leber- Galleleiden ärztliche Abklärung notwendig.

Löwenzahn (Taraxacum officinale) im Weinberg bei Durbach, April 22, 
Foto: Ute Mangold, wiesengenuss
Löwenzahn (Taraxacum officinale) im Weinberg bei Durbach, April 22,
Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Ernte

Vor allem im Frühjahr von März bis Juni ist die beste Erntezeit für Blüten und Blättchen. Zarte Blätter können aus der Rosette das ganze Jahr über frisch geerntet werden.

In der Küche

In Frühjahrssalaten wirkt er appetitanregend. Die Blätter des wilden Löwenzahns sind etwas bitterer als die des Kulturlöwenzahns. Ältere Blätter können gekocht als Gemüse auf vielfältige Weise zubereitet werden. Aus Löwenzahnblätter, Wegerich und Brennnesseln wurde früher eine hervorragende Suppe mit vielen Vitaminen und entschlackenden Bitterstoffen zubereitet. Bei vollem Sonnenschein geerntet ergeben die Blüten ein goldgelbes Gelee oder einen Sirup, den „Löwenzahnblütenhonig“. Aus den Blüten lässt sich auch ein intensiv gelber Tee zubereiten oder der in angelsächsischen Ländern beliebte spritzige „Dandelion wine“. Die Blütenknospen können wie Kapern eingelegt werden. Aus den Wurzeln lässt sich sogar Kaffee aufbrühen. Vor allem in der Nachkriegszeit wurde er ähnlich wie Zichorienkaffee eingesetzt. In Japan wird die Wurzeln in Öl und Sojasauce gebraten oder in Brandteig ausgebacken.

Löwenzahnblütenhonig und Ziegenkäse auf Schieferplatte. Mit Zitrone und gelben Löwenzahnblüten. Foto: Ute Mangold, wiesengenuss
Löwenzahnblütenhonig Foto: Ute Mangold, wiesengenuss

Frühling und Löwenzahn

Eine meiner liebsten Frühlingstätigkeiten ist es, Löwenzahn zu ernten. Und zwar die Blüten. In den Weinbergen (ökologisch bewirtschaftet, natürlich), auf Wiesen und Weiden – und leidlich auch in meinem Garten. Ich gebe zu, selbst als Botanikerin und Wildkräuterköchin ist mir der Löwenzahn in meinem eigenen Garten nicht so wirklich willkommen. Gewesen. Das hat sich dieses Jahr geändert. Ich versuche ihn nicht mehr auszustechen, denn er sticht mich jedes Jahr eh wieder aus. Er bleibt, er vermehrt sich und nutzt jede unbewachsene Lücke in meinem Garten einfach aus. Da kann frau nichts machen, denn beim Ausstechen bleibt halt doch immer ein Wurzelrestchen drin. Wie soll man auch eine bis zu 2m lange Pfahlwurzel ausstechen? Und dann fliegen die Samen ja auch immer wieder herein, so dass er jetzt – im April – wieder einen regelrechten Teppich bildet. Aber, nur eben an den Stellen, an denen sonst nichts wächst. So what? Besser als nackte Erde. Und die Spinnentiere, Würmer und Insekten des Gartens danken es mir, weil sie sich verstecken können im Schatten des Löwenzahns. Mal abgesehen von den Milliarden von Mikrolebewesen, die sich in einer Handvoll Erde befinden… Also diesmal darf er bleiben. Er bleibt ja eh 😉 Und irgendwie sind seine gelben sonnigen Blüten halt schon hübsch anzusehen. Also ernten, essen und verarbeiten, statt bekämpfen. Die Köpfchen ernten, bevor sich aus ihnen Pusteblumen bilden. 

Und daraus lässt sich schließlich ein wunderbarer Sirup oder ein Gelee zaubern. In denen wahrlich die Sonne eingefangen ist. Beim Kochen entfaltet sich ein wohlig warmer Geruch, nach Wiesenhonig, Frühlingsluft und Blüten. Löwenzahnblütenhonig. Auch ohne Bienen. 

Wichtig ist, dass die Blüten bei Sonnenschein geerntet werden, wenn sie ganz aufgefaltet sind, denn dann enthalten sie den aromatischten Nektar. Das Rezept kann man sich übrigens ganz einfach merken: Blüten, Zucker, Wasser, Zitrone – alles eins zu eins.

Löwenzahnblütenhonig und Ziegenfrischkäse

Zubereitung des Löwenzahnblütenhonigs

1 L Löwenzahnblüten (ca. 200g)
1 L Wasser
1 kg Zucker
1 Zitrone

Die Zitrone in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Die Löwenzahnblüten von den Stängeln befreien, aber die Blütenböden dran lassen. Zusammen mit den Zitronenscheiben in einen Topf mit 1 L Wasser geben. Kurz aufkochen, von der Herdplatte nehmen und bei geschlossenem Deckel etwa 20 min ziehen lassen. Anschließend durch ein gebrühtes Leinentuch oder ein feines Sieb abseihen und zusammen mit dem Zucker wieder aufkochen. Auf mittlerer Hitze etwa 1 Stunde leicht köcheln lassen bis die gewünschte sirup- oder honigartige Konsistenz erreicht ist.

Der selbstgemachte Löwenzahnblütensirup passt wunderbar zu einem Salat mit Ziegenkäse oder zu Erdbeeren und anderen Desserts über die er einfach darüber geträufelt wird. 

Bild von Löwenzahnblütensirup im Weckgläschen. Bild Ute Mangold, wiesengenuss